Zazie in der Metro

Zazie in der Metro von Raymond Queneau

Zazie in der Metro von Raymond Queneau

„Zazie in der Metro“ ist wieder so ein Buch, das ich ohne BookCrossing nie kennengelernt hätte. Ich hatte bisher nie etwas davon gehört und nur der (spärliche) Klappentext hat mich veranlaßt, es aus der [bookbox] Buch der 1000 Bücher von Zibele zu nehmen:

„Zazie in der Metro“ ist kein Buch über die Pariser Metro, nur nebenbei ein Buch über die Göre Zazie, vielmehr ist es ein Buch über Paris, ein Buch über die Sprache des Alltags, ein Buch, das alles auf den Kopf stellt.

Und ich habe es auf keinen Fall bereut! Dieses Buch ist so wunderbar geschrieben, so herzergreifend komisch, daß es eine reine Wonne ist. Die kleine Zazie, die ein paar Tage bei ihrem Onkel Gabriel in Paris ist, möchte eigentlich nur mit der Metro fahren. Dummerweise streikt die und so muß sie Paris zu Fuß oder im Taxi von Gabriels Kumpel Charles erkunden. Dabei trifft sie auf liederliche Polizisten, anhängliche Witwen, russische Fremdenführer und eine Menge Touristen. Als ob die seltsamen Bekannten ihres Onkels nicht schon amüsant genug gewesen wären: Der Kneipenwirt mit seinem geschwätzigen Papagei, die Kellnerin, die in Charles verschossen ist, der zynische Schuster von nebenan, sie alle sind herrlich verschroben. Wenn man dazu noch die Tatsache nimmt, daß der riesenhafte Gabriel als Travestiekünstler arbeitet und seine Frau Marceline eigentlich Marcel heißt, ja, dann kann man sich vorstellen, daß man es hier mit einem sehr turbulenten und sehr unterhaltsamen Buch zu tun hat.

Trotzdem ist die Geschichte, wie ganz richtig im Klappentext erwähnt, eigentlich nicht das, was die Qualität des Buches ausmacht. „Zazie in der Metro“ lebt von seiner Sprache. Wie ich es noch nie vorher erlebt habe, schafft es Raymond Queneau dem Volk aufs Maul zu schauen. Die Gespräche (und das Buch besteht hauptsächlich aus Gesprächen) sind spritzig und nehmen Wendungen, wie man sie nicht erwartet hätte. Oft sind da zusammengezogene Worte zu finden, oder englische Ausdrücke, die so aufgeschrieben wurden, wie man sie spricht und nicht wie sie eigentlich geschrieben werden. Außerdem fügt Queneau oft die Worte „Gebärde“ oder „Seufzer“ in die Gespräche ein, um sie so noch realistischer darzustellen. Er nimmt damit 1959 schon voraus, was (wenn auch eingerahmt von ** und nicht von Klammern) in der heutigen „Chatsprache“ gang und gäbe ist.

„Zazie in der Metro“ ist ein großartiges Buch, das eigentlich jeder gelesen haben sollte. Verfilmt wurde das Buch wohl auch, mal sehen, vielleicht kann ich den Streifen irgendwo auftreiben und dann mit der Vorlage vergleichen. So gut wie das Original kann er aber eigentlich gar nicht sein …

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