Schlagwort-Archive: Orhan Pamuk

Das schwarze Buch

Das schwarze Buch von Orhan Pamuk
Das schwarze Buch von Orhan Pamuk

Eine kriminalistische Handlung zieht den Leser in das dichte erzählerische Netz, in dem sich vor allem der Istanbuler Anwalt Galip verstrickt. Eines Tages sind plötzlich seine Frau und sein Cousin, ein bekannter Journalist und Kolumnist, spurlos verschwunden. Er macht sich auf die Suche nach den beiden Angehörigen. Galip liest die Artikel und Essays Celâls, denn er erhofft sich aus ihnen Hinweise auf den Aufenthaltsort der beiden. Zunächst scheint er über die Lektüre dieser Artikel – visionäre Texte über einen ausgetrockneten Bosporus, über geheime byzantinische Gänge und unterirdische Schaufensterpuppenkabinette – seiner Frau und Celâl näherzukommen.

Der eigentliche Protagonist dieses Romans ist die Stadt Istanbul. Pamuk ergründet ihre Tiefen und Verborgenheiten. Er taucht hinab in die unterirdischen Gänge und Zisternen vergessener Zeiten, auf denen die moderne Großstadt sich erhebt. Eine Hommage an Istanbul, der Hauptstadt am Schnittpunkt von Europa und dem Nahen Osten, zwischen Tradition und moderner Urbanität.

Wer auch immer den Klappentext zu „Das schwarze Buch“ geschrieben hat, hat den Roman entweder (wie ja ziemlich üblich) nicht gelesen oder schlicht nicht verstanden. Im Prinzip stimmt hier nur eins: Galip liest die Artikel und Essays seines Cousins Celâl.

Das schwarze Buch weiterlesen

Rot ist mein Name

Rot ist mein Name von Orhan Pamuk
Rot ist mein Name von Orhan Pamuk

Neun Tage in Istanbul 1591, die große Stadt ist eingeschneit. Ein Ermordeter erzählt, wie er in einen Brunnen gestürzt wurde: „… niemand weiß, was mir geschah, nur mein ruchloser Mörder. Der aber, widerlicher Schuft, hat auf meinen Atem gehorcht und mir den Puls gefühlt, um sicherzugehen, daß ich wirklich tot war, dann hat er mir einen Tritt in die Weiche versetzt, mich zum Brunnen geschleppt, hochgezerrt und hineinfallen lassen.“ Der Tote aus dem Brunnen kennt nicht nur den Mörder, sondern, so glaubt er, auch dessen Motiv. Es gebe eine Verschwörung gegen das ganze Osmanische Reich, seine Religion, seine Kultur. Mitten in diesen politischen Verwicklungen stecken die Maler der Buchminiaturen, zu denen auch der Tote gehört. Im Auftrag des Sultans sollen sie zehn Buchblätter bemalen, die für den Dogen in Venedig gedacht sind und ihm die Macht und Pracht der osmanischen Herrschaft zeigen sollen. Doch im Islam sind Bilder nicht erlaubt, und die Einführung der Zentralperspektive gilt gar als Gotteslästerung. Andere Geschichten mischen sich in den Verschwörungskrimi ein: Ein Liebender schildert sein zwölf Jahre dauerndes Warten auf die schöne Seküre; deren Vater berichtet von einer gefährlichen und geheimen Mission ins Abendland; und die Maler sprechen – einer heißt Olive, einer Storch, einer Schmetterling. Sogar Tiere und Farben auf den zehn Bildern fangen an zu reden, der Hund, das Pferd, das Rot. Und natürlich auch jener, der von sich sagt: „Sie werden mich Mörder nennen“. Die vielen verschiedenen Stimmen vernetzen und verweben sich gleichermaßen zum orientalischen Märchen, zur Detektiv- und Liebesgeschichte und als Ganzes zum modernen Roman.

Es ist interessant, daß sowohl Umberto Eco mit „Der Name der Rose“ als auch Orhan Pamuk mit „Rot ist mein Name“ historische Romane geschrieben haben, in denen ein Kriminalfall eine große Rolle spielt, die gleichzeitig sehr sehr modern und alles andere als Krimis sind. Und die beiden Bücher haben noch mehr gemeinsam: Sie haben mit Büchern zu tun und sie sind beide extrem gut!

Rot ist mein Name weiterlesen