Schlagwort-Archive: Nigeria

Blauer Hibiskus

Blauer Hibiskus von Chimamanda Ngozi Adichie
Blauer Hibiskus von Chimamanda Ngozi Adichie

Eine Tochter aus gutem Hause entdeckt die Welt – das Haus liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern, die Welt dahinter ist das von politischen Unruhen gerägte Nigeria. Mit sanfter, eindringlicher Stimme erzählt die 15jährige Kambili von dem Jahr, in dem ihre Familie auseinanderfiel, das Land im Terror versank und ihre Kindheit zuende ging.

Der Klappentext von „Blauer Hibiskus“ ist wieder ein wenig irreführend. Klar bekommt man einige Dinge von den politischen Vorgängen in Nigeria am Rande mit. Aber ganz und gar nicht im Detail, wie es die Autorin zum Beispiel in „Die Hälfte der Sonne“. Chimamanda Ngozi Adichie hat stattdessen fast schon so etwas wie ein Kammerstück geschrieben.

Sie erzählt hier die Geschichte einer Familie und beschränkt sich dabei tatsächlich fast ausschließlich auf die Familienmitglieder und auf nur zwei Plätze (das Haus der Familie und das Haus der Tante). Darin spielt sich ein Drama ab, das man beinahe nicht ertragen kann und das gleichzeitig ungeheuer faszinierend zu verfolgen ist.

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Salzlose Asche

Salzlose Asche von Flora Nwapa, Gracy Osifo und Zaynab Alkali
Salzlose Asche von Flora Nwapa, Gracy Osifo und Zaynab Alkali

Was wir über den Alltag im afrikanischen Staat Nigeria – und auch über den Alltag der Frauen dort! – wissen, ist und bisher vor allem von männlichen Autoren aus diesem Land, wie Wole Soyinka und Chinua Achebe, nähergebracht worden. Dieses naturgemäß unvollständige literarische Zeugnis einer traditionell geschlechtergetrennten Gesellschaft wollen die nigerianischen Autorinnen Flora Nwapa, Gracy Osifo und Zaynab Alkali mit ihren Kurzgeschichten ergänzen.

Nach der Lektüre von „Salzlose Asche“ drängt sich der Verdacht auf, daß Wole Soyinka und Chinua Achebe nicht vor allem deshalb übersetzt wurden und im Westen bekannt sind, weil sie Männer, sondern einfach weil sie verdammt gute Schriftsteller sind. Flora Nwapa, Gracy Osifo und Zaynab Alkali können ihnen da leider nicht so ganz das Wasser reichen. Obwohl ich denke, daß die mangelnde literarische Qualität auch der schlechten Übersetzung geschuldet ist.

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Die Ausleger

Die Ausleger von Wole Soyinka
Die Ausleger von Wole Soyinka

Nachdem mich „Aké“ so begeistert hat, war ich von Wole Soyinkas „Die Ausleger“ erst einmal enttäuscht. Im Nachhinein muß ich sagen, daß dies vor allem am Klappentext liegt:

Nigeria in den sechziger Jahren, kurz nach Erlangung der Unabhängigkeit. Fünf Freunde – ein Journalist, ein Angestellter im Auswärtigen Amt, ein Maler, ein Ingenieur und ein Universitätslehrer -, alle etwa Mitte dreißig, versuchen, sich innerhalb der neuen nigerianischen Gesellschaft zu etablieren. Doch für gut geschulte, aber kritische Geister gibt es keinen Platz in der frisch geschaffenen Bourgoisie. Der Anblick von käuflichen Emporkömmlingen und biegsamen Konformisten treibt sie zwangsläufig zur Flucht in den Spott oder zur Verzweiflung.

Wole Soyinkas kunstvoll-satirische Zustandsbeschreibung liefert das Stimmungsbild einer Gesellschaft nach dem mißlungenen Dekolonialisierungsversuch – sprachkräftig, geistreich und voller Humor.

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Aké

Aké von Wole Soyinka
Aké von Wole Soyinka

Es war eine reiche Kindheit im Paradiesgarten von Aké! Soyinkas Vater, Direktor der lokalen Volksschule, war ein nobler, gebildeter Mann, sein Haus „das intellektuelle Wasserloch von Aké und Umgebung“. Die Mutter von Soyinka, Wild Christian genannt, weil sie einerseits leidenschaftliche Christin, aber auch von tiefstem afrikanischen Aberglauben erfüllt war, stellte den jungen Wole vor manchen Widerspruch, mit dem er allerdings gut umzugehen lernte. Seine Wißbegierde, die Fähigkeit zu staunen – Wole Soyinka erzählt sie mit dramatischer und poetischer Kraft. Und so läßt sich erahnen, aus welch reicher Kindheit die physische und intellektuelle Energie entstanden ist, die im Leben des späteren Literaturnobelpreisträgers so wichtig werden sollte

Nachdem man „Aké“ gelesen hat, sollte einem klar sein, warum Wole Soyinka Literaturnobelpreisträger ist. Bei ihm sogar mehr als bei vielen anderen, die mir so untergekommen sind. Der Mann kann vielleicht erzählen!

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Birds of Heaven

Birds of Heaven von Ben Okri
Birds of Heaven von Ben Okri

In these two inspirational essays, Ben Okri returns to the theme of his novel, „Astonishing the Gods“. He explores the meaning of language, its unique power to shape und direct our lives, and the special responsibilities that belong to those who make words their weapons. Part rallying cry, part poetry, they suggest an alternative spiritual response to the problems of the present day and urge the case for contemplation and renewal.

Es ist ein wenig peinlich, daß der Klappentextschreiber von „Birds of Heaven“ die 45 Seiten des sehr kleinformatigen Büchleins wohl nicht einmal gelesen hat. Sonst würde er nämlich wissen, daß „Beyond Words“ zwar ein Essay, „The Joys of Storytelling“ aber eine Sammlung von Aphorismen zur Bedeutung von Geschichten und dem Erzählen von Geschichten.

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Die Hälfte der Sonne

Die Hälfte der Sonne von Chimamanda Ngozi Adichie
Die Hälfte der Sonne von Chimamanda Ngozi Adichie

Die Hungerkatastrophe in Biafra, war die erste Katastrophe dieser Art, die von den Medien mit Berichten und Bildern begleitet wurde, die erste, die quasi direkt in den Wohnzimmern des reichen Westens ankam. Diese Bilder müssen so erschreckend und beeindruckend gewesen sein, daß der Ausdruck „dünn wie ein Biafrakind“ auch heute noch im deutschen Sprachgebrauch verwendet wird. Für mich, die ich einige Jahre nach der Katastrophe geboren wurde, war Biafra immer synonym mit den schrecklichen Bildern aus Afrika von ausgehungerten Menschen und den dürren Kindern mit ihren dicken Bäuchen. Bilder, die mich Mitte der 80er Jahre im Grundschulalter haben begreifen lassen, daß es auf dieser Welt tatsächlich Menschen gibt, die sterben, weil sie nichts zu Essen haben (ein Gedanke, der mich auch heute noch manchmal vor Ehrfurcht erschauern läßt angesichts der Fülle in unseren Supermärkten und dem Gefühl wirklich und wahrhaftig priviligiert zu sein mit meinem warmen Bett und meinem vollen Kühlschrank).

Aber was „Biafra“ wirklich bedeutet, ob das jetzt ein Landstrich in Afrika ist oder ein Stamm oder sonstwas, das wußte ich nicht. Erst aus „Die Hälfte der Sonne“ habe ich gelernt, daß Biafra für eine kurze Zeit einmal ein Staat gewesen ist:

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