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Brasilien, Brasilien

Brasilien, Brasilien von João Ubaldo Ribeiro
Brasilien, Brasilien von João Ubaldo Ribeiro

Schon João Ubaldo Ribeiros „Der Heilige, der nicht an Gott glaubte“ hat mir ja schon sehr gut gefallen. „Brasilien, Brasilien“ ist schon rein formal ganz anders: statt mit einer Kurzgeschichtensammlung hat man es hier mit einem 700+ Seiten-Wälzer zu tun. Aber auch in diesem Format brilliert der Autor, das Buch ist einfach genial!

Ribeiro schreibt, wie der Titel schon sagt, über Brasilien, und schlägt dabei einen Bogen von 1647 bis ins Jahr 1977. Vor allem aber behandelt er das 19. Jahrhundert, in dem in der brasilianischen Geschichte ungeheuer viel passiert ist. Eines der zentralen Themen des Autors ist hier das Verhältnis zwischen den Rassen und den Schichten.

Er folgt dabei verschiedenen Familien, die sich auf die unterschiedlichste Art und Weise entwickeln. Einer der Charaktere verleugnet zum Beispiel seine farbige Mutter, gibt sich als Weißer aus und steigt skrupellos in der Gesellschaft auf, bis sich seine Nachkommen tatsächlich für Weiße halten und alle anderen verachten, ja sich vor ihnen ekeln. Andere nehmen dagegen, obwohl auch gemischtrassig, gut ausgebildet und potentiell in der Lage eine ähnliche Karriere zu machen, den Kampf für das Volk auf. In einer geheimen, mystischen Bruderschaft schließen sie sich zusammen, und widmen ihr Leben einem höheren Ziel: Gerechtigkeit, Gleichheit für alle.

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Der Heilige, der nicht an Gott glaubte

Der Heilige, der nicht an Gott glaubte von João Ubaldo Ribeiro
Der Heilige, der nicht an Gott glaubte von João Ubaldo Ribeiro

Vierzehn Erzählungen des Autors von „Brasilien, Brasilien“: komische Geschichten, übermütig, skurril, hintersinnig, derb. Denn wenn der große brasilianische Autor Ribeiro Geschichten erzählt, dann scheint es, als stammten sie nicht aus der Werkstatt eines Schriftstellers, sondern aus dem Erzählen des brasilianischen Volkes selbst.

„Der Heilige, der nicht an Gott glaubte“ ist eine Sammlung von wunderbar charmanten, wunderbar amüsanten Geschichten. João Ubaldo Ribeiro schreibt wirklich großartig!

Seine Geschichten werden alle aus der Sicht von einfachen Brasilianern geschrieben, Männern, die aus einfachsten Verhältnissen stammen und soweit ich das sehen kann, alle von der Insel Itaparica. Sie sind ungebildet, nicht sonderlich intelligent aber bauernschlau und erzählen so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Sie schweifen ab, kommen vom Hundertste ins Tausendste, fluchen und machen abfällige Bemerkungen über ihre Bekannten.

Ich habe mich selten so gut unterhalten wie mit diesen kurzen Geschichten, die sich zudem auch noch wirklich schnell lesen lassen. Mal sehen, ob ich Ribeiros „Brasilien, Brasilien“ irgendwo auftreiben kann …