Schlagwort-Archive: Vietnam

Bitterer Reis

Bitterer Reis von Duong Thu Huong
Bitterer Reis von Duong Thu Huong

Mit Duong Thu Huong werde ich wohl einfach nicht so recht warm. Schon „Liebesgeschichte, vor der Morgendämmerung erzählt“ hat mich ja nicht begeistern können. „Bitterer Reis“ ist ein wenig besser, aber auch wirklich nur ein wenig. Darum geht es:

Bitterer Reis erzählt das Leben der Studentin Hàng, die seit Jahren glücklos ihr Dasein in den Dienst der Familie gestellt hat: zur Entlastung ihrer Mutter, die am Rande von Hanoi einen kleinen Laden betreibt, zur Unterstützung ihres Onkels Chinh, der sich auf Kosten der Familie im Aufbau des Kommunismus profiliert, und in der Freundschaft zu ihrer Tante Tàm, die ihr von dem verstorbenen Vater erzählt. Jahrelang ist Hàng auf der Suche nach dem verlorenen Paradies, nach dem Vietnam, das nur noch in den Erinnerungen an ihre eigene Kindheit fortlebt, das Land der endlosen grünen Reisfelder, Blumenhecken und Sternennächte, das Land der bunten und duftenden Märkte. All dies ist mit der Agrarreform zerstört worden. Doch eines Tages eröffnet sich Hàng die Möglichkeit, alle alten Bindungen zu lösen und sich aufzumachen, auf die Suche nach einem neuen, noch unbekannten Paradies.

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Liebesgeschichte, vor der Morgendämmerung erzählt

Liebesgeschichte, vor der Morgendämmerung erzählt von Duong Thu Huong
Liebesgeschichte, vor der Morgendämmerung erzählt von Duong Thu Huong

Ein Paar läßt sich scheiden …

Vu Sinh, Militärkommandant, liebt eine junge Schauspielerin, auch seine Frau Luu fühlt sich zu einem anderen hingezogen.

Doch die Partei macht die Scheidung rückgängig …

„Liebesgeschichte, vor der Morgendämmerung erzählt“ ist vor allem eines nicht: eine Liebesgeschichte. Es geht darin nämlich nur bedingt um Liebe, sondern vielmehr um gesellschaftliche Zwänge. Daß Vu Sinh und Luu überhaupt erst heiraten, passiert nur, um ihre Kameraden nicht zu enttäuschen und/oder lächerlich zu machen, die eine Liebesgeschichte zwischen den beiden vermuten. Auch die Anfechtung der Scheidung unternimmt Luu nur, weil ihre Vorgesetzte sie dazu drängt und sie ihr nicht sagen will, daß sie längst mit einem anderen glücklich ist. Wieder nicht, weil sie sich schämt, sondern um die Frau, mit der sie befreundet ist und die sich so sehr um sie kümmert und für sie einsetzt, nicht vor den Kopf zu stoßen.

Dies alles wird in einem sehr nüchternen, fast schon protokollarischen Stil erzählt, der erst gar keine Romantik aufkommen läßt. Tatsächlich ist das Poetischste an diesem Buch wohl der Titel. Muß man nicht gelesen haben.

Die drei Parzen

Die drei Parzen von Linda Lê
Die drei Parzen von Linda Lê

Paris – Saigon: Bevor das Schicksal den alten Herren abberuft, soll er noch einmal seine Töchter sehen. Eine Reise nach Frankreich ist geplant für den vietnamesischen König Lear, eine Wiederbegegnung mit seinen Mädchen, zwanzig Jahre nach ihrer nächtlichen Flucht vor dem Kommunismus. In der chromstahlglänzenden Exilküche hocken sie nun zusammen, die drei Parzen, und probieren ihre Lebensrezepte aneinander aus. Als Entkommene eines Desasters in Fernost begegnet jede von ihnen auf andere Weise der inneren Leere im westlichen Paradies.

Hochartistisch, kühn und unbarmherzig entlarvt Linda Lê die Lebenslügen einer traditionsbewußten Familie zwischen zwei Welten.

Hochartistisch ist ein Wort, daß auf „Die drei Parzen“ absolut zutrifft. Dadurch ist es nicht ganz einfach zu lesen, nimmt einem mit seinem ungeheuer großen Wortschatz, seinen phantasievollen Metaphern und seinem Rhythmus aber bald gefangen. Ab und zu habe ich mich fast an Dorota Masłowskas „Die Reiherkönigin“ erinnert gefühlt.

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Im Schatten des Mangobaums

Im Schatten des Mangobaums von Kien Nguyen
Im Schatten des Mangobaums von Kien Nguyen

Vietnam, 1916: Die Gesellschaft befindet sich im Umbruch vom alten, feudalistischen System zu einer neuen, westlichen Lebensweise. In dieser Zeit der Veränderungen wird der siebenjährigen Dan Nguyen mit der 20-jährigen Ven verheiratet. Kurze Zeit später muß Dan mit ansehen, wie seine Eltern einem Komplott zum Opfer fallen und hingerichtet werden. Als Ven kurz darauf schwer erkrankt, bringt sie Dan im Haus des Feindes als Diener unter – ein gewagter Schachzug. Ven beschwört Dan, als Erwachsener Rache an den Mördern seiner Familie zu nehmen. Doch Dan freundet sich mit Tai May an, der Tochter des Hauses …

„Im Schatten des Mangobaums“ ist ein wirklich unterhaltsames und schnell zu lesendes Buch. Man verschlingt es geradezu, taucht völlig in die fremde Welt des kaiserlichen Vietnams am Umbruch zur Moderne ein. Und es ist nicht nur diese fremde und exotische Welt mit ihren uns seltsam erscheinenden Bräuchen, sondern auch die Geschichte selbst, die fesselt. Es geht um Gier, Verrat, Liebe, Rache, Intrigen …

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