Archiv für Jorge Semprún

Was für ein schöner Sonntag!

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. August 2009 by lady8jane
Was für ein schöner Sonntag! von Jorge Semprún

Was für ein schöner Sonntag! von Jorge Semprún

Ein Wintersonntag im Konzentrationslager Buchenwald, wenige Monate vor Kriegsende. Der Häftling mit der Nummer 44904 (S) steht in Gedanken versunken vor einer großen Buche. Wie kurz ist doch der Weg von diesem Ort des Schreckens zum Weimar Goethes, wie nah liegt der Ort der nationalsozialistischen Barbarei an der Wirkungsstätte der größten deutschen Dichter und Denker! Irgendwo hier, ganz in der Nähe, muß Goethe sein berührendes Gedicht „Wanderers Nachtlied“ geschrieben haben, unter Bäumen wie diesem muß er mit seinem Vertrauten Eckermann spazieren gegangen sein… So träumt sich der junge, belesene Häftling fort vom Ort des Grauens, bis ein SS-Mann ihn unsanft wieder in die grauenvolle Realität zurückstößt.

Der Roman „Was für ein schöner Sonntag!“ (1980) ist eine eindringliche Autobiographie Jorge Semprúns, die keinen unberührt läßt. In ihr beschreibt der spanische Schriftsteller den Alltag im Konzentrationslager, die Spannungen zwischen den Häftlingen, die Furcht vor der SS und die Versuche, trotz allem die persönliche Würde zu bewahren. Dabei weitet sich der Bericht zu einer umfassenden Lebensgeschichte des Autors aus, in der sich die Erinnerungen an die Kriegszeit mit denen an das Studium in Paris, an die Zeit als Widerstandskämpfer und an die heimlichen Reisen in den Ostblock nach Kriegsende zu einem faszinierenden Kaleidoskop politischem Lebens im zwanzigsten Jahrhundert zusammensetzen.

Jorge Semprúns Erinnerungen, sein autobiographischer Roman „Was für ein schöner Sonntag!“ ist weit mehr als ein Buch über das KZ. Semprún schreibt über sein Leben, von seinen politischen Anfängen im spanischen Bürgerkrieg, seiner Arbeit im französischen Widerstand, seine Inhaftierung in Buchenwald, seiner Arbeit (illegal und im Untergrund) für die spanische kommunistische Partei und schließlich seiner Abkehr vom Kommunismus. Gleichzeitig ist „Was für ein schöner Sonntag!“ ein Buch, das ganz und gar von den Erlebnissen im KZ durchdrungen ist (auch wenn der Autor selbst das vehement leugnet).

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