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Das Gottesspiel

Das Gottesspiel von Kim Young-ha
Das Gottesspiel von Kim Young-ha

Ein Schriftsteller bietet per Telefonhotline lebensmüden Menschen seine Mithilfe beim Selbstmord an. Bevor er zur Hebamme des Todes wird, muß er jedoch von ihren Motiven überzeugt sein. Ist dies der Fall, arrangiert er ihren Tod, läßt die Klienten in seinen Geschichten aber wieder auferstehen und macht sich damit zum Herr über Leben und Tod. Kim Young-has Debütroman ist eine echte Entdeckung und wird alle Fans von Haruki Murakami begeistern.

Kim Young-ha mit Haruki Murakami zu vergleichen ist ziemlich kühn. Denn an den göttlichen Murakami reicht Young-ha ganz sicher nicht heran. „Das Gottesspiel“ ist ein ganz nettes Buch, mehr aber auch nicht.

Die Grundidee, die Young-ha hat, ist sogar ziemlich interessant. Ein Autor, der sowas wie ein Selbstmordberater für Lebensmüde ist, sich die Geschichte seiner „Kunden“ erzählen läßt und die spannendsten literarisch verarbeitet. Wenn das konsequent durchgezogen worden wäre … DAS Buch hätte ich gerne gelesen.

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Der entstellte Held

Der entstellte Held von Yi Munyol
Der entstellte Held von Yi Munyol

Als sein Vater von Seoul in eine Kleinstadt strafversetzt wird, kommt der zwölfjährige Han Pyongtae in eine neue Schule. Schon bald stellt er fest, daß hier ganz andere Regeln herrschen: Der ein wenig ältere Klassensprecher Om Sokdae tyrannisiert seine Klassenkameraden und zwingt sie dazu, sich ihm völlig zu unterwerfen – mit Billigung der Lehrer. Han Pyongtae nimmt den Kampf auf, doch auch er ist nicht immun gegen die Verführung durch die Macht.

Auf der Rückseite von „Der entstellte Held“ wird Salman Rushdie zitiert, der über dieses Buch sagt: „Eine feinsinige, fesselnde Geschichte von einem großartigen Autor.“ Naja … ich weiß nicht.

Klar, die Geschichte ist ganz OK und durchaus auch feinsinnig, irgendwie. Aber fesselnd ist sie nicht und der Held der Geschichte ist auch nicht sonderlich sympathisch. Irgendwie ist er selbstgerecht (auch wenn er größtenteils Recht hat) und dann doch nicht konsequent. Man kann sich sehr schnell ausrechnen was passiert und … ach … naja … spannend ist das alles nicht.

Vor allem ist die Lösung dann absolut unspektakulär und zeigt höchstens noch, daß Asiaten selbst bei einer Revolution gegen einen Diktator noch eine Autoritätsfigur brauchen, die ihnen sagt, wie es geht. Und das ist irgendwie ziemlich … schade.

Vögel

Vögel von Oh Jung-Hee
Vögel von Oh Jung-Hee

Ich mag asiatische Autoren und lese deshalb gerne Bücher aus Asien. Oh Jung-Hee stammt aus Südkorea und dort spielt auch ihre Geschichte:

In einer namenlosen Stadt in Südkorea leben die zwölfjährige Uumi und ihr jüngerer Bruder Uuil allein in einer ärmlichen Hinterhofwohnung, die ihnen Nest und Käfig zugleich ist. Der Bruder möchte am liebsten fliegen können wir der Weltraumjunge Toto im Fernsehen. Und Uumi sehnt sich danach, so schnell wie möglich erwachsen zu werden, um in die Zukunft aufzubrechen. Unbeirrbar halten sie an ihren Träumen fest.

Faszinierend an „Vögel“ ist, daß die Autorin konsequent aus der Perspektive des zwölfjährigen Mädchens erzählt. Ihre Wahrnehmung der Welt ist so anders als die eines Erwachsenen, daß sie den Leser nicht nur fesselt, sondern auch einen unschuldig wie unerbittlichen Blick auf eine harte Wirklichkeit wirft. Dabei malt Jung-Hee geradezu expressionistische Bilder, die in ihrer Kraft äußerst beeindruckend sind.

Trotzdem hat mich das Buch irgendwie nicht vom Hocker gehauen. Es ist ein interssantes literarisches Experiment, das sicher. Aber berührt hat es mich nicht, und das trotz des ernsten Themas.