Archiv für Brasilien

Gabriela wie Zimt und Nelken

Posted in Alexandria with tags , on 7. August 2015 by lady8jane
Gabriela wie Zimt und Nelken von Jorge Amado

Gabriela wie Zimt und Nelken von Jorge Amado

„Gabriela wie Zimt und Nelken“, Jorge Amados großer Roman über die Stadt Ilhéus, ist ein Meisterwerk, man kann es einfach nicht anders sagen. An diesem Buch stimmt einfach alles.

Das beginnt schon damit, wie Amado seine Geschichte erzählt. Geschickt verwebt er zwei Erzählstränge miteinander, die beide die Entwicklung Ilhéus hin zu einer modernen Stadt verdeutlichen. Zum einen (natürlich) die politischen Turbulenzen in dieser Umbruchzeit, zum anderen aber auch die Liebesgeschichte zwischen der Titelheldin Gabriela und dem Barbesitzer Nacib. Dieser syrischstämmige Brasilianer ist es auch, der wie ein Knotenpunkt alle Erzählebenen miteinander verknüpft. Denn in seiner Bar treffen sich alle: Frauenhelden und Kakaopflanzer, Politiker aller „Parteien“, Unternehmer, Matrosen, Artisten und Haderlumpen. Nacib, selbst politisch völlig neutral, ungeheuer sympathisch und menschlich geschildert, ist das eigentliche Herz, der eigentliche Held des Romans.

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Der Heilige, der nicht an Gott glaubte

Posted in Alexandria with tags , on 21. Mai 2015 by lady8jane
Der Heilige, der nicht an Gott glaubte von João Ubaldo Ribeiro

Der Heilige, der nicht an Gott glaubte von João Ubaldo Ribeiro

Vierzehn Erzählungen des Autors von „Brasilien, Brasilien“: komische Geschichten, übermütig, skurril, hintersinnig, derb. Denn wenn der große brasilianische Autor Ribeiro Geschichten erzählt, dann scheint es, als stammten sie nicht aus der Werkstatt eines Schriftstellers, sondern aus dem Erzählen des brasilianischen Volkes selbst.

„Der Heilige, der nicht an Gott glaubte“ ist eine Sammlung von wunderbar charmanten, wunderbar amüsanten Geschichten. João Ubaldo Ribeiro schreibt wirklich großartig!

Seine Geschichten werden alle aus der Sicht von einfachen Brasilianern geschrieben, Männern, die aus einfachsten Verhältnissen stammen und soweit ich das sehen kann, alle von der Insel Itaparica. Sie sind ungebildet, nicht sonderlich intelligent aber bauernschlau und erzählen so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Sie schweifen ab, kommen vom Hundertste ins Tausendste, fluchen und machen abfällige Bemerkungen über ihre Bekannten.

Ich habe mich selten so gut unterhalten wie mit diesen kurzen Geschichten, die sich zudem auch noch wirklich schnell lesen lassen. Mal sehen, ob ich Ribeiros „Brasilien, Brasilien“ irgendwo auftreiben kann …

Tigerin und Leopard

Posted in Alexandria with tags , on 21. März 2015 by lady8jane
Tigerin und Leopard herausgegeben von Ray-Güde Mertin

Tigerin und Leopard herausgegeben von Ray-Güde Mertin

Von der unersättlichen Forderung an den jungen Saxophonspieler, vom geheimnisvollen Liebhaber „Hippolyt“, dem Leoparden, über die mystisch verklärte Liebe der Schwester Maria in „Heidekraut“, die verlogene Moral der wohlsituierten brasilianischen Großstädter, die die „Tigerin“ zur Provokation reizt, bis zum symbolisch verklärten Aprikosenbaum: Diese Geschichten handeln von lustvollen Begegnungen, erträumten und wahrhaftigen.

Bevor man sich „Tigerin und Leopard“ zu Gemüte führt, sollte man das Nachwort von Ray-Güde Martin lesen. Durch das was sie über die subtile Ausdrucksweise der Autorinnen schreibt, kann man vielleicht einige der Geschichten besser verstehen. Mich haben die meisten der Stories trotzdem nicht vom Hocker gerissen.

Das liegt nicht daran, daß sie vielleicht irgendwie zu subtil wären. Ich mag subtile Geschichten (und bin intelligent genug, um sie trotzdem verstehen zu können). Was mich bei den meisten Erzählungen stört, ist, daß sie zu intellektuell sind. Klar, Erotik passiert (anders als Sex) auch vor allem und am besten im Kopf. Aber nur wenn ich meinen Phantasien nachgehe und nicht, wenn ich mir über Schuld oder mein Rollenverständnis oder Freiheiten oder sonstwas Gedanken mache und alles nochmal und nochmal und nochmal von allen Seiten beleuchte. Das ist vielleicht richtig und wichtig für die brasilianischen Frauen, aber erotisch ist es nicht.

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Veronika beschließt zu sterben

Posted in Alexandria with tags , on 7. Mai 2009 by lady8jane
Veronika beschließt zu sterben von Paulo Coelho

Veronika beschließt zu sterben von Paulo Coelho

Seit ich das „Handbuch des Kriegers des Lichts“ von Paulo Coelho entdeckt habe und es seither immer auf meinem Nachttisch liegt (zusammen mit dem „Hagakure“ und „Die Kunst des Krieges“), lese ich nach und nach alle Bücher des Autors.

Coelhos Prosa finde ich jetzt nicht sonderlich überragend. Seine Sprache ist schlicht, in weiten Teilen geradezu naiv und von keinem allzu hohen Niveau. Trotzdem mag ich seine Bücher, weil sie eine gewisse Sehnsucht in mir wecken.

In „Veronika beschließt zu sterben“ widmet der Autor sich dem Thema Verrücktheit, oder genauer gesagt, der Frage, was denn eigentlich verrückt bedeutet. Ein Thema, das Coelho schon lange beschäftigt, da er selbst dreimal von seinen Eltern in die Psychiatrie eingewiesen wurde.

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