Schlagwort-Archive: China

Chinesische Abende

Chinesische Abende herausgegeben von Leo Greiner
Chinesische Abende herausgegeben von Leo Greiner

„Chinesische Abende“ ist eine wunderschöne Zusammenstellung von chinesischen Erzählungen aus verschiedenen klassischen Perioden. Übersetzt wurde das Ganze 1914 von Leo Greiner, was den Geschichten einen sehr passenden altmodischen Sprachduktus gibt. Greiner hat zusammen mit einem chinesischen Bekannten gut aus der riesigen Vielfalt der chinesischen Überlieferungen ausgewählt, so daß sich in diesem schmalen Band eine interessante Übersicht der verschiedenen Sagentypen findet.

Umso ärgerlicher ist es, daß der Insel Verlag in „Chinesische Novellen“ gleich drei der 22 Erzählungen noch einmal abgedruckt hat. Da hätte man sich schon ein wenig mehr Mühe mit der Recherchearbeiten (innerhalb des eigenen Hauses!) machen können.

Das Land der Töchter

Das Land der Töchter von Yang Erche Namu
Das Land der Töchter von Yang Erche Namu

Im Südwesten Chinas, nahe dem Himalaja, liegt das Gebiet der Moso: „Das Land der Töchter“ nennen es die Chinesen. Denn dort haben die Frauen das Sagen. Sie besitzen die alleinige Kontrolle – über die Familie, den Besitz und die Liebe. Die chinesische Popsängerin Yang Erche Namu erzählt von ihrer bewegten Kindheit in dieser faszinierenden Welt der Frauen.

Das erste Mal habe ich über die Moso in meinem Studium gehört. Ich wollte schon immer mehr über diesen Volksstamm hören, und habe deshalb bei „Das Land der Töchter“ sofort zugegriffen. Yang Erche Namu, bei uns wohl eher als Model und weniger als Popsängerin bekannt, erzählt darin von ihrem Leben in und ihre Flucht aus dieser ungewöhnlichen Gesellschaft. Wobei ich betonen möchte, daß sie nicht wegen der Traditionen der Moso von zuhause weggelaufen ist, sondern eigentlich aus den Gründen, die schon seit Jahrhunderten junge Menschen von zuhause weglaufen lassen: Um herauszukommen aus der Enge und Abgeschiedenheit des Dorfes, und um in der großen Stadt ihr Glück zu machen.

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Chinesische Novellen

Chinesische Novellen herausgegeben von Venceslava Hrdlickova
Chinesische Novellen herausgegeben von Venceslava Hrdlickova

In dem schön gestalteten Band „Chinesische Novellen“ vom Insel Verlag sind 19 verschiedene Geschichten der chinesischen Literatur versammelt. Größtenteils sind dies Erzählungen, die zunächst mündlich von professionellen Geschichtenerzählern weitergegeben und nachträglich aufgezeichnet wurden, teilweise aber auch „echte“ Novellen von gelehrten Schriftstellern.

Allesamt sind die Geschichten ungeheuer unterhaltsam und geben zudem noch einen faszinierenden Einblick in das kaiserliche China. Und es ist eine bunte und funkelnde Welt, die sich uns da eröffnet, so völlig anders als die unsere. Als bei uns die Völkerwanderungszeit tobte und später selbst Ritter und Edeldamen kaum lesen und schreiben konnten, legte man in China dreierlei schriftliche Staatsprüfungen ab, um Ämter zu erlangen, leistete sich Nebenfauen und Kurtisanen, intrigierte und kuppelte, kurz: man war hochkultiviert.

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Mit brennender Geduld

Mit brennender Geduld von Antonio Skármeta
Mit brennender Geduld von Antonio Skármeta

Skármetas Roman ist eine poetische Evokation, eine Hommage an den größten chilenischen Dichter unseres Jahrhunderts, Pablo Neruda, ein Stück zärtliche Erinnerung eines im deutschen Exil lebenden Schriftstellers an sein Land und sein Volk.

„Mit brennender Geduld“ erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem Briefträger Mario Jiménez, dem Sohn eines Fischers in Isla Negra, und Pablo Neruda, dem Dichter. Mit Hilfe eines Gedichts, das Mario dem väterlichen Freund abringt, gewinnt er das Herz seiner Angebeteten: Die Macht des Wortes, die treffende Metapher, die Poesie wirkz Wunder. Als Neruda von der Regierung Allende als Botschafter nach Paris entsandt wird, vergißt er seinen Briefträger nicht. Er schreibt ihm, und dafür schickt ihm Mario auf Tonband die Glockentöne, das Meeresrauschen, die Laute der Tiere und Menschen ins ferne Freankreich. Todkrank kehrt der Dichter nach Chile zurück. Dann kommt der Putsch – und danach wird es dunkel: Neruda stirbt, Mario wird abgeholt, er und sein Volk haben – zunächst – ihren Kampf um Freiheit, Demokratie und Poesie verloren. Was bleibt, ist die Hoffnung auf die Erfüllung der Visionen Nerudas.

Schon bei „Der Dieb und die Tänzerin“ ist mir aufgefallen, daß Antonio Skármeta einen sehr lebendigen, prallen, ja deftigen Stil hat. Auch in „Mit brennender Geduld“ greift er ordentlich in die Vollen: Erotik, Sex, anzügliche Sprüche und sonstige „Nettigkeiten“ wo man auch hinsieht. Vor allem Marios Schwiegermutter ist immer wieder für eine spitze Bemerkung gut.

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Himmelsbegräbnis

Himmelsbegräbnis von Xinran
Himmelsbegräbnis von Xinran

Nur einhundert Tage war Shu Wen mit dem Soldaten verheiratet, der in Tibet auf geheimnisvolle Weise sein Leben verlor. Sie kann und will nicht glauben, daß ihre Liebe nun zu Ende sein soll. Trotz aller Gefahren geht Shu Wen nach Tibet. Dreißig Jahre währt ihre Suche nach dem wahren Schicksal ihres Geliebten …

„Himmelsbegräbnis“ verspricht uns laut Untertitel „Die Geschichte einer großen Liebe“ oder sogar „Eine der schönsten Liebesgeschichten, die je erzählt wurden“. Da werden hohe Erwartungen geweckt … und leider enttäuscht.

Da bekommt diese Shu Wen also vom Militärkommando die Nachricht, daß ihr Mann verstorben ist und glaubt das nicht. Gut, in den Wirren der damaligen Zeit kann man das nachvollziehen (zumal man ja gerne leugnet was man nicht glauben will). Daß sie sich daraufhin selbst zum Militärdienst meldet, ist so mutig wie folgerichtig. Bis dahin also alles bestens.

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Die Tempelglocken von Shanghai

Die Tempelglocken von Shanghai von Hong Li Yuan
Die Tempelglocken von Shanghai von Hong Li Yuan

Dieser authentische Roman erzählt die Geschichte Da Lees und seiner Familie während der Kulturrevolution, die das Leben der Menschen in China dramatisch verändert. In einer Zeit, in der die Menschenwürde außer Kraft gesetzt ist, sind es vor allem die kleinen Heldentaten, die die Herzen berühren und uns ein atmosphärisches Bild Chinas vermitteln.

Es ist wirklich superschwierig, ein angemessenes Urteil über „Die Tempelglocken von Shanghai“ abzugeben. Ich habe selten ein Buch gelesen, daß mir so gut und gleichzeitig so überhaupt nicht gefallen hat. Um das vielleicht ein wenig deutlicher zu machen, zähle ich hier einmal die positiven und negativen Dinge auf, die mir so aufgefallen sind.

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Shanghai Baby

Shanghai Baby von Wei Hui
Shanghai Baby von Wei Hui

Der erotische Untergrundroman aus China: Als die Schriftstellerin Coco dem Berliner Mark begegnet, läßt sie sich mit ihm auf eine wilde Beziehung ein, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt …

Als besonders erotisch würde ich „Shanghai Baby“ jetzt nicht bezeichnen. Sicher, die Protagonistin hat relativ viel Sex, aber erotisch … nein! Trotzdem hat dieser Roman in China eingeschlagen wie eine Bombe. Erst war er sehr erfolgreich, dann wurde er verboten und sogar verbrannt. Aber das ganz sicher nicht, wegen der vielen sexuellen Anspielungen (auch wenn die kommunistische Partei in China schon recht prüde ist).

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