Archiv für Kuba

Alle gehen fort

Posted in Alexandria with tags , on 21. Dezember 2016 by lady8jane
Alle gehen fort von Wendy Guerra

Alle gehen fort von Wendy Guerra

„Alle gehen fort“ erzählt die Geschichte von Nieve, die in Kuba lebt und aufwächst. Wir nehmen ihre Welt durch ihre Tagebucheinträge wahr, wobei das Buch in zwei Teile geteilt ist. Im ersten erleben wir die kindliche Nieve, im zweiten die heranwachsende. Geprägt wird Nieves Leben von dem Gefühl, daß alle sie verlassen, angefangen von ihrem gewalttätigen Vater bis hin zu ihren Künstler-Freunden, die einer nach dem anderen ins Exil gehen.

Im Prinzip also ein recht spannendes Thema und die Form des Tagebuchs ist eigentlich auch exzellent dafür geeignet eine eindringliche Unmittelbarkeit zu erzeugen. Leider ging es mir bei diesem Buch über weite Strecken wie bei „Nur nicht unsichtbar werden“: Es hat mich einfach nicht berührt! Gerade der erste Teil ist irgendwie lala. Klar, das was dem Kind da passiert ist ziemlich schlimm, aber schlimm sein und beim Lesen als schlimm empfunden werden sind halt zwei ganz verschiedene Paar Schuhe.

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Ansicht der Tropen im Morgengrauen

Posted in Alexandria with tags , on 7. Februar 2006 by lady8jane
Ansicht der Tropen im Morgengrauen von Guillermo Cabrera Infante

Ansicht der Tropen im Morgengrauen von Guillermo Cabrera Infante

Guillermo Cabrera Infante hat mit „Ansicht der Tropen im Morgengrauen“ ein fast schon monumentales Werk geschaffen. Dabei ist das Buch mit knapp über 180 Seiten verhältnismäßig dünn. Trotzdem umfaßt es die gesamte Geschichte Kubas mit allen Besiedlungsphasen, allen Kämpfen und Revolutionen.

Aber Infante hat hier kein Geschichtsbuch geschrieben. Ganz im Gegenteil. Er erwähnt keine Namen, keine Daten, keine Details. Nein, „Ansicht der Tropen im Morgengrauen“ ist etwas völlig anderes. Wie im Titel schon angedeutet sind es Ansichten, kurze Szenen, Momentaufnehmen, Schlüsselszenen, die er hier beschreibt. Kaum eine ist länger als zwei Seiten, viele sind nur eine halbe Seite lang.

Dennoch sind diese Schlaglichter eindringlicher und lebendiger als vieles was man in „normalen“ Romanen liest. Sie bleiben im Gedächtnis haften und tauchen wieder auf noch lange nachdem man das Buch aus der Hand gelegt hat.

Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich kaum eine der Figuren und Ereignisse erkannt habe. Und Infantes Buch hat in mir das dringende Bedürfnis geweckt, mehr zur kubanischen Geschichte zu lesen. Ich muß mich dringend nach einem guten Geschichtsbuch über das Land umsehen.