Archiv für Isaac Bashevis Singer

Feinde, die Geschichte einer Liebe

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Dezember 2014 by lady8jane
Feinde, die Geschichte einer Liebe von Isaac Bashevis Singer

Feinde, die Geschichte einer Liebe von Isaac Bashevis Singer

Herman Broder, der als Jude in Polen nur knapp den Nazis entging, lebt zurückgezogen, doch noch immer von Ängsten erfüllt in Coney Island bei New York. Seine Frau Yadwiga, ein polnisches Bauernmädchen, hatte ihn versteckt und damit sein Leben gerettet; aus Dankbarkeit für diese Tat hat Broder sie geheiratet. Doch er liebt auch die schöne, eigenwillig-exaltierte Mascha, hält diese Verbindung aber vor Yadwiga zunächst geheim. Eines Tages taucht Tamara auf, seine erste Frau, von der Zeugen berichtet hatten, sie sei im KZ umgekommen. Die Situation spitzt sich für den unentschlossenen und von einer Frau zur anderen taumelnden Herman zu; seine Lügengebäude brechen zusammen. Während Tamara nie mehr mit einem Mann zusammen sein will, wird Yadwiga schwanger, und auch bei Mascha bleibt die Periode aus. Außerdem komplizieren sich die sonstigen Lebensumstände. Tamara aber will dem ohnmächtigen Herman helfen: „Herman, Menschen wie du sind unfähig, Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Ich bin darin zwar auch nicht besonders gut, aber manchmal ist es leichter, die Probleme von andern zu bewältigen als seine eigenen. Ich kann sehen, daß alles zu viel geworden ist für dich, daß du dabei bist, unter der Last zusammenzubrechen.“ Als sich das tragikomisch vertrackte Beziehungsknäuel doch noch einigermaßen aufzulösen scheint, hat sich Herman auf geheimnisvolle Weise den drei Frauen entzogen, er ist verschwunden …

Ich habe wirklich keine Ahnung, woher der Klappentextschreiber das „komisch“ in seinem „tragikomisch“ nimmt. „Feinde, die Geschichte einer Liebe“ ist vieles, aber komisch ist es ganz sicher nicht. Stattdessen ist es ein eindringliches Zeugnis vom Überleben nach dem Holocaust. Isaac Bashevis Singer, selbst Jude, wenn auch den Lagern durch seine frühe Emigration 1935 entronnen, schafft es, seine Charaktere ungeheuer glaubwürdig zu gestalten. Tief in die jüdische Gemeinde eingebettet und einer der wenigen Schriftsteller von Weltrang, die auf Jiddisch schrieben, kann man davon ausgehen, daß Singers Erzählung von großer Authentizität ist.

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Der seidene Kaftan

Posted in Alexandria with tags , on 7. April 2009 by lady8jane
Der seidene Kaftan von Isaac Bashevis Singer

Der seidene Kaftan von Isaac Bashevis Singer

Erinnerungen an die Kindheit in Polen, eindringliche Bilder aus einer versunkenen Welt.

„Der seidene Kaftan“ enthält zwölf episodenhafte Erinnerungen, keine mehr als 15 Seiten lang. Schon allein deshalb liest sich das Büchlein ungeheuer schnell. Kaum ist man durch die eine kurzweilige Geschichte durch, schon will man die nächste beginnen. Und ehe man es sich versieht, ist das Buch zuende.

Aber es liegt natürlich auch am Inhalt, daß sich „Der seidene Kaftan“ so schnell verschlingen läßt. Als Sohn eines sehr armen chassidischen Rabbiners in Polen aufgewachsen, beschwört Isaac Bashevis Singer eine, wie es im Klappentext so schön heißt, längst versunkenen Welt. Eine Welt, in der die Männer lange Kaftane und Schläfenlocken, die Frauen Perücken tragen (um ihre natürlichen Haare zu verbergen). Faszinierenderweise eine Welt, in der die Juden tatsächlich nur Jiddisch, Hebräisch oder Deutsch sprechen … aber kein Polnisch!

Und dieser Einblick erinnert uns natürlich auch einmal mehr daran, was wir im letzten Jahrhundert alles verloren haben, um wie vieles ärmer unsere Kultur geworden ist, jetzt wo es kaum noch Juden und jiddisches Brauchtum bei uns gibt.