Archiv für Franz Kafka

Amerika

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags on 14. März 2011 by lady8jane
Amerika von Franz Kafka

Amerika von Franz Kafka

„Weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte“, wird der 16-jährige Karl Roßmann von seinen Eltern aus Prag fort und nach Amerika geschickt. Bestürzt, staunend, schließlich bewundernd erlebt er die Neue Welt, die nichts mit seiner Vaterstadt daheim zu tun hat und in vielem doch an die vertraute Kafkawelt der undurchsichtigen Institutionen mit besonders finsteren Machthabern erinnert. Die Großstadt, in die Karl Roßmann hineingeworfen wird, zeigt das moderne Amerika noch ganz in seinem Anfang: ungeschlacht, überwältigend auch, aber noch kaum angekränkelt von der europäischen Angst.

„Amerika“ (oder „Der Verschollene“, wie das Fragment heute auch genannt wird) ist gewiß Kafkas heiterstes Buch. Wenn der Irrfahrer New York schließlich verläßt, um in den Westen aufzubrechen und sich dem „Naturtheater von Oklahoma“ anzuschließen, geht Franz Kafka und damit der Leser ins Kino: „Vor dem Eingang zum Rennplatz war ein langes, niedriges Podium aufgebaut, auf dem Hunderte Frauen als Engel gekleidet in weißen Tüchern mit großen Flügeln am Rücken auf langen goldglänzenden Trompeten bliesen.“

Es ist faszinierend „Amerika“ zu lesen, wenn man nur kurz davor „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ von Carson McCullers gelesen hat. Während McCullers ein sehr realistisches Bild der amerikanischen Gesellschaft zeichnet, ist Franz Kafkas USA-Bild … nun … kafkaesk. Dazu sollte man natürlich vor allem noch bedenken, daß Kafka eigentlich eine Generation vor McCullers lebt und schreibt, und daß er niemals selbst in Amerika war.

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