Schlagwort-Archive: Schweden

Die italienischen Schuhe

Die italienischen Schuhe von Henning Mankell
Die italienischen Schuhe von Henning Mankell

Frederik Welin lebt völlig zurückgezogen auf einer kleinen Insel in den Schären, mit Hund und Katze und einem wachsenden Ameisenhaufen im Wohnzimmer. Er glaubt, mit seinem Leben abgeschlossen zu haben. Nur wenn er durch ein Loch im Eis ins bitterkalte Wasser steigt, kann er die eigene Lebendigkeit noch spüren. Doch plötzlich steht seine Jugendliebe Harriet vor ihm, die ihn an ein altes Versprechen erinnert und ihm den Weg zurück zu den Menschen weist.

Henning Mankell hat einen spannenden Roman über die Liebe und die Einsamkeit geschrieben, ein Buch voller unvergesslicher Begegnungen, voller Nachdenklichkeit und Leidenschaft.

Ich hatte oft das Gefühl, der einzige Mensch zu sein, der noch nie einen Mankell gelesen hat. Mit „Die italienischen Schuhe“ habe ich das jetzt geändert und dabei natürlich gleich einen völlig untypischen Mankell erwischt: kein Krimi, kein Afrika. Trotzdem ist das Buch ziemlich gut.

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Wüstentaucher

Wüstentaucher von Sven Lindqvist
Wüstentaucher von Sven Lindqvist

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stürzten sich europäische Schriftsteller, getrieben von ihren seltsamen Träumen, in die glühend heißen Weiten der Sahara. Träumer und Geschichtenerzähler – Antoine de Saint-Exupéry, Michel Vieuchange, Eugène Fromentin, Pierre Loti, Isabelle Eberhardt, André Gide – sie alle schrieben ein Kapitel zur großen Wüstenromanze.

Die Wüste ist immer ein großer Traum von mir gewesen, auch wenn ich nicht die vielen Bücher gelesen habe, die Sven Lindqvist zu seinem Buch „Wüstentaucher“ veranlaßt haben. Aber vermutlich werde ich sie in Zukunft lesen, sei das jetzt Eugène Fromentins „Ein Sommer in der Sahara“, die Aufzeichnungen von Isabelle Eberhardt, Michel Vieuchanges „Smara – Verbotene Stadt“ oder Thorsten Orres „Skizzen aus der Wüste“, auch wenn letzteres sehr schwer aufzutreiben sein wird.

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Licht im Winter

Licht im Winter von Elsie Johansson
Licht im Winter von Elsie Johansson

Voller Poesie schildert Elsie Johansson das Leben einer einfachen Familie in der schwedischen Provinz der dreißiger Jahre. Nancy und ihre beiden Schwestern Betty und Dora träumen von einem besseren Leben, von schönen Kleidern und von der großen, romantischen Liebe. Für Dora scheint der Wunsch endlich in Erfüllung gegangen zu sein. Doch der Schein trügt …

Ok, der Klappentext zu „Licht im Winter“ ist (wie schon so viele vorher) ziemlich dämlich. Der erste Satz stimmt, alles andere ist Schwachsinn. Klar, Nancy, aus deren Sicht geschrieben wird, wünscht sich, weiter lernen zu können, oder vergleicht die Situation ihrer Familie mit dem Leben anderer Leute. Klar, Betty meckert ständig über ihr Leben. Aber darum geht es in diesem Buch nicht. Zumindest nicht in dem Sinne von sehnsüchtigen Träumen aus Mädchenromanen.

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Das Buch von Blanche und Marie

Das Buch von Blanche und Marie von Per Olov Enquist
Das Buch von Blanche und Marie von Per Olov Enquist

Blanche Wittman ist die Lieblingspatientin des Nervenarztes Charcot an der Pariser Salpêtrière. Als er auf geheimnisvolle Weise stirbt, wird sie die Assistentin von Marie Curie. Noch ahnt niemand etwas von den Gefahren der radioaktiven Strahlung. Als Blanche erkrankt, lebt sie ganz bei Marie Curie und beginnt ein Buch über die Liebe zu schreiben, ein Buch, in dem sie von Marie Curies Affären erzählt, von ihrer eigenen Liebe zu Charcot und dem Geheimnis um seinen Tod. „Die Liebe kann man nicht erklären. Aber wer wären wir, wenn wir es nicht versuchten?“ …

Man erwähnt am besten gleich als erstes, daß „Das Buch von Blanche und Marie“ reine Fiktion ist. Sicher, die Figuren sind alle historisch, und Per Olov Enquist hat sich mit Marie Curie und Blanche Wittman zwei der interessantesten Frauenfiguren ihrer Zeit herausgepickt und ihr Schicksal auf kunstvolle Art miteinander verwoben. Beweisbar ist diese Entwicklung allerdings nicht.

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Der Tod eines Bienenzüchters

Der Tod eines Bienenzüchters von Lars Gustafsson
Der Tod eines Bienenzüchters von Lars Gustafsson

Dies ist die Geschichte des früh pensionierten Volksschullehrers Lars Lennart Westin, der einzelgängerisch in einem kleinen Holzhaus im nördlichen Västmanland wohnt. In seinen Notizbüchern beschreibt er die Natur, sein Denken und Leben in ihr. Außerdem hat er sich dreißig Bienenvölker zugelegt. Seit dem Frühjahr fühlt er sich unbehaglich, etwas Krankes ist in ihm, er ahnt, daß es um Leben und Tod gehen könnte, bevor es Herbst wird. Beim Federballspiel mit seinen Kindern aus geschiedener Ehe, die ihn in den Sommerferien besuchen, durchschießt ihn ein Schmerz, der, so meint er zunächst, von einer Zerrung der Rückenmuskulatur herrührt: „Aber gibt es einen Hexenschuss, der so verdammt weh tut, daß man davon einen Blutgeschmack im Mund kriegt?“ Lars Lennart Westin beginnt, mit den Schmerzen umzugehen, mit ihnen zu leben, sie zu integrieren. An den beschwerdefreien Tagen macht er lange Spaziergänge mit seinem Hund, und er erinnert sich, wandert in seinen Notizen zurück zu entscheidenden Phasen in seinem bisherigen Leben, betrachtet sie neu und erzählt von Ehe, Liebe, Kindheit …

„Der Tod eines Bienenzüchters“ ist ein ziemlich großartiges Buch, auch wenn sich der Autor seine Einleitung irgendwie hätte sparen können. Sie paßt irgendwie so gar nicht zum Rest des Buches.

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