Archiv für Italien

Pinocchio

Posted in Alexandria, GEOlino-Bibliothek with tags , on 14. Februar 2017 by lady8jane
Pinocchio von Carlo Collodi

Pinocchio von Carlo Collodi

Aus einem Stück Holz schnitzt der alte Geppetto eine Puppe und gibt ihr den Namen Pinocchio. Doch kaum hat er sein Werkzeug weggelegt, erwacht die Holzpuppe zum Leben – und schon ist sie zur Haustür hinaus.

Pinocchio bringt sich mit seinen Streichen fast um Kopf und Kragen. Er erlebt haarsträubende Abenteuer und macht – wie jedes Kind – seine eigenen Erfahrungen, bis aus ihm schließlich ein richtiger Junge wird.

Mit Pinocchios Abenteuern haben Generationen von Kindern mitgefiebert. Sie gehören zu den zauberhaftesten Geschichten der Kinderliteratur.

Carlo Collodi macht in seinem „Pinocchio“ zwar eigentlich genau das, was ich an Geschichten für Kinder so gar nicht mag: Er hat eine Agenda, eine Moral, und er scheut sich nicht, sie offen zu zeigen. Manchmal tut er das sogar so offensichtlich, daß zum Beispiel faule und Schule schwänzende Jungen sich buchstäblich in Esel verwandeln.

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Christus kam nur bis Eboli

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. April 2013 by lady8jane
Christus kam nur bis Eboli von Carlo Levi

Christus kam nur bis Eboli von Carlo Levi

Der Arzt, Schriftsteller, Maler und Politiker Carlo Levi wird 1935 von Mussolinis Faschisten nach Lukanien verbannt in ein winziges Bergdorf namens Gagliano. Er, der Städter und Intellektuelle, trifft auf eine Umgebung, in der das sonstige Treiben der Welt, sei es politisch, kulturell oder religiös, keine Rolle spielt, weil die bäuerlichen Menschen in ihrer abgrundtiefen Armut versunken, mit dem puren Überleben gegen Hunger und Malaria beschäftigt sind. Aus der anfangs totalen Fremdheit gegenüber diesem archaischen, primitiven Dorfleben, die dem Verbannten nur als stumpfes gefühlloses Vegetieren erscheint, wächst allmählich aber Interesse, gegenseitige Aufmerksamkeit, schließlich Vertrauen und Solidarität. Obwohl er nicht praktizieren darf, wird er zu den Todkranken, zu den im Malariafieber Delirierenden, den sterbenden Kindern geholt und versucht zu helfen, obwohl er keine Heilung bringen kann. Der Fremde aus dem fernen Norden wird zum verehrten Don Carlo, und er beginnt in all die Leiden und Schmerzen, aber auch in die Tiefe der uralten Kultur des Südens einzudringen. Ihre scheinbar irrationalen Riten und abergläubischen Gebräuche eröffnen sich zunehmend seiner forschenden, mitfühlenden Neugier, so wie er jene zu verstehen lernt, die von sich sagen: „Wir sind keine Menschen, keine Christen, wir sind Tiere, denn Christus kam nur bis Eboli, aber nicht weiter, nicht zu uns.“

Im wahrsten Sinne des Wortes gottverlassen ist die Gegend, in der sich der Erzähler in „Christus kam nur bis Eboli“ in der Verbannung wiederfindet. Und trotzdem findet er hier einen Frieden und eine Gemeinschaft, in der er sich seltsam wohl fühlt. Immer wieder schildert er sein Gefühl völliger Entrücktheit von der Wirklichkeit im Norden Italiens, das Gefühl in eine völlig andere Zeit eingetaucht zu sein.

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Ein Wunder am Ende der Welt

Posted in Alexandria with tags , on 21. März 2013 by lady8jane
Ein Wunder am Ende der Welt von Pino Cacucci

Ein Wunder am Ende der Welt von Pino Cacucci

Wenn Christoph Daum das gewußt hätte: Fußball in der mexikanischen Pampa mit ganz speziellen Ingredienzen …

Was hat es mit dem weißen „Dünger“ auf sich, den Don Álvaro laut Dorfbeschluß für die Fußballfeld-Markierung rausrücken muß? Erst schießt ein lahmer Stürmer 16 Tore, nachdem er das Zeug bei einem Sturz eingeatmet hat, und dann tauchen lauter dubiose Gestalten in San Isidro auf …

„Ein Wunder am Ende der Welt“ ist ein vergnügliches kleines Buch und dabei sehr schnell zu lesen. Ein bis zwei Stunden und man hat es durch.

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Wenn ein Reisender in einer Winternacht

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Mai 2012 by lady8jane
Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino

Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino

Calvinos Roman ist ein raffiniertes literarisches Verwirrspiel. In ihm kauft sich ein Leser einen Roman des Autors Italo Calvino, der den Titel trägt „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“. Er beginnt ihn zu lesen, kommt aber nicht über die ersten Seiten hinaus. Ab Seite 17 wiederholt sich der Text, der Leser ist überzeugt, daß das Buch falsch gebunden sein muß. Er bringt es zurück in die Buchhandlung, um es umzutauschen. Dabei erfährt er, daß der Roman beim Binden mit dem Text eines polnischen Schriftstellers verwechselt worden sei. Was er gelesen habe, stamme nicht von Calvino, sondern von diesem osteuropäischen Autor. Der Leser nimmt dessen Roman mit nach Hause, nur um bald schon neue Fehler und Verwirrungen festzustellen. Erneut geht er zurück in die Buchhandlung, und kehrt mit einem neuen Roman zurück. Wird er diesmal endlich eine ganze Geschichte lesen können? Was sind das für eigenartige Bücher, die immer nur aus Romananfängen bestehen? Aber vielleicht sind die Texte schon gar nicht mehr das Entscheidende, denn der Leser geht aus einem bestimmten Grund immer wieder gerne zurück in die Buchhandlung: Er hat sich in eine andere Leserin verliebt.

Calvinos „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ ist ein faszinierendes literarisches Rätsel voller phantastischer Einfälle und poetischer Bilder. Mit diesem Roman gelang Calvino der internationale Durchbruch.

„Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ ist tatsächlich ein tolles literarisches Experiment. Die verschiedenen Buchanfänge, denen der Leser auf der Suche nach dem einen Buch nachjagt, das er eigentlich lesen will, sind allesamt interessant und man möchte sie alle weiterlesen. Mein liebster ist aber „Ohne Furcht vor Schwindel und Wind“.

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Das periodische System

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. März 2012 by lady8jane
Das periodische System von Primo Levi

Das periodische System von Primo Levi

Das periodische System chemischer Elemente gibt dem Schriftsteller und Naturwissenschaftler Primo Levi den Aufbau seiner Autobiographie vor: In einundzwanzig Kapiteln, die alle mit dem Namen eines chemischen Elements bezeichnet sind, analysiert er sein Leben mit wissenschaftlichem Blick. Da ist das erste Kapitel, das er mit „Argoon“ überschreibt und in dem er von seinen Vorfahren erzählt, die jüdischen Kaufleute im Piemont waren und mitunter so „träge und mit ihrem Zustand zufrieden“ wie dieses Gas. Dann gibt es das Kapitel „Zink“, in dem er davon berichtet, wie sehr er zunächst darunter gelitten hat, als jüdischer Student als „unrein“ empfunden worden zu sein. „Gold“ berichtet von seinen Abenteuern als Partisan, „Chrom“ davon, wie er seine Ehefrau kennengelernt hat. Levi findet eine wissenschaftliche Form der Selbstbetrachtung, die fasziniert.

Wie kann es eigentlich sein, daß die Feuilletonredaktion der SZ diese Buchreihe aussucht und rezensiert, sie also offensichtlich gelesen hat, und dann doch so ein Klappentext geschrieben wird? „Das periodische System“ ist nämlich, auch nach der Selbstaussage von Primo Levi in diesem seinem eigenen Buch, keine Autobiographie. Wie sollte es auch eine sein, da er doch schon in „Ist das ein Mensch?“ über seine Zeit im Konzentrationslager Auchwitz und in „Die Atempause“ über seine lange Heimkehr durch ganz Europa nach Italien geschrieben hat. Und in diesem Roman über genau diese Erlebnisse eben nicht mehr schreibt. Was für eine Art Autobiographie soll das sein, in der so entscheidende Dinge einfach fehlen?

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Mein Müßiggang

Posted in Alexandria with tags , on 7. Juni 2009 by lady8jane
Mein Müßiggang von Italo Svevo

Mein Müßiggang von Italo Svevo

In „Mein Müßiggang“ sind vier Kurzgeschichten von Italo Svevo versammelt. Allen diesen Geschichten sind zwei Dinge gemeinsam. Zum einen werden sie alle aus der Sicht von alten Männern erzählt. Zum anderen geht es im Prinzip nur um Reminiszenzen, Gedanken und Reflexionen. Oft steigern sich die Protagonisten so in ihre Gedanken hinein, lesen in die Handlungen, Blicken und Worten ihrer Gesprächspartner Dinge hinein, daß sie richtiggehend handlungsunfähig werden. Sprachlich sind diese Geschichten sehr schön, allerdings sind sie nicht sehr spannend und die Handlung plätschert oft nur so dahin.

Hier ein kurzer Überblick über die vier Geschichten:

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Briefe gegen den Krieg

Posted in Alexandria with tags , on 7. Dezember 2008 by lady8jane
Briefe gegen den Krieg von Tiziano Terzani

Briefe gegen den Krieg von Tiziano Terzani

Der langjährige Fernost-Korrespondent des SPIEGEL bereiste Krisengebiete in Indien, Pakistan und Afghanistan und schildert aus persönlicher Beobachtung die verzweifelte, wütende Stimmung in den Ländern, die stellvertretend für die muslimische Welt stehen. In seinen Reportagen warnt Terzani eindringlich davor, im Kampf gegen den Terrorismus bedenkenlos moralische Werte zu opfern.

„Briefe gegen den Krieg“ ist eines dieser Bücher, das man jedem Staatsmann zur Amtseinführung überreichen müßte. Und natürlich müßte man dieses Buch (oder ähnliche) auch in den Schulen besprechen und selbst immer wieder lesen. Denn Tiziano Terzani zeigt hier sehr deutlich, was Journalismus eigentlich sein sollte (und das, obwohl er ja im Prinzip schon im Ruhestand war als er diese Briefe geschrieben hat): Ein Blick hinter die Dinge, ein Aufspüren von Zusammenhängen, ein Hinterfragen der politischen Wahrheit.

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