Schlagwort-Archive: Mexiko

Bittersüße Schokolade

Bittersüße Schokolade von Laura Esquivel
Bittersüße Schokolade von Laura Esquivel

Die Atmosphäre dieses „spritzigen“ Romans ist von unterschiedlichen Frauen geprägt, von Frauen, die die Männer in ihrer Umgebung in den Schatten stellen. Da ist vor allem Tita, die kämpfen muß, um zu leben und zu lieben, wie ihr Herz es befiehlt. Dieser „mexikanische“ Bestseller ist Liebesroman und Kochbuch in einem.

Nachdem ich von „Das zärtliche Alphabet des Don Júbilo“ nicht unbedingt begeistert war, bin ich mit nicht allzu großen Erwartungen an „Bittersüße Schokolade“ herangegangen, das ich über einen BookCrossing-Ring bekommen habe. Und mußte feststellen … das Buch ist toll!

Das liegt natürlich vor allem daran, daß es in „Bittersüße Schokolade“ ums Essen geht. Die Protagonistin Tita ist die jüngste Tochter einer feudalen mexikanischen Familie und deshalb dazu verdammt, unverheiratet zu bleiben und für ihre Mutter zu sorgen. Ihre Liebe zu Pedro (der schließlich ihre älteste Schwester heiratet, nur um Tita nahe sein zu können) kann sie deshalb nur durch ihre Gerichte ausdrücken. Und was für Gerichte das sind! „Wachteln mit Rosenblättern“ oder „Gefüllte grüne Pfefferschoten in Walnußsauce“ sind nämlich vor allem dazu gedacht, im Rahmen von großen Festgelagen gegessen zu werden. Das Festmahl im letzten Kapitel zum Beispiel hat 20(!!!) Gänge. Aber auch sonst ist dieser Roman voller Sinnlichkeit. Gerüche, Farben, Geräusche und Erotik verbinden sich hier mit dem Geschmack köstlicher Speisen zu einer (manchmal sogar im Wortsinn) phantastischen Mischung.

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Als Kind

Als Kind von Mario González Suárez
Als Kind von Mario González Suárez

Eine mexikanische Kindheit um 2000: Der Junge Francisco ist mit seiner Familie an den äußersten Rand der riesigen Stadt gezogen, in ein großes, düsteres Haus, Teil einer heruntergekommenen Siedlung. Sein Vater, ein glückloser Kleinkrimineller, hofft, auf diese Weise der Verfolgung durch Polizei und rivalisierende Mitglieder seines „Syndikats“ weniger ausgesetzt zu sein. Ansonsten ist der Vater verzweifelt auf der Suche nach der eigenen Mutter, die er nie kennen gelernt hat. Zur Begegnung mit ihr sollen alle möglichen Hexer und Hexerinnen verhelfen. Auch Franciscos Mutter nimmt Kontakt zu Schwarz- wie Weißmagiern auf, um die Zuneigung ihres Mannes wiederzugewinnen und seine Gewalttätigkeit in Grenzen zu halten. Dazwischen stehen Francisco und seine Geschwister, bald gezwungen, an den väterlichen Raubzügen teilzunehmen, bald seinen hemmungslosen Wutausbrüchen ausgeliefert, bald unterwegs mit Freunden in dem Ödland, das gleich hinter der Siedlung beginnt: Irgendwo dort wird Francisco schließlich den Eingang ins Reich der Toten entdecken, von dem er zu Beginn seines Berichtes noch einmal – als Kind? – zurückgekehrt war …

Wenn die Rede vom „magischen Realismus“ je Sinn gehabt hat, dann für diesen faszinierenden Roman. Franciscos Bericht führt in ein geheimnisvolles Zwischenreich, das, abgesehen von der stets zweifelhaften mystischen Erfahrung, so nur den Kindern und der Literatur zugänglich ist.

OK … ich habe keine Ahnung, was der Klappentextschreiber von „Als Kind“ da geraucht hat. Aber was auch immer es war, es hat ihn soweit verwirrt, daß er den Unterschied zwischen Klappentext und Interpretation nicht mehr so recht kapiert hat. Und auch daß Hexe die weibliche Form zu Hexer ist (bzw. Hexer die männliche von Hexe) muß ihm dann wohl entgangen sein.

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Das gläserne Siegel

Das gläserne Siegel von Carlos Fuentes
Das gläserne Siegel von Carlos Fuentes

Ein alter Dirigent erinnert sich an seine große unerfüllte Liebe. Das eigene Ende vor Augen, schweifen seine Gedanken tief zurück in die Zeiten – gibt es eine Auflösung für das Rätsel, das diese Liebe umgibt?

Wer „Das gläserne Siegel“ nur unter den dem Eindruck des Klappentextes liest, wird bitter enttäuscht werden. Es geht in diesem Buch nämlich nicht um die Geschichte der großen unerfüllten Liebe des Dirigenten zur Sängerin Inez. Es geht um so viel mehr …

Carlos Fuentes erzählt die Geschichte des gläsernen Siegels und schlägt dabei einen Bogen von den Anfängen der Menschheit bis hin zu Inez und dem Dirigenten. Es geht um die erste Frau und den ersten Mann, um den Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat, die Erfindung von Sprache und Gesang, um Liebe und Lust, um Schicksal und Familie, um Musik, um Inzest und Verrat, und um die Unfähigkeit die eine wahre Liebe zu finden. Denn zwischen Inez und dem Dirigenten steht immer unsichtbar ein weiterer Mann, der nur in Träumen und Erinnerungen auftritt … oder doch nicht?

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Das zärtliche Alphabet des Don Júbilo

Das zärtliche Alphabet des Don Júbilo von Laura Esquivel
Das zärtliche Alphabet des Don Júbilo von Laura Esquivel

„Hörst du das Singen des Sandes“, fragte der kleine Júbilo einst seine Großmutter auf dem Weg zum Strand. Es gibt kein Geräusch, das er nicht versteht, nichts bleibt ihm verborgen, denn Júbilo hört bis in die Seele der Menschen, nimmt ihre geheimsten Gedanken, ihre innigsten Wünsche und Sehnsüchte wahr. Seiner Begabung entsprechend wird er Telegraphist, denn er, der das Licht der Welt nicht weinend erblickte, sondern mit einem Lächeln auf dem Gesicht, ist dazu geboren, zwischen den Menschen zu vermitteln. Nur ein einziges Mal entgeht ein Hilferuf dem sonst so perfekten Gehör, und daraufhin droht Júbilo das Wichtigste in seinem Leben zu verlieren: seine über alles geliebte Frau …

Ich bin zwiegespalten, was „Das zärtliche Alphabet des Don Júbilo“ angeht. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist eigentlich sehr schön. Don Júbilo ist ein ungeheuer sympathischer Charakter mit einer bezaubernden Fähigkeit, seine Geschichte beinhaltet Liebe, Leidenschaft, Leichtigkeit, aber auch Eifersucht, Krankheit, Leiden, Tod. Und in einigen wenigen Abschnitten ist dieses Buch auch wirklich so grandios wie das jetzt klingt.

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Augustblitze

Augustblitze von Jorge Ibargüengoitia
Augustblitze von Jorge Ibargüengoitia

In der Bibliothek Suhrkamp sind einige wunderbare Perlen der modernen Literatur erschienen. Und schön aufgemacht ist die Reihe auch noch (wobei mir die „bunten“ Bücher besser gefallen, als die weißen mit dem bunten Streifen). „Augustblitze“ ist eine dieser Perlen und ich habe mich selten so gut amüsiert wie mit diesem schmalen Bändchen. Warum? Hier der Klappentext:

Nicht jedem ist es vergönnt, „De bello gallico“ zu schreiben. Mancher Schlachten- und Revolutionsgeneral muß es hinnehmen, daß ihm ein windiger Ghostwriter seine als Rechtfertigungsschrift angelegten Memoiren zum Beispiel „Augustblitze“ übertitelt. Und was darin dann aufblitzt, sind nicht allemal blanke Schwerter – metaphorisch gesprochen, denn wir sind im 20. Jahrhundert, wo statt Schwertern ein dynamitbeladener Zugwaggon den Vorstoß machen soll -, sondern der schalkhafte Humor des Autors, der dem General die Feder führt. Der Autor, Jorge Ibargüengoitia (1928-1983), erlaubt sich, mit den heiligsten Gütern der mexikanischen Revolution zu scherzen. Dem Entsetzen jeden Krieges dagegen erlaubt er nur momentweise Zutritt.

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So viele Bücher

So viele Bücher von Gabriel Zaid
So viele Bücher von Gabriel Zaid

Die Anzahl der gelesenen Bücher nimmt linear zu, die der veröffentlichten dagegen exponentiell. Wenn sich unsere Leidenschaft für das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern ungebremst so weiter entwickelt, dann gibt es bald mehr Autoren als Leser. (aus dem Vorwort)

Gabriel Zaid wirft einen liebevollen Blick auf die wundersame Welt der Bücher und auf alle, die sich in ihr tummeln: Leser, Autoren, Verleger, Buchhändler, Bibliothekare … Dabei fördert er allerlei Erstaunliches, Kurioses und Nachdenkliches zutage.

Als ein begeisterte Leserin und Bibliophile, bin ich von „So viele Bücher“ schlicht begeistert. Gabriel Zaid schafft es auf nur 141 Seiten so viele wahre und gleichzeitig weise Dinge über Bücher, den Buchbetrieb, Autoren und Leser zu sagen, daß ich teilweise völlig sprachlos war (und auch gerührt).

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