Archiv für Deutschland

Till Eulenspiegel

Posted in Alexandria, GEOlino-Bibliothek with tags , on 14. April 2017 by lady8jane
Till Eulenspiegel von Gisela Geisler

Till Eulenspiegel von Gisela Geisler

Till Eulenspiegel zieht von Ort zu Ort, und überall hält er die Leute zum Narren. In Braunschweig backt er Eulen und Meerkatzen statt Brötchen, in Erfurt lehrt er einen Esel lesen und in Leipzig führt er die Kürschner mit einer Hasenkatze hinters Licht.

Der Wortwitz und der hintergründige Humor von Eulenspiegel sind mittlerweile legendär. Seine Streiche spielt er mit Vorliebe den Reichen und Mächtigen, aber auch Heuchler, Aufschneider und Betrüger werden von ihm bloßgestellt.

Kein Wunder, daß diese Geschichten nicht nur Erwachsene zum Lachen bringen. Auch Kinder mögen den Schalk Eulenspiegel, weil er die Dinge beim Namen nennt und sich von den Großen nicht alles gefallen läßt. So ist Eulenspiegel, dessen Streiche erstmals vor 500 Jahren aufgezeichnet wurden, eine der berühmtesten Figuren der deutschen Literatur geworden.

Eigentlich mag ich die Geschichten um „Till Eulenspiegel“. Allerdings haben sie mir in dieser geballten Form nicht so recht Spaß gemacht.

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Geisterjäger John Sinclair 01 – Im Nachtclub der Vampire

Posted in Alexandria with tags , on 21. Januar 2017 by lady8jane
Geisterjäger John Sinclair 01 - Im Nachtclub der Vampire von Jason Dark

Geisterjäger John Sinclair 01 - Im Nachtclub der Vampire von Jason Dark

Das Grauen geht um in London. Ein Krankenhaus meldet gestohlene Blutreserven. Eine Touristin beobachtet drei blutverschmierte Frauen bei der Beseitigung einer Leiche. Kurz darauf verschwindet sie. Die Spur führt in eine Bar. Im „Shocking Palace“ begegnet John Sinclair einer neuen Generation von Vampiren – und es kommt zum Kampf auf Leben und Tod …

„Geisterjäger John Sinclair 01 – Im Nachtclub der Vampire“ ist natürlich keine Hochliteratur. Aber es ist ein unterhaltsames Hörspiel mit ausgezeichneten Sprechern (mein Favorit: Joachim Kerzel als Erzähler), punktgenauen Soundeffekten, guter Musik und hintergründigem Humor (das Böse ist immer und überall *lach*). Es ist sogar ein extra Track mit Abspannmusik auf der CD, ganz wie bei einem Film.

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Schloß Gripsholm

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Juli 2013 by lady8jane
Schloß Gripsholm von Kurt Tucholsky

Schloß Gripsholm von Kurt Tucholsky

Was gibt es Schöneres, als Ferien zu machen mit einer Frau, genannt „die Prinzessin“: „Sie hatte eine Altstimme und hieß Lydia.“ Außerdem spricht sie „Missingsch“, eine reizvolle Mischung aus Platt- und Hochdeutsch, die immer wieder zu allerlei überraschenden Pointen Anlaß gibt. Zuvor aber wünscht sich der großmächtige Verleger Ernst Rowohlt vom urlaubsfreudigen Autor Kurt Tucholsky, er möge doch eine kleine Liebesgeschichte schreiben, weil die Leute neben Politik und Aktuellem auch noch anderes haben wollen. Frohgemut fahren der Erzähler und Lydia nach Schweden, wollen in die Wipfel der Bäume schauen und sich ausruhen. Unbeschwert, locker und stets bereit zu allerlei Späßen gleiten die Tage auf Schloß Gripsholm dahin. Irgendwann gesellt sich Freund Karlchen zum Urlauberpaar, und dann taucht das Mädchen Billie auf, das die idyllische Zweisamkeit erotisch so irritiert, daß ein zartes Dreierspiel entsteht: „Billies Körper war braun, von Natur oder von der Sonne der See, woher sie gerade kam.“ Trotz aller Ferienseligkeit weiß Tucholsky natürlich, daß die Alltagssorgen damit nicht verschwunden sind. Und dann gibt es da noch ein Mädchen, das Heimweh hat und von einer tyrannischen Heimleiterin gequält wird. Lydia und der Erzähler greifen ein …

Wer „Schloß Gripsholm“ gelesen hat und immer noch behauptet, deutsche Literatur wäre irgendwie schwer oder tiefsinnig oder traurig, dem ist nicht mehr zu helfen. Kurt Tucholsky hat mit diesem Buch eine so leichte, beschwingte und bezaubernde Sommergeschichte geschrieben, daß es eine helle Freude ist.

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Berittener Bogenschütze

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Mai 2013 by lady8jane
Berittener Bogenschütze von Brigitte Kronauer

Berittener Bogenschütze von Brigitte Kronauer

Matthias Roth, Dozent der Literatur und Untermieter beim Ehepaar Bartels, beschäftigt sich intensiv mit dem Werk Joseph Conrads, den er „Dichter der Umarmungen“ oder besser „Dichter der einen Umarmung“ nennen will, denn: „Im lang ersehnten Moment fallen die Paare in Erstarrung, in Todesstarre sozusagen.“ Roth lebt aber selbst nach dem Prinzip, daß im Innersten der Leidenschaft „Leere, Stille, Einöde“ herrsche, also keine wirkliche Liebesbeziehung aufrecht erhalten werden kann. Er beobachtet und spiegelt sich in seiner Umwelt, in der Fürsorglichkeit von Frau Bartels mit ihrer weißen Schürze, die ihm Essen kocht und seine Frauenbekanntschaften kommentiert. Auch die Liebesbegegnungen mit der aparten Freundin Marianne können Roth nicht aus seiner Selbstbezogenheit befreien. Vielmehr wächst sich sein Leben in der Stadt als Dozent, Untermieter und Mann allmählich zur Krise aus, Matthias Roth gerät selbst in die Erstarrung. Erst eine Urlaubsreise ans Mittelmeer wird diese depressive Versteinerung auflockern. Die Wanderung in die Tiefen eines einsamen ligurischen Bergtals wird zur Begegnung mit dem Tod und mit sich selbst, die Roths so scheinbar festgefügtes Welt- und Selbstbild erschüttert. Zurückgekehrt vermag er diese Erfahrung nicht produktiv zu nutzen. Erst die Liebe zu Gisela, der Frau seines Freundes Hans, verändert den selbstsüchtigen Matthias Roth endgültig …

„Berittener Bogenschütze“ ist das erste Buch aus der SZ-Bibliothek, das ich nicht komplett durchgelesen habe. Selbst durch „Der Untergeher“ habe ich mich komplett gequält, obwohl ich es unerträglich fand und der Schreibstil mich unglaublich agressiv gemacht hat.

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Kassandra

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Februar 2013 by lady8jane
Kassandra von Christa Wolf

Kassandra von Christa Wolf

„Tiefer als von jeder anderen Regung, tiefer selbst als von meiner Angst, bin ich durchtränkt, geätzt, vergiftet von der Gleichgültigkeit der Außerirdischen gegenüber uns Irdischen. Gescheitert das Wagnis, ihrer Eiseskälte unsre kleine Wärme entgegenzusetzen.“ Kassandra, die Seherin, die Prophetin des Untergangs, der man kein Gehör schenkte, steht am Ende des Trojanischen Krieges als Gefangene Agamemnons vor den Mauern von Mykenae und wartet auf den Tod. Sie kann den Lauf der Dinge nicht aufhalten, doch sie blickt ihm bewußt entgegen. Sie sieht die Männer vor sich, die Helden werden mußten: Der Krieg machte die Kämpfer beider Seiten, ob Trojaner oder Griechen, einander immer ähnlicher. Und sie stellt sich ihrer eigenen Geschichte, der Rolle einer Frau, die zum Objekt und Opfer der Geschichte der Sieger gemacht werden soll.

Christa Wolf greift auf einen der grundlegenden Mythen des Abendlands zurück – und erzählt ihn neu, aus der Sicht Kassandras, die in einer männerdominierten Wirklichkeit um Autonomie ringt und den Heldensagen eine Stimme entgegenhält, die künftig nicht mehr unterschlagen werden kann. 1983 in der BRD und 1984 in der DDR erschienen, wurde „Kassandra“ auch als Kommentar zur Stationierung der Mittelstreckenraketen und atomaren Hochrüstung in Ost und West aufgefaßt. Die Erzählung gehört bis heute zu den meistgelesenen Büchern Christa Wolfs. Ihre Frankfurter Poetikvorlesungen „Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra“ erlangten nicht zuletzt wegen der aktuellen Bezüge zur Friedens- und Frauenbewegung ebenso Kultstatus.

„Kassandra“ habe ich im Rahmen der „Starke Stimmen“-Reihe von Brigitte schon rezensiert. Es ist definitiv zu empfehlen, das Buch zu lesen, weil das Hörbuch doch deutlich gekürzt ist. Außerdem sieht das Buch aus der SZ-Reihe auch noch wirklich wirklich gut aus.

Der silberne Mann

Posted in Alexandria with tags , on 21. November 2012 by lady8jane
Der silberne Mann herausgegeben von Manfred Oelsner

Der silberne Mann herausgegeben von Manfred Oelsner

Manfred Oelsner versammelt in „Der silberne Mann“ auf 108 Seiten tatsächlich 100 Sagen aus dem Ostharz. Obwohl er die nicht nur ausgewählt sondern angeblich auch neu erzählt hat, merkt man den verschiedenen Sagen ihre Herkunft aus verschiedenen (am Ende des Buches angegebenen) Quellen deutlich an. Manchen ist eine wissenschaftliche oder moderne Erklärung für das vorangestellt, was sich die Harzer durch die Sage zu erklären versuchten, andere sind sehr prosaisch und kommen völlig ohne Einleitung aus, wieder andere sind fast schon poetisch erzählt und erinnern an alte Rittergeschichten.

Trotzdem ist „Der silberne Mann“ eine durchaus interessante Sammlung, zumal Oelsner die verschiedenen Sagen auch noch grob thematisch geordnet hat. So finden sich Gruppen von Sagen mit ähnlichen Motiven oder Sagen um eine bestimmte Person nacheinander. Wenn man dazu noch bedenkt, daß die Sagen oft nur eine halbe Seite lang sind, dann hat man sie schnell und leicht gelesen. Besonders geeignet ist dieses Buch natürlich, wenn man (Wander-)Urlaub im Ostharz plant und sich all die Stätten aus der Sage ansehen kann.

33 Augenblicke des Glücks

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Oktober 2012 by lady8jane
33 Augenblicke des Glücks von Ingo Schulze

33 Augenblicke des Glücks von Ingo Schulze

Sankt Petersburg steht im Mittelpunkt dieser Aufzeichnungen, die eigentlich „Hoffmanns Erzählungen“ heißen könnten, findet doch eine Reisende nach Petersburg die liegengelassene Mappe mit den Aufzeichnungen ihres zeitweiligen Mitreisenden Hoffmann. Sie schreibt dem Autor, er möge sich doch dieser Papiere annehmen und die Mappe publizieren: „Überarbeitet ergibt sie sicher eine recht kurzweilige Unterhaltung.“ Der nimmt die Herausgeberrolle an, weil diese Aufzeichnungen auch „die Möglichkeit in sich trügen, die anhaltende Diskussion um den Stellenwert des Glücks zu beleben.“ Durch diesen doppelten Rahmen steigt man ein in einen ganzen Kosmos aus komischen, grotesken, brutalen, tragischen und auch böse-finsteren Geschichten, entfaltet sich ein kaleidoskopartiges Panorama der Stadt an der Newa und ihrer Bewohner. Trinker und Huren, Arbeiter und Waffenhändler, alte tapfere Frauen aus den heroischen Tagen des Großen Vaterländischen Krieges tauchen genauso auf wie die Geschäftsleute der neuen Zeit, Mafiosi und ihre Handlanger. Mord und Totschlag sind genauso an der Tagesordnung wie zarte Bewegungen, Mitleid und Großmut. Auch vor Ekel und Entsetzen wird nicht Halt gemacht: Das alte Liebespaar Irina und Anatolij schlägt eine junge Waffenhändlerin auf grausige Weise tot; Florian Müller-Fritsch stinkt und stirbt. Doch das Häßliche alltäglichen Irrsinns und das Schöne guter Wünsche und sanfter Freundlichkeit, die Härte der Schläge und Schüsse wie das Weiche der Gefühlsregungen, wie sie die große Stadt in unendlicher Fülle bereithält, gehen im Reichtum dieser Erzählungen eine seltsam heitere, krause und unverwechselbare Mischung ein.

Bei „33 Augenblicke des Glücks“ frage ich mich dann doch, wieso es in der SZ-Bibliothek gelandet ist. Es ist jetzt kein schlechtes Buch, ganz im Gegensatz, einige der Geschichten sind ziemlich gut (und ziemlich ekelig, ich denke da vor allem an die Episode, in der drei Männer ein Mädchen bei lebendigem Leib auffressen). Aber es ist kein Roman. Und sollten in der SZ-Bibliothek nicht 100 große ROMANE der Weltliteratur versammelt sein?

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