Archiv der Kategorie: Bibliothek Suhrkamp

Das Dschungelbuch

Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling
Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling

Es ist eine fremde, abenteuerliche und gefährliche Welt, die der kleine Mowgli im indischen Dschungel erlebt, nachdem ihn der Tiger Shir Khan aus dem Dorf seiner Eltern geraubt hat. Er wächst bei einer Wolfsfamilie auf und schließt Freundschaft mit den Tieren der Wildnis, dem Bären Baloo und dem Panter Bagheera.

Aber auch das ungebundene Leben in der Natur, fernab von der menschlichen Zivilisation, kommt nicht aus ohne feste Regeln und Gesetze. Mowgli und die Tiere des Dschungels müssen ihnen gehorchen, wenn sie überleben wollen.

Rudyard Kiplings Erzählungen faszinieren heute wie damals Leser aller Altersgruppen. Sie zählen zur Weltliteratur.

Wer bei Rudyard Kiplings „Das Dschungelbuch“ an den Film von Disney denkt, wird vielleicht ein wenig enttäuscht werden. Denn das Buch hat nicht sehr viel mit dem Film zu tun, eigentlich fast nur die Namen und das Grundkonzept. Nicht nur die Charaktere sind anders (die Python Kaa zum Beispiel ist männlich und mit Mowgli verbündet), auch die Stimmung ist dem fröhlichen Disneyfilm so ziemlich entgegengesetzt.

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Lob der Stiefmutter

Lob der Stiefmutter von Mario Vargas Llosa
Lob der Stiefmutter von Mario Vargas Llosa

Am vierzigsten Geburtstag erhält die schöne Doña Lukrezia von Alfonsito, ihrem zehnjährigen Stiefsohn, einen liebevollen Brief, der sie endgültig davon überzeugt, daß es seinetwegen keine Schwierigkeiten in ihrer erst vor kurzem geschlossenen Ehe mit dem Vater Don Rigoberto geben wird. Der ist ganz verliebt und konzentriert auf den Liebesdienst an seiner Lukrezia, er pflegt sich und bereitet sich auf jede Nacht in den Armen seiner Frau sorgfältig vor. Trotzdem fühlt sich Lukrezia durch Alfonsito verunsichert, wenn er sie leidenschaftlich umhalst. Als sie erfährt, daß er sie auch noch heimlich im Bad beobachtet, wird ihr der Junge in seiner Schwärmerei für sie ein bißchen unheimlich und sie beschließt, deutlich Abstand zu nehmen: „Als Alfonsito an diesem Nachmittag von der Schule nach Hause kam und auf sie zuging, um ihr einen Kuß zu geben, wandte sie sogleich das Gesicht von ihm ab und vertiefte sich wieder in die Zeitschrift, die sie gerade durchblätterte, ohne ihn nach dem Unterricht oder nach den Aufgaben für den nächsten Tag zu fragen.“ Doch Alfonsito leidet so sehr unter dieser Entfremdung, daß er ihr einen Abschiedsbrief schreibt: er werde sich umbringen, wenn Doña Lukrezia weiterhin so kalt und grausam bliebe. Die schöne Stiefmutter ist ehrlich betroffen und eilt zu Alfonsito …

Nachdem mich Mario Vargas Llosa mit „Das grüne Haus“ ja nicht so vom Hocker gerissen hat, bin ich von „Lob der Stiefmutter“ total begeistert. Es ist ein herrlich bösartiges Buch!

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Das steinerne Herz

Das steinerne Herz von Arno Schmidt
Das steinerne Herz von Arno Schmidt

Walter Eggers fährt auf der Suche nach dem Nachlaß des hannoveranischen Statistikers Curt Heinrich Conrad Friedrich Jansen nach Ahlden und mietet sich bei Frieda Thumann, einer Enkelin Jansens, und ihrem Mann Karl, einem Lastwagenfahrer, ein. Auf dem Dachboden des Hauses gibt es eine viel versprechende Bücherkiste. Eggers beginnt mit Frieda ein Liebesverhältnis, doch Frieda rückt nur Stück für Stück mit den begehrten Jansen-Schätzen heraus: „… da stand sie; nackt; meine Staatshandbücher unter dem Arm (so daß die linke Brust zum Teil drauflag: auf dem kalkblauen Jahrgang 1843!!): oben ein kaltes Lächeln, unten Pantoffeln.“ Eggers fährt mit Karl nach Berlin, der in Ost-Berlin eine Freundin, Line Hübner, hat. Am nächsten Morgen nehmen sie Line mit einem ergaunerten Reisepaß mit nach Ahlden. Nachdem Eggers die Bücher ergattert hat, plant er seinen Abgang aus dem Thumann-Haus. Doch da wird in einer Zwischendecke des Hauses ein Goldschatz entdeckt. Die Münzen werden in Hannover an einen Sammler verkauft. Eggers muß sich nun entscheiden …

Arno Schmidt verwendet in „Das steinerne Herz“ eine völlig andere Sprach- und Romanform. Sein Roman ist abschnittsweise gegliedert und wird immer von einigen kursiv geschriebenen Worten eingeleitet. Der Text selbst ist völlig experimentell und sprunghaft geschrieben, totale Innensicht.

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Malina

Malina von Ingeborg Bachmann
Malina von Ingeborg Bachmann

Die Ich-Erzählerin aus der Ungargasse im dritten Wiener Bezirk lebt mit dem vierzigjährigen Malina zusammen, einem „Staatsbeamten der Klasse A“. Ihre brennende Liebe gehört aber dem wenige Jahre jüngeren Ivan, der mit zwei kleinen Kindern in der Nachbarschaft lebt. Die Beziehung zu Ivan überdeckt alles, auch die reale gesellschaftliche, politische und private Umwelt: „Meine Phantasie, reicher als die Yagephantasie, wird endlich durch Ivan in Bewegung gesetzt, etwas Immenses ist durch ihn in mich gekommen und strahlt nun aus mir, immerzu bestrahle ich die Welt, die es nötig hat, von diesem einen Punkt aus, an dem nicht nur mein Leben sich zentriert, sondern mein Wille, ‚gut zu leben‘, um wieder brauchbar zu sein, denn ich möchte, daß Ivan mich braucht, wie ich ihn brauche, und für das ganze Leben.“ Die Erzählerin gerät in eine Trance des bedrohlichen Glücklichseins, es ist wie ein Virus: Die Liebe ist eine Art von Krankheit …

„Malina“ ist ein ungeheuer interessant geschriebener Roman. Ingeborg Bachmann läßt ihre Ich-Erzählerin sich in allen möglichen Stilformen ausdrücken, und in jeder einzelnen Form ist sie brillant.

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Jakob von Gunten

Jakob von Gunten von Robert Walser
Jakob von Gunten von Robert Walser

Jakob von Gunten stammt aus gutem Haus. Er verläßt es aber aus Angst, von der Vortrefflichkeit des Vaters erstickt zu werden. Er meldet sich in einer Knabenschule, und Herr Benjamenta, der Institutsvorsteher, nimmt ihn auf. Fräulein Lisa, die Schwester des Vorstehers, unterrichtet Gehorsam und Benehmen. Ein Grundsatz lautet: „Wenig, aber gründlich.“ Jakob versucht einmal gegen die Demütigungen zu rebellieren, aber als er sich beschweren will, läßt ihn Herr Benjamenta fünfmal anklopfen, sich verbeugen und laut und deutlich grüßen: „Guten Tag, Herr Vorsteher.“ Dann darf er sich endlich beklagen, doch Herr Benjamenta läßt ihn stehen und liest Zeitung. Über den Musterschüler Kraus schreibt Jakob in sein Tagebuch, er reite auf der Zufriedenheit, aber das sei „ein Gaul, den Personen, die galoppieren wollen, nicht besteigen mögen“. Eines Tages gesteht ihm der Institutsvorsteher, er liebe erstmals einen Menschen, nämlich ihn, ob Jakob nicht sein Freund und Vertrauter werden wolle. Lisa Benjamenta sieht derweil immer kränker aus und gesteht Jakob, daß sie bald sterben werde. Kurz darauf ist sie tot. Die anderen Zöglinge verlassen die Schule. Jakob bleibt allein mit Herrn Benjamenta zurück. Der erklärt, daß er keine Schüler mehr aufgenommen habe, weil er das Institut schließen werde. Und er lädt Jakob ein, ihn zu begleiten: „Wir werden reisen“ …

Robert Walser kannte ich vor der SZ-Bibliothek noch nicht einmal dem Namen nach. Dabei ist er ein wirklich genialer Autor. Sein „Jakob von Gunten“ ist ein äußerst vergnügliches Buch. Es ist wirklich gut geschrieben, das ist das eine. In einem absolut brillanten Deutsch, mit sehr spitzem und subtilem Humor, einfach ein Vergnügen.

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Eine Jugend

Eine Jugend von Patrick Modiano
Eine Jugend von Patrick Modiano

Odile, Mutter zweier Kinder, führt mit ihrem Gatten Louis ein Kinderheim in einem Chalet in den Bergen. Sie feiert mit Freunden ihren fünfunddreißigsten Geburtstag. Fünfzehn Jahre zuvor sah ihrer beider Leben ganz anders aus. Es war in den 60er Jahren in Paris, als an einem Dezembertag Odile und Louis sich zufällig begegnen: „Er half ihr aufzustehen und stützte sie am Arm. Als sie draußen die Treppe hinabstiegen, fühlte er den Druck ihrer Hand.“ Louis hat gerade den Militärdienst hinter sich, ist unschlüssig, was er tun soll, und leistet Botendienste für eher halbseidene Gestalten. Odile will Sängerin werden. Dabei trifft sie auf den 50jährigen Georges Bellune, den Talente-Scout für eine Plattenfirma, der ihr eine Karriere verspricht, sich aber plötzlich das Leben nimmt. Louis und Odile streifen nun durch die Stadt, lernen Leute kennen, die die beiden unter dem Deckmantel des Beschützens ausnutzen. Louis und Odile merken, daß sie in ein undurchsichtiges und gefährliches Milieu geraten sind, es gelingt ihnen dennoch, ihre Liebe zu bewahren. Einen letzten Auftrag nehmen sie an …

Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung, wieso „Eine Jugend“ Teil der SZ-Bibliothek ist, die ja angeblich 100 große Romane des 20. Jahrhunderts präsentiert. Dieses Buch hier ist zwar gut geschrieben, keine Frage, aber es ist doch absolut nichts besonderes.

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Augustblitze

Augustblitze von Jorge Ibargüengoitia
Augustblitze von Jorge Ibargüengoitia

In der Bibliothek Suhrkamp sind einige wunderbare Perlen der modernen Literatur erschienen. Und schön aufgemacht ist die Reihe auch noch (wobei mir die „bunten“ Bücher besser gefallen, als die weißen mit dem bunten Streifen). „Augustblitze“ ist eine dieser Perlen und ich habe mich selten so gut amüsiert wie mit diesem schmalen Bändchen. Warum? Hier der Klappentext:

Nicht jedem ist es vergönnt, „De bello gallico“ zu schreiben. Mancher Schlachten- und Revolutionsgeneral muß es hinnehmen, daß ihm ein windiger Ghostwriter seine als Rechtfertigungsschrift angelegten Memoiren zum Beispiel „Augustblitze“ übertitelt. Und was darin dann aufblitzt, sind nicht allemal blanke Schwerter – metaphorisch gesprochen, denn wir sind im 20. Jahrhundert, wo statt Schwertern ein dynamitbeladener Zugwaggon den Vorstoß machen soll -, sondern der schalkhafte Humor des Autors, der dem General die Feder führt. Der Autor, Jorge Ibargüengoitia (1928-1983), erlaubt sich, mit den heiligsten Gütern der mexikanischen Revolution zu scherzen. Dem Entsetzen jeden Krieges dagegen erlaubt er nur momentweise Zutritt.

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