Archiv für Japan

Erkundungen – 12 Erzähler aus Japan

Posted in Alexandria with tags , , , , , , , , , , , , , on 21. Februar 2017 by lady8jane
Erkundungen - 12 Erzähler aus Japan herausgegeben von Marianne Bretschneider und Heinz Haase

Erkundungen - 12 Erzähler aus Japan herausgegeben von Marianne Bretschneider und Heinz Haase

Diese Erzählungen von etablierten, zum Teil mit bedeutenden Literaturpreisen gewürdigten Schriftstellern lassen ein Profil der japanischen Kurzprosa der Gegenwart erkennen. Zwischen 1973 und 1990 entstanden, dringen sie in die Ministrukturen einer Gesellschaft ein, die als Prototyp einer standardisierten Konsumgesellschaft gilt. Wo das allseits angepaßte der Maßstab ist, gerät jegliche individuelle Eigenart in Gefahr. Und so wird die psychologische Befindlichkeit all jener, die trotz mancher Anzeichen äußeren Erfolgs innerlich zerrissen und einsam sind, zum literarischen Gegenstand. Die Identitätskrise des heutigen Japaners – gleichgültig, ob er der jungen, „verlorenen“ Generation angehört oder an der Schwelle des Todes steht – und die oft tragischen Konflikte im traditionellen Familienverband vermitteln ungewöhnliche, überraschende Eindrücke vom Land der aufgehenden Sonne.

Der Verlag Volk & Welt Berlin hat in seiner Erkundungen-Reihe einige interessante Anthologien von Autoren aus verschiedenen Ländern herausgegeben. Dabei habe ich natürlich als erstes „Erkundungen – 12 Erzähler aus Japan“ gelesen, denn japanische Literatur finde ich schon immer ungeheuer faszinierend.

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Unter dem Regenmond

Posted in Alexandria with tags , on 7. Mai 2013 by lady8jane
Unter dem Regenmond von Ueda Akinari

Unter dem Regenmond von Ueda Akinari

Ich habe ja vor kurzem schon einmal „Asiatische Sagen“ gelesen, worunter auch viele japanische Geschichten waren. „Unter dem Regenmond“ von Ueda Akinari verhält sich zu diesen Geschichten in etwa so, wie Volksmärchen sich zu den Kunstmärchen von Hans Christian Andersen verhalten. Ja, Andersen ist ein wirklich guter Vergleich zum Werk von Ueda, denn beider Geschichten sind gleichermaßen poetisch.

In „Unter dem Regenmond“ erzählt Ueda neun Geistergeschichten, die in Japan ausgesprochen beliebt sind. Dabei sollte man sich als westlicher Leser bewußt machen, daß japanische Geister sich deutlich von ihren westlichen Cousins unterscheiden. Vor allem aber sind die Unterschiede zwischen Geistern, Feen und Dämonen nicht so scharf gezogen wie bei uns.

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Schönheit und Trauer

Posted in Alexandria with tags , on 21. Februar 2013 by lady8jane
Schönheit und Trauer von Kawabata Yasunari

Schönheit und Trauer von Kawabata Yasunari

Vor über zwanzig Jahren hat Toshio Oki seine damals 16jährige Geliebte verlassen. Jetzt erhofft er sich ein Wiedersehen. Otoko, inzwischen eine bekannte Malerin, lebt mit ihrer Freundin Keiko zusammen, die den lange zurückliegenden Verrat auf grausame Weise rächt …

Eine doppelte Liebesgeschichte, von dem japanischen Nobelpreisträger in Bildern von nuancierter Erotik und Leidenschaft erzählt.

„Schönheit und Trauer“ ist wieder einmal eine weitere Bestätigung für meine Vorliebe für japanische Autoren. Das Buch ist gut, und das gleich in vielfacher Hinsicht.

Was mir von Anfang an sehr gut gefallen hat beim Lesen ist die Ambivalenz der Charaktere. Ja, Toshio Oki hat die 16jährige verführt, geschwängert und später verlassen (nicht wegen der Schwangerschaft übrigens), aber er ist dadurch nicht der Bösewicht des Buches. Ja, Otoko hat durch Oki viel verloren, aber sie ist dadurch nicht das Opfer, noch ist sie ihm deshalb böse. Es ist eine sehr japanische, sehr kultivierte Sichtweise und Charakterisierung, die uns hier begegnet.

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Asiatische Sagen

Posted in Alexandria with tags , on 7. Dezember 2012 by lady8jane
Asiatische Sagen

Asiatische Sagen

Warum dieses Buch „Asiatische Sagen“ heißt, ist mir nicht so ganz klar geworden. Enthalten sind insgesamt 31 Sagen, davon kommen ganze drei aus Indien, der gesamte Rest aus Japan. Hätte der Editor die drei indischen Sagen nicht einfach weglassen und Japanische Sagen auf den Titel schreiben können? Aber wenigstens bewegt sich das Lektorat auch ungefähr auf dem selben Niveau: Mir sind schon beim ersten Lesen einige Rechtschreibfehler aufgefalllen, die einem sorgfältigen Lektor sicher nicht entgangen wären (Vook für Volk z.B.).

Abgesehen von diesen beiden, die Lesefreude etwas trübenden Punkten, ist „Asiatische Sagen“ ein tolles Buch. Ich bin ja sowieso sehr japanophil und deshalb interessieren mich japanische Sagen und japanische Mythologie ungemein. Und hier bekommt man die gesamte Bandbreite geboten: Göttersagen, Heldensagen, Geistergeschichten, alle finden sich in diesem Büchlein versammelt. Besonders gut haben mir „Die spukenden Füchse im Moor“ (ich liebe Kitsune!) und „Die Vampirkatze“ gefallen. Gerade letztere Geschichte hat mich dabei sehr überrascht, ich hatte davor noch keine japanischen Vampirgeschichten gekannt. Hat Spaß gemacht, das zu lesen!

Gefährliche Geliebte

Posted in Alexandria with tags , on 21. Oktober 2010 by lady8jane
Gefährliche Geliebte von Haruki Murakami

Gefährliche Geliebte von Haruki Murakami

Ich habe ja schon mehrfach erwähnt, daß ich Haruki Murakami für einen (Schriftsteller-)Gott halte. Auch mit seinem Roman „Gefährliche Geliebte“ hat er mich wieder begeistert, und das, obwohl das Buch so ganz anders ist, als die anderen seiner Werke, die ich gelesen habe.

„Gefährliche Geliebte“ ist die sehr geradlinig erzählte Geschichte einer zum Scheitern verurteilten großen Liebe. Und dieses Mal ist da so gar nichts von dem, was man bei Murakamis Büchern erwartet: keine phantastischen Begebenheiten, keine altklugen Teenager, ja sogar der Held der Geschichte hat völlig Murakami-untypisch tatsächlich einen … *Trommelwirbel* … Namen!

Dieses Buch erfüllt also keine meiner Erwartungen und es ist noch dazu eine Liebesgeschichte (die mich eigentlich sonst eher peripher interessieren … und trotzdem ist es großartig und fesselnd und man kann es nicht aus der Hand legen. Wieso bloß?

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Die Stunde des Samurai

Posted in Alexandria with tags , on 21. Januar 2010 by lady8jane
Die Stunde des Samurai von Takashi Matsuoka

Die Stunde des Samurai von Takashi Matsuoka

Nachdem Japan zwei Jahrhunderte vom Ausland isoliert war, wagen 1861 drei junge Amerikaner die Reise in das fremde, faszinierende Land. Dort finden sie in dem jungen Fürsten Genji einen mächtigen Schutzherrn. Doch Genji hat erbitterte Feinde, und wider Willen werden die drei Neuankömmlinge in einen leidenschaftlichen, blutigen Konflikt um Tradition und Macht, um Liebe und Verrat hineingezogen …

„Die Stunde des Samurai“ ist trotz seiner Länge von 510 Seiten ein Buch, das man sehr schnell gelesen hat. Es ist nämlich wirklich spannend! Kämpfe, Intrigen, Politik, Vorahnungen, Liebe, Samurai, Ninja, Westernhelden … das Buch hat alles davon und noch mehr.

Schön ist dabei vor allem, daß Takashi Matsuoka es sehr gut schafft, die Geisteshaltung, die Philosophie der Samurai in seinen Roman zu transportieren. Matsuoka weiß, wie Samurai denken, und das merkt man dem Buch an. Natürlich wird „Die Stunde des Samurai“ dadurch ziemlich blutig, denn Gnade ist ganz sicher nicht eine der Tugenden der Samuraikaste. Gleichzeitig schafft der Autor es, die weiche und gefühlvolle Seite dieser blutrünstigen Krieger gut darzustellen. Wohl in kaum einem anderen so blutigen Action-Roman wird von den Protagonisten so viel aus Rührung geweint wie in diesem.

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Der weise Regenbaum / Der Sündenbock

Posted in Alexandria with tags , on 21. September 2009 by lady8jane
Der weise Regenbaum / Der Sündenbock von Kenzaburo Oe

Der weise Regenbaum / Der Sündenbock von Kenzaburo Oe

Von Kenzaburo Oe hatte ich vor „Der weise Regenbaum / Der Sündenbock“ noch nichts gelesen und war entsprechend gespannt. Vor allem, da es im Vorwort heißt:

Die komplizierte, von Selbstentfremdung bedrohte Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft, die Suche nach Identität und Selbstverwirklichung sind zentrale, immer wieder variierte Themen im Schaffen des japanischen Autors Kenzaburo Oe. So sind die beiden Prosatexte dieses Bandes in Charakter und Aussage grundverschieden. In der Kurzgeschichte „Der kluge Regenbaum“ erzählt ein japanischer Schriftsteller von einem Besuch auf Hawaii. Ein internationales Seminar, das unter dem Thema „Rückbesinnung auf kulturelle Kontakte und Traditionen“ steht, überzeugt ihn ironischerweise von den begrenzten Möglichkeiten menschlicher Kommunikation. Seine Erlebnisse auf einer ungewöhnlichen Party, die auch Teil eines Geiseldramas sein könnte, rufen ihm die Unzulänglichkeit des Menschen ins Bewußtsein, während ihm der kluge Regenbaum als vollkommenes Wesen erscheint. Daß Oe die Natur nicht idealisiert, zeigt sein parabelähnlicher Kurzroman „Der Sündenbock“. Hier ist der Erzähler ein Arzt, der als Kind bei einer Hochwasserkatastrophe die Eltern verlor und seine Ausbildung der Dorfgemeinschaft auf Shikoku verdankt. Das daraus entstehende, durch die lokale religiöse Tradition modifizierte und für die japanische Gesellschaft charakteristische Abhängigkeitsverhältnis stürzt ihn in eine tiefe Krise. Er schwankt zwischen Pflichtgefühl und der nicht unbegründeten Furcht, vereinnahmt und zum Sündenbock gemacht zu werden ein Konflikt, dem er sich durch die Flucht nach Mexiko zu entziehen glaubt.

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