Schlagwort-Archive: Algerien

Doppelweiß

Doppelweiß von Yasmina Khadra
Doppelweiß von Yasmina Khadra

Nur einen Tag, nachdem Kommisar Llob beim angesehenen Diplomaten Ben Ouda zu Besuch war, wird Ben Ouda ermordet aufgefunden. Mit dem Mut der Verzweiflung verfolgt Llob die Mörder und kommt den Machenschaften eines illegalen Finanzimperiums auf die Spur, stößt auf Kriegsgewinnler und kleine Gauner, die den Kopf hinhalten müssen. Aber auch er selbst ist in höchstem Maß gefährdet.

„Doppelweiß“ hat mir besser gefallen als der Vorgängerband „Morituri“. Das hat, glaube ich, zwei Gründe. Zum einen habe ich mich mittlerweile in die Welt von Kommissar Llob eingelesen, wodurch alles leichter verständlich war. Zum anderen ist auch die Handlung der Geschichte nicht so verworren wie im ersten Band. Der Fall ist ziemlich geradeaus erzählt, wenn man einmal von den üblichen Wendungen und Intigen in einem solchen Kriminalfall absieht.

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Morituri

Morituri von Yasmina Khadra
Morituri von Yasmina Khadra

Kommissar Llob aus Algier, humorvoll, sarkastisch und absolut integer, zögert nicht, die Drahtzieher bei einer Serie von Morden an Intellektuellen in den höchsten Kreisen zu suchen. Seine Hauptgegner sind jene „Kriegsgewinnler“, die in schwer bewachten Luxusvillen rauschende Feste feiern und Macht und Kapital unter sich aufteilen. „Morituri“ ist Kriminalroman und Zeitzeugnis zugleich.

Genau wie Ahmet Ümit in „Nacht und Nebel“ bedient sich auch Mohammed Moulessehoul aka Yasmina Khadra dem Genre des Roman noir. Aber anders als sein türkischer Kollege, ist Khadras „Held“ kein Geheimdienstagent sondern ein ganz normaler Polizeibeamter. Entsprechend schlecht sind er und seine Kollegen ausgerüstet. Ihre Methoden aber sind ähnlich, sie prügeln sich schon einmal mit Verdächtigen und schrecken auch vor Folter nicht zurück.

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Timimoun

Timimoun von Rachid Boudjedra
Timimoun von Rachid Boudjedra

Rachid Boudjedra, der bedeutendste algerische Schriftsteller der Gegenwart, hat mit „Timimoun“ eine Liebeserklärung an die Wüste und die Liebe geschrieben.

„Ich falle ins Unheil der Menschenschicksale, so pathetisch und jammervoll, nun bin ich verliebt und zum Heulen eifersüchtig, weil Sarah für diesen jungen schwarzen Musiker schwärmt, gegen den ich überhaupt keine Chance habe“, klagt ein ehemaliger Pilot, homosexuell, der als Reiseleiter mit Sarah und anderen Touristen in der Sahara unterwegs ist.

Mir hat ja schon „Fluchten“ von Rachid Boudjedra gut gefallen. Also habe ich auch bei „Timimoun“ zugegriffen, zumal das Buch sehr schmal ist. Außerdem hat es mich interessiert, wie ein algerischer Schriftsteller einen homosexuellen Charakter darstellt.

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Vergeltung unter Tage

Vergeltung unter Tage von Mouloud Feraoun
Vergeltung unter Tage von Mouloud Feraoun

Der Kabyle Amer verläßt seine Heimat, um in Frankreich zu arbeiten. Zu Beginn denkt er noch oft an seine Heimat und seine Familie, die er mit regelmäßigen Überweisungen unterstützt. Doch schon bald verdrängt der Moloch Paris die Bilder der Vergangenheit, selbst die Geldzuwendungen stellt Amer schließlich ein. Völlig vereinsamt stirbt so der alte Vater, der all seine Hoffnung auf seinen Sohn gesetzt hatte. Als Amer dann gänzlich unerwartet wieder heimkehrt, noch dazu in Begleitung einer französischen Frau, ist die Verwunderung groß …

Es ist mir am Anfang schwer gefallen, in „Vergeltung unter Tage“ hineinzukommen. Das kann natürlich auch daran liegen, daß ich eine fiese Grippe hatte und es zu Beginn des Buches mit meiner Konzentration deshalb nicht allzu weit her war.

Aber auch die Geschichte beginnt eigentlich ganz gemächlich. Amer und seine französische Frau Marie, die bald von allen nur noch Madame genannt wird, kommen zurück in Amers Heimatdorf Ighil-Nezman in der Kabylei. Sie richten sich dort ein, finden ihren Platz im Dorfgefüge. So weit, so uninteressant.

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Fluchten

Fluchten von Rachid Boudjedra
Fluchten von Rachid Boudjedra

Die Geschichte spielt in einer Familie von Pferdezüchtern. Ila, dessen Leben schmerzlich von seiner Unfruchtbarkeit bestimmt wird, füllt sein Leben zum einen mit seiner Passion für das Pferdezüchten an, zum anderen durch die Adoption einer Reihe von Kindern. Er unternimmt lange Reisen in Nachahmung der großen Reisenden, deren Reiseberichte zu seiner Standardlektüre gehören.

Die permanente Suche des Protagonisten, dessen Leben von Reisen, Irrfahrten und Fluchten bestimmt ist, entführt den Leser in verschiedene Stationen – Constantine, Tunis, Algier, Moskau, Peking, Hanoi, Barcelona, Paris -, die mit einfühlsamer Liebe zum Details beschrieben werden.

Nach diesem Klappentext hatte ich ein beschauliches Buch über Reisen und die Begegnungen in verschiedenen Städten erwartet. „Fluchten“ ist alles mögliche, aber beschaulich ganz sicher nicht. Ich kannte bisher nichts von Rachid Boudjedra, deshalb hat er es hier geschafft, mich zu überraschen, ja, mich zu überwältigen.

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