Archiv für Türkei

Die Ararat-Legende

Posted in Alexandria with tags , on 21. März 2019 by lady8jane
Die Ararat-Legende von Yaşar Kemal

Die Ararat-Legende von Yaşar Kemal

Der Hirte Ahmet spielt auf der Flöte das uralte Lied vom Ararat, dem Retter in der Not und dem Strafenden bei Ungehorsam. Da sieht er im Morgengrauen vor seiner Hütte am Fuße des Felsens einen silber- und goldgeschmückten Schimmel stehen – ein Geschenk Allahs, so meinen der Weise Sofi und die kurdischen Bergbauern. Verheißt das prächtige Araberpferd Freude oder Leid? Ahmet weigert sich, dem osmanischen Pascha in Beyazit die vermeintliche Gabe Gottes zurückzuerstatten, das verbietet der islamische Brauch. Doch Mahmut Chan kennt keine Tradition und wirft ihn in den Kerker, wo Ahmet die Liebe von Gülbahar gewinnt, des Paschas Tochter. Das Mädchen mit den Gazellenaugen verhilft ihm zur Flucht, und eine schweigende Volksmenge zieht um des Glücks der Liebenden willen auf den Herrscherpalast zu. Dennoch können die beiden nicht zueinanderfinden: Der Schatten des Mißtrauens ist auf ihre Liebe gefallen. Der stolze, unversöhnliche Ararat hat im Zorn seinen Fluch gesprochen über menschliche Untugenden wie Argwohn und Eifersucht, Besitzgier und Machtrausch.

Eigentlich erzählt „Die Ararat-Legende“ aber nicht Ahmets Geschichte, sondern die von Gülbahar. Denn während der nur im Kerker sitzt, versucht das Mädchen, das sich unsterblich in ihn verliebt hat, alles, um ihn frei zu bekommen. Sie sucht Hilfe bei ihrem Bruder, schließlich bei einem Feueranbeter, einem Scheich und dem Gefängniswärter Memo. Aber es ist er die Macht und der Zorn des Volkes, die sie mit Ahmet zusammenbringt.

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Rot ist mein Name

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Juli 2012 by lady8jane
Rot ist mein Name von Orhan Pamuk

Rot ist mein Name von Orhan Pamuk

Neun Tage in Istanbul 1591, die große Stadt ist eingeschneit. Ein Ermordeter erzählt, wie er in einen Brunnen gestürzt wurde: „… niemand weiß, was mir geschah, nur mein ruchloser Mörder. Der aber, widerlicher Schuft, hat auf meinen Atem gehorcht und mir den Puls gefühlt, um sicherzugehen, daß ich wirklich tot war, dann hat er mir einen Tritt in die Weiche versetzt, mich zum Brunnen geschleppt, hochgezerrt und hineinfallen lassen.“ Der Tote aus dem Brunnen kennt nicht nur den Mörder, sondern, so glaubt er, auch dessen Motiv. Es gebe eine Verschwörung gegen das ganze Osmanische Reich, seine Religion, seine Kultur. Mitten in diesen politischen Verwicklungen stecken die Maler der Buchminiaturen, zu denen auch der Tote gehört. Im Auftrag des Sultans sollen sie zehn Buchblätter bemalen, die für den Dogen in Venedig gedacht sind und ihm die Macht und Pracht der osmanischen Herrschaft zeigen sollen. Doch im Islam sind Bilder nicht erlaubt, und die Einführung der Zentralperspektive gilt gar als Gotteslästerung. Andere Geschichten mischen sich in den Verschwörungskrimi ein: Ein Liebender schildert sein zwölf Jahre dauerndes Warten auf die schöne Seküre; deren Vater berichtet von einer gefährlichen und geheimen Mission ins Abendland; und die Maler sprechen – einer heißt Olive, einer Storch, einer Schmetterling. Sogar Tiere und Farben auf den zehn Bildern fangen an zu reden, der Hund, das Pferd, das Rot. Und natürlich auch jener, der von sich sagt: „Sie werden mich Mörder nennen“. Die vielen verschiedenen Stimmen vernetzen und verweben sich gleichermaßen zum orientalischen Märchen, zur Detektiv- und Liebesgeschichte und als Ganzes zum modernen Roman.

Es ist interessant, daß sowohl Umberto Eco mit „Der Name der Rose“ als auch Orhan Pamuk mit „Rot ist mein Name“ historische Romane geschrieben haben, in denen ein Kriminalfall eine große Rolle spielt, die gleichzeitig sehr sehr modern und alles andere als Krimis sind. Und die beiden Bücher haben noch mehr gemeinsam: Sie haben mit Büchern zu tun und sie sind beide extrem gut!

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