Archiv für Primo Levi

Das periodische System

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. März 2012 by lady8jane
Das periodische System von Primo Levi

Das periodische System von Primo Levi

Das periodische System chemischer Elemente gibt dem Schriftsteller und Naturwissenschaftler Primo Levi den Aufbau seiner Autobiographie vor: In einundzwanzig Kapiteln, die alle mit dem Namen eines chemischen Elements bezeichnet sind, analysiert er sein Leben mit wissenschaftlichem Blick. Da ist das erste Kapitel, das er mit „Argoon“ überschreibt und in dem er von seinen Vorfahren erzählt, die jüdischen Kaufleute im Piemont waren und mitunter so „träge und mit ihrem Zustand zufrieden“ wie dieses Gas. Dann gibt es das Kapitel „Zink“, in dem er davon berichtet, wie sehr er zunächst darunter gelitten hat, als jüdischer Student als „unrein“ empfunden worden zu sein. „Gold“ berichtet von seinen Abenteuern als Partisan, „Chrom“ davon, wie er seine Ehefrau kennengelernt hat. Levi findet eine wissenschaftliche Form der Selbstbetrachtung, die fasziniert.

Wie kann es eigentlich sein, daß die Feuilletonredaktion der SZ diese Buchreihe aussucht und rezensiert, sie also offensichtlich gelesen hat, und dann doch so ein Klappentext geschrieben wird? „Das periodische System“ ist nämlich, auch nach der Selbstaussage von Primo Levi in diesem seinem eigenen Buch, keine Autobiographie. Wie sollte es auch eine sein, da er doch schon in „Ist das ein Mensch?“ über seine Zeit im Konzentrationslager Auchwitz und in „Die Atempause“ über seine lange Heimkehr durch ganz Europa nach Italien geschrieben hat. Und in diesem Roman über genau diese Erlebnisse eben nicht mehr schreibt. Was für eine Art Autobiographie soll das sein, in der so entscheidende Dinge einfach fehlen?

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