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Vom Glück, ein Briefträger zu sein

Vom Glück, ein Briefträger zu sein von Charlotte Weitze
Vom Glück, ein Briefträger zu sein von Charlotte Weitze

Kaspars größter Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Er hat eine Stelle als Briefträger bekommen. Kaspar ist Albino und verträgt kein Sonnenlicht. Doch die Post hat den idealen Ort für ihn gefunden – eine einsame Bergregion in Skandinavien, wo es das ganze Jahr über bewölkt ist und die Uhren ganz, ganz anders gehen. Schon bald ist er Teil dieser fremden, seltsamen Welt, in der nichts ist, wie es scheint.

Wer „Vom Glück, ein Briefträger zu sein“ wie eine realistischen Roman liest wird sicher enttäuscht werden. Denn was Charlotte Weitze hier erzählt ist ein modernes Märchen, komplett mit schöner Schäferin und einem König.

Von Anfang an herrscht in diesem Buch eine zauberische Atmosphäre, eine verträumte, irreal-melancholische Stimmung. Und auch wenn nicht allzuviel passiert, und selbst das, was passiert, ziemlich vorhersehbar ist, nimmt es einem doch gefangen.

Bemerkenswert ist dabei, daß Weitzes Stil oft sehr lakonisch ist. Das und der trocken-skurrile Humor erinnern oft an Arto Paasilinna, und doch gelingt es der Autorin eine märchenhafte Atmosphäre zu schaffen. Wirklich ganz bezaubernd!

Das Wasserzeichen

Das Wasserzeichen von Naja Marie Aidt
Das Wasserzeichen von Naja Marie Aidt

In diesem Novellenzyklus von romanhafter Geschlossenheit zeigt sich Naja Marie Aidt als coole Stilistin. Sie erzählt von Alltagsneurosen, Traum- und Alptraumzuständen, Zuständen innerer Einsamkeit.

Einmal wieder amüsiere ich mich über einen Klappentext. Nicht weil er falsch wäre, sondern wegen dieses pseudo-intellektuellen Geschwafels darin. Man kann förmlich sehen, daß der Schreiber einen schwarzen Rollkragenpullover trägt (nichts gegen schwarze Rollkragenpullover, aber ihr wißt, was ich meine). „Novellenzyklus“, „romanhafte Geschlossenheit“ und „coole Stilistin“ … oh man!

Dabei ist „Das Wasserzeichen“ einfach nur eine Kurzgeschichtensammlung. Aber eine gute! Die Geschichten, die Naja Marie Aidt hier erzählt, haben alle irgendwie mit Sehnsucht zu tun, mit Träumen und deren Unerreichbarkeit. Sie berühren tief, weil sie nachvollziehbar sind und gleichzeitig ungeheuer extrem. Oft ertappt man sich beim Lesen bei einem „was wäre wenn“ und erschrickt über sich selbst.

Ihre Sprache ist dabei, wie die vieler nordischer Autoren, knapp und klar, von großer Schönheit. Umso erschreckender sind ihre Themen, die einem nichts ersparen und lange im Gedächtnis bleiben. Nicht für schwache Gemüter, aber ganz sicher lohnenswert!

Reise in ein dunkles Herz

Reise in ein dunkles Herz von Peter Høeg
Reise in ein dunkles Herz von Peter Høeg

Wer den Klappentext von „Reise in ein dunkles Herz“ liest, wird ein wenig verwundert sein, welche Geschichten er dann zu lesen bekommt:

Zwei ungewöhnlich reizvolle Geschichten, die sich um ein Datum und ein Motiv ranken. Beide handeln von der Liebe und ihren Bedingungen in der Nacht des 19. März 1929.

Liebe im klassischen Sinne wird in den beiden Erzählungen nämlich nicht behandelt. Es geht eher um Wendepunkte im Leben, tiefe Einsichten und einschneidende Veränderungen.

Reise in ein dunkles Herz, die titelgebende Geschichte, ist natürlich eine Hommage an Joseph Conrad, der auch in Person darin vorkommt. Der junge Protagonist darin hat seinen Glauben an seine eigentliche Leidenschaft, die Mathematik, verloren. Eine Begegnung, die tiefergehender und essentieller kaum sein könnte, verändert alles.

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Fräulein Smillas Gespür für Schnee

Fräulein Smillas Gespür für Schnee von Peter Høeg
Fräulein Smillas Gespür für Schnee von Peter Høeg

Es ist kalter Winter in Kopenhagen. Der kleine grönländische Junge Jesaja wird eines Tages tot aufgefunden. Er sei wohl beim Spielen vom Dach gefallen, meint die Polizei. Doch Smilla Jaspersen, die im gleichen Haus wie Esajas wohnt und für die der tote Junge der einzige Freund war, schenkt dieser Erklärung keinen Glauben. Jesaja litt doch an Höhenangst, nie im Leben hätte er auf dem Dach gespielt, da ist sie sich sicher. Sie geht der Sache nach und begibt sich auf eine Spurensuche bis hinauf ins ewige Eis, welche immer neue abenteuerliche Verstrickungen aufdeckt. Schnell findet sie sich inmitten eines Komplotts aus Lügen und Intrigen, aus Vertuschungen und Unwahrheiten wieder, in das offenbar höchste Vertreter der dänischen Gesellschaft verwickelt sind. Ihre Nachforschungen werden für sie selbst gefährlich, doch so leicht gibt sie nicht auf.

Peter Høegs Kriminalgeschichte „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ (1992) war ein internationaler Erfolg, zu dem 1997 auch die Verfilmung des Romans durch Bille August beitrug.

Auch ich habe zuerst den Film gesehen, bevor ich „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ gelesen habe. Der Film ist ziemlich gut. Das Buch ist einfach grandios.

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