Archiv der Kategorie: Alexandria

Goldstaub

Goldstaub von Ibrahim al-Koni
Goldstaub von Ibrahim al-Koni

In „Goldstaub“ schildert al-Koni das Verhältnis zwischen einem Menschen und einem Tier – einem jungen Mann und seinem edlen Kamelhengst -, das das Ausmaß einer existentiellen Abhängigkeit der Kreaturen voneinander annimmt. Diese Abhängigkeit geht hier so weit, daß das Kamel für den jungen Mann wichtiger wird als jede Beziehung zu Menschen. Um das in Notzeit verpfändete Kamel zurückzuhalten, entschließt er sich sogar, dem Druck des Pfandgläubigers nachzugeben und sich von seiner Ehefrau zu trennen. Doch damit nicht genug: Bei diesem Handel erhält er fatalerweise Gold geschenkt, und das Gerücht verbreitet sich, er habe seine Frau für eine Handvoll Goldstaub verkauft. Der Versuch, seine Ehre wiederherzustellen, scheitert.

Meine erste Begegnung mit dem lybischen Autoren Ibrahim al-Koni und gleich bin ich begeistert! Vielleicht ist es das Blut der Roma in meinen Adern, die mir diesen Text so nahe bringt, dieses tiefe Verständnis für Uchaijid und seine Sehnsucht nach dem Nomadentum vermittelt. Sein zunehmendes Gefühl, in seiner Familiensituation gefangen zu sein, wie sehr kann ich das nachvollziehen.

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The Tale of Murasaki

The Tale of Murasaki von Liza Dalby
The Tale of Murasaki von Liza Dalby

Transporting the reader to a different place and another era, here is a rare and remarkable fictional portrait of an eleventh-century Japanese woman of the imperial court, and the exotic world she observed. From the real life and work of Murasaki Shikibu, arguably the world’s first novelist, „The Tale of Murasaki“ weaves an irresistible fiction, with all the spellbinding magic of „Memoirs of a Geisha“.

Wer bei Liza Dalbys Japanepos „The Tale of Murasaki“ erwartet, tapferen Samurai zu begegnen, der wird enttäuscht werden. Die von ihr beschriebene Heian-Periode der japanischen Geschichte ist zeitlich weit vor dem Erstarken der Kriegerkaste anzusiedeln. Statt mit Krieg beschäftigen sich die Adeligen Japans mit den schönen Dingen des Lebens. Sie vertreiben sich die Zeit mit Gedichten, komponieren Räucherwerk, legen Gärten an, färben und nähen ständig ihre Kleider und Zimmerausstattungen um … Das war es eigentlich auch schon. Probleme mit Geld, soziale Konflikte, kommt alles nicht vor, auch wenn sich Murasaki manchmal Gedanken darüber macht, ob man die Diener und Unberührbaren wohl überhaupt als Menschen bezeichnen kann (sie denkt, ja).

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Der verbotene Turm

Der verbotene Turm von Marion Zimmer Bradley
Der verbotene Turm von Marion Zimmer Bradley

Eine Bewahrerin, so besagt das Gesetz, hat nur für ihre Aufgabe zu leben. Aber Callista, die Bewahrerin des mächtigen Turms von Arilinn werden soll, liebt den Terraner Andrew Carr. Sie ist nicht bereit, auf ihre Bestimmung zu verzichten, um ihrem Herzen folgen zu können. Noch nie hat es eine Bewahrerin gewagt, sich den alten Gesetzen zu widersetzen. Callista bricht mit der Tradition und zieht sich die Todfeindschaft von Leonie, der Bewahrerin von Arilinn, zu. Aber noch schlimmer sind die schrecklichen Kräfte des Laran, die in Callista schlummern und sich gegen sie selbst und ihren Geliebten richten.

„Der verbotene Turm“ führt die Ereignisse in „Das Zauberschwert“ weiter und erzählt damit die Geschichte einiger meiner Lieblings-Charaktere. Ich mag alle vier der Haupt-Protagonisten, allerdings nicht alle gleich gerne. Callista ist dabei diejenige, die mir am wenigsten sympathisch ist, was vielleicht einfach an ihrer „Opferrolle“ liegt. Ihre zupackende und beherzte Schwester Ellemir ist mir da deutlich lieber.

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Captain Bligh’s Portable Nightmare

Captain Bligh's Portable Nightmare von John Toohey
Captain Bligh’s Portable Nightmare von John Toohey

„History brought to life.“, verspricht „Captain Bligh’s Portable Nightmare“. Das ist ein ziemlich großes Versprechen und es wird hier ganz sicher nicht eingelöst. Überhaupt bin ich mir nicht so ganz sicher, was John Toohey mit seinem Buch erreichen möchte.

Er erzählt die Geschichte nach, wie Captain Bligh und seine Kameraden nach der Meuterei auf der Bounty, mit einem kleinen Boot den kompletten Pazifik überquerten. Dabei versucht er den Spagat zu schaffen zwischen Fakten und Fiktion … und scheitert an beidem. Er schafft es nie, die Emotion des Lesers so weit zu fesseln, daß man wirklich mit den Männern in diesem Boot ist. Gleichzeitig ist seine Quellenarbeit völlig uneinsichtig. Und seine ständigen Behauptungen, daß jeder es geschafft hätte, die Männer halbwegs lebend zurück in die Zivilisation zu schaffen, ist … einfach bescheuert.

Wer sich für die Geschichte der Bounty interessiert, der sollte Caroline Alexanders „Die Bounty“ lesen.

Herbst der Chimären

Herbst der Chimären von Yasmina Khadra
Herbst der Chimären von Yasmina Khadra

Der unbestechliche Kommissar Llob wird aus dem Polizeidienst entlassen: Er hat unter Pseudonym Kriminalromane geschrieben, die wegen ihrer schonungslosen Offenheit den korrupten Mächtigen von Algier gefährlich werden könnten. Llob ist geächtet, verliert seine letzten Freunde und entgeht nur knapp einem Anschlag. Als ihm jemand die Rehabilitation anbietet, lehnt er ab. Von nun an ist er ganz allein.

„Herbst der Chimären“ ist der krönende Abschluß der Reihe um Kommissar Llob. Wo „Morituri“ noch ein wenig verwirrend war und „Doppelweiß“ schon ein sehr unterhaltsames Buch, geht dieser Roman noch einen Schritt weiter. Er tritt aus dem Rahmen des Kriminalromans heraus und wird etwas ganz anders.

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Das Zauberschwert

Das Zauberschwert von Marion Zimmer Bradley
Das Zauberschwert von Marion Zimmer Bradley

In der Geschichte des Planeten Darkover spielen Zauberschwerter eine nicht unwesentliche Rolle. Keine zweite Klinge ist wie die des alten Haudegens Dom Esteban, deren besondere Fähigkeiten dem Besitzer des Schwertes durch den Matrix-Stein des Heftes übertragen werden. Doch Dom Esteban konnte zuletzt die Klinge nicht mehr führen. Da kommt diesem Schwert plötzlich eine besondere Bedeutung zu, als der Terraner Andrew Carr, gänzlich auf sich gestellt, den harten Realitäten von Darkover ins Auge blicken muß. Die Zauberklinge und ein blutjunges Mädchen, das ihm als Phantombild erscheint, werden sein weiteres Leben entscheidend prägen.

Auch „Das Zauberschwert“ paßt nicht in die chronologische Reihenfolge der Bücher, aber wenigstens spielt es nach „An den Feuern von Hastur“. Ich vermute, daß es zeitlich irgendwo zwischen „Die zerbrochene Kette“ und „Gildenhaus Thendara“ einzuordnen ist, denn Magdalen Lorne trifft Andrew Carr nach den Ereignissen in „Der verbotene Turm“, das auf dieses Buch hier folgt. Vermutlich hat man bei Weltbild geglaubt, die Leser wären zu blöd, um die verschiedenen Handlungsstränge „gemischt“ zu lesen.

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Doppelweiß

Doppelweiß von Yasmina Khadra
Doppelweiß von Yasmina Khadra

Nur einen Tag, nachdem Kommisar Llob beim angesehenen Diplomaten Ben Ouda zu Besuch war, wird Ben Ouda ermordet aufgefunden. Mit dem Mut der Verzweiflung verfolgt Llob die Mörder und kommt den Machenschaften eines illegalen Finanzimperiums auf die Spur, stößt auf Kriegsgewinnler und kleine Gauner, die den Kopf hinhalten müssen. Aber auch er selbst ist in höchstem Maß gefährdet.

„Doppelweiß“ hat mir besser gefallen als der Vorgängerband „Morituri“. Das hat, glaube ich, zwei Gründe. Zum einen habe ich mich mittlerweile in die Welt von Kommissar Llob eingelesen, wodurch alles leichter verständlich war. Zum anderen ist auch die Handlung der Geschichte nicht so verworren wie im ersten Band. Der Fall ist ziemlich geradeaus erzählt, wenn man einmal von den üblichen Wendungen und Intigen in einem solchen Kriminalfall absieht.

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