Archiv der Kategorie: Alexandria

Träume fischen

Träume fischen von Minako Oba
Träume fischen von Minako Oba

„Träume fischen“ gilt bei japanischen Kritikern als „das Feinste an pornographischer Kunst“ und als „skandalöser Kontrapunkt zum Puritanismus der japanischen Gesellschaft“. Wenn das wirklich so ist, dann war mir nicht bewußt, wie prüde die japanische Gesellschaft ist. Klar geht es in diesem Buch auch um Erotik und Sex, aber eben nicht nur. Und schon gar nicht sehr explizit.

Was mir aber ganz deutlich aufgefallen ist, ist die Verweigerungshaltung, die die Protagonistin hier einnimmt. Sie versucht nicht erfolgreich zu sein, sie versucht nicht ihre Eltern zu unterstützen, sie sucht sich keine Arbeit, nachdem ihr Mann bei einem Unfall gestorben ist. Stattdessen hängt sie herum und läßt sich von ihren Eltern aushalten. Später sieht sie keinen Sinn darin, ihren langjährigen Geliebten zu heiraten. Sie verstößt also gegen alle Konventionen.

Minako Oba schreibt ihre Geschichte in einer wunderschönen Sprache. Sehr gut zu lesen das Buch, Empfehlung!

Die Weltenzerstörer

Die Weltenzerstörer von Marion Zimmer Bradley
Die Weltenzerstörer von Marion Zimmer Bradley

„Gesellschaft für Planetenvernichtung“ – so lautet der inoffizielle und höchst bedrohliche Titel einer Organisation, von der hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Ihr Vorgehen ist ebenso subtil wie brutal: Sie legt nicht den ganzen Himmelskörper ind Schutt und Asche, sondern bricht den Überlebenswillen jener Völker, die nicht gewillt sind, sich vom Terranischen Imperium ausbeuten zu lassen. Und sie hat einen Auftrag: den Planeten Darkover!

„Die Weltenzerstörer“ war immer einer meiner liebsten Darkover-Romane. Er hat alles, was MZBs Darkover-Reihe so besonders macht. Hier treffen sogar mehrere Kulturen aufeinander, Terraner, darkovanische Menschen und die mysteriöse Rasse der Chieri, die sich wohl immer wieder einmal mit den Menschen auf Darkover genetisch vermischt haben. Mischlinge aus solchen Verbindungen hat man in früheren Büchern schon einmal „getroffen“, hier aber erlebt man das erste Mal ein „echtes“ Chieri.

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Brasilien, Brasilien

Brasilien, Brasilien von João Ubaldo Ribeiro
Brasilien, Brasilien von João Ubaldo Ribeiro

Schon João Ubaldo Ribeiros „Der Heilige, der nicht an Gott glaubte“ hat mir ja schon sehr gut gefallen. „Brasilien, Brasilien“ ist schon rein formal ganz anders: statt mit einer Kurzgeschichtensammlung hat man es hier mit einem 700+ Seiten-Wälzer zu tun. Aber auch in diesem Format brilliert der Autor, das Buch ist einfach genial!

Ribeiro schreibt, wie der Titel schon sagt, über Brasilien, und schlägt dabei einen Bogen von 1647 bis ins Jahr 1977. Vor allem aber behandelt er das 19. Jahrhundert, in dem in der brasilianischen Geschichte ungeheuer viel passiert ist. Eines der zentralen Themen des Autors ist hier das Verhältnis zwischen den Rassen und den Schichten.

Er folgt dabei verschiedenen Familien, die sich auf die unterschiedlichste Art und Weise entwickeln. Einer der Charaktere verleugnet zum Beispiel seine farbige Mutter, gibt sich als Weißer aus und steigt skrupellos in der Gesellschaft auf, bis sich seine Nachkommen tatsächlich für Weiße halten und alle anderen verachten, ja sich vor ihnen ekeln. Andere nehmen dagegen, obwohl auch gemischtrassig, gut ausgebildet und potentiell in der Lage eine ähnliche Karriere zu machen, den Kampf für das Volk auf. In einer geheimen, mystischen Bruderschaft schließen sie sich zusammen, und widmen ihr Leben einem höheren Ziel: Gerechtigkeit, Gleichheit für alle.

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Echnaton

Echnaton von Nagib Machfus
Echnaton von Nagib Machfus

Wenige Jahrzehnte nach Echnatons Tod geht der junge Historiker Merimun auf die Suche nach der Wahrheit. Er befragt vierzehn Zeitzeugen nach ihren Erlebnissen: Generäle, Priester, Künstler, enge Vertraute und Familienmitglieder erzählen ihm ihre Geschichte. Nach Echnatons Sturz und der Niederlage der Utopie stehen in ihren Berichten Hass und stille Bewunderung dicht nebeneinander. Zuletzt dringt Merimun auch zu Nofretete vor. Von den neuen Machthabern in einem zerfallenen Palast eingesperrt, wird sie sich des Verrats an ihrer großen Liebe bewußt.

Ich merke immer wieder, daß ich historische Romane eigentlich nur mag, wenn sie sich sehr modern geschrieben sind. Nagib Machfus‘ „Echnaton“ erzählt natürlich aus der Zeit der Pharaonen. Gleichzeitig stellt er aber, ähnlich wie Max Frischs „Stiller“ die Frage nach der Wahrheit. Bzw. die Frage, was das ist, Wahrheit und ob es sie in absolutum geben kann. Die Frage nach der Identität, ja nach Realität. In seiner Herangehensweise ist Machfus dabei leichter als Frisch, zugänglicher für den Leser.

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Sharras Exil

Sharras Exil von Marion Zimmer Bradley
Sharras Exil von Marion Zimmer Bradley

Ihr Name ist Sharra: Eine unvorstellbare Macht aus dem Zeitalter des Chaos, die in den falschen Händen eine schreckliche Waffe werden kann. Lew Alton hatte es auf sich genommen, Sharra von Darkover fortzubringen. Nun aber ist für ihn die Zeit gekommen, auf den Planeten seiner Väter zurückzukehren und dort kommt es zwischen denen, die nur ihre eigenen Interessen im Kopf haben, und denen, die Darkover retten wollen, zum alles entscheidenden Gefecht!

„Sharras Exil“ ist die direkte Fortsetzung von „Hasturs Erbe“ und die überarbeitete Fassung von „Das Schwert des Aldones“. Das Buch ist eine deutliche Verbesserung der ursprünglichen Version, aber es ist ganz sicher nicht mein Lieblings-Darkover-Buch.

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Das Gottesspiel

Das Gottesspiel von Kim Young-ha
Das Gottesspiel von Kim Young-ha

Ein Schriftsteller bietet per Telefonhotline lebensmüden Menschen seine Mithilfe beim Selbstmord an. Bevor er zur Hebamme des Todes wird, muß er jedoch von ihren Motiven überzeugt sein. Ist dies der Fall, arrangiert er ihren Tod, läßt die Klienten in seinen Geschichten aber wieder auferstehen und macht sich damit zum Herr über Leben und Tod. Kim Young-has Debütroman ist eine echte Entdeckung und wird alle Fans von Haruki Murakami begeistern.

Kim Young-ha mit Haruki Murakami zu vergleichen ist ziemlich kühn. Denn an den göttlichen Murakami reicht Young-ha ganz sicher nicht heran. „Das Gottesspiel“ ist ein ganz nettes Buch, mehr aber auch nicht.

Die Grundidee, die Young-ha hat, ist sogar ziemlich interessant. Ein Autor, der sowas wie ein Selbstmordberater für Lebensmüde ist, sich die Geschichte seiner „Kunden“ erzählen läßt und die spannendsten literarisch verarbeitet. Wenn das konsequent durchgezogen worden wäre … DAS Buch hätte ich gerne gelesen.

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Das schwarze Buch

Das schwarze Buch von Orhan Pamuk
Das schwarze Buch von Orhan Pamuk

Eine kriminalistische Handlung zieht den Leser in das dichte erzählerische Netz, in dem sich vor allem der Istanbuler Anwalt Galip verstrickt. Eines Tages sind plötzlich seine Frau und sein Cousin, ein bekannter Journalist und Kolumnist, spurlos verschwunden. Er macht sich auf die Suche nach den beiden Angehörigen. Galip liest die Artikel und Essays Celâls, denn er erhofft sich aus ihnen Hinweise auf den Aufenthaltsort der beiden. Zunächst scheint er über die Lektüre dieser Artikel – visionäre Texte über einen ausgetrockneten Bosporus, über geheime byzantinische Gänge und unterirdische Schaufensterpuppenkabinette – seiner Frau und Celâl näherzukommen.

Der eigentliche Protagonist dieses Romans ist die Stadt Istanbul. Pamuk ergründet ihre Tiefen und Verborgenheiten. Er taucht hinab in die unterirdischen Gänge und Zisternen vergessener Zeiten, auf denen die moderne Großstadt sich erhebt. Eine Hommage an Istanbul, der Hauptstadt am Schnittpunkt von Europa und dem Nahen Osten, zwischen Tradition und moderner Urbanität.

Wer auch immer den Klappentext zu „Das schwarze Buch“ geschrieben hat, hat den Roman entweder (wie ja ziemlich üblich) nicht gelesen oder schlicht nicht verstanden. Im Prinzip stimmt hier nur eins: Galip liest die Artikel und Essays seines Cousins Celâl.

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