Schlagwort-Archive: Pakistan

Schwarze Notizen

Schwarze Notizen von Saadat Hassan Manto
Schwarze Notizen von Saadat Hassan Manto

Mit seinen Geschichten von der blutigen Teilung des indischen Subkontinents 1947 verdichtete der Schriftsteller und Journlist Saadat Hassan Manto das Gehörte, Gesehene und Erlebte zu Szenen schmerzhaft gesteigerter Gegenwart, eines angesichts des Todes auf die Spitze getriebenen Lebens.

Ähnlich wie „Ice Candy Man“ behandelt also auch „Schwarze Notizen“ die grausamen Ausschreitungen bei der Teilung Indiens und Pakistans. Anders aber als Bapsi Sidhwa aber läßt uns Saadat Hassan Manto das Geschehen nicht durch die Augen eines Kindes sehen, sondern richtet den scharfen Blick eines Journalisten auf die Ereignisse.

Ein Glück, daß seine Geschichten so kurz sind, denn sonst wären sie schier unerträglich. Mantos lakonische Sprache, sein verzweifelter Galgenhumor (vor allem in den namengebenden „Schwarzen Randnotizen“) und seine dezente Erzählweise, die die schlimmsten Grausamkeiten ausblendet und erst dadurch so richtig in den Mittelpunkt rückt, verdichten seine Erzählungen zu reinem Schmerz. Als Frau ist es dabei vor allem die Geschichte „Mach auf!“, die einem besonders an die Nieren geht.

Schwarze Notizen weiterlesen

Ice Candy Man

Ice Candy Man von Bapsi Sidhwa
Ice Candy Man von Bapsi Sidhwa

Das kleine Parsenmädchen Lenny wächst in einem Milieu auf, das von Toleranz und Verträglichkeit geprägt scheint. Daß es neben Parsen auch Sikhs, Hindus und Moslems gibt, weiß Lenny denn die hat ein Kindermädchen, eine hübsche junge Ayah, der Verehrer aller Glaubensrichtungen, darunter der moslemische Ice-Candy-Verkäufer, nachstellen. Die Idylle findet ein abruptes Ende, als 1947 der Panjab zwischen den unabhängigen Staaten Indien und Pakistan aufgeteilt wird: Lahore brennt, religiöser Fanatismus bricht aus, Freunde von ehedem bekämpfen sich erbittert, und der gutmütige Ice Candy Man verwandelt sich in einen gewissenlosen Opportunisten, der das Vertrauen des Kindes mißbraucht, um die begehrenswerte Ayah in seine Gewalt zu bringen.

Bapsi Sidhwa erzählt unnachahmlich aus kindlicher Perspektive von der Exotik des orientalischen Lebens und dem jähen Umschlag in unbegreifliche Grausamkeit.

„Ice Candy Man“ ist kein Buch für schwache Gemüter. Bapsi Sidhwa erzählt in eindringlichen Bildern von der Grausamkeit, die mit der Teilung Indiens und Pakistans einherging, und die von Wikipedia so lakonisch mit „Es folgte eine Zeit der unkontrollierten Gewalt.“ umschrieben wird. Obwohl in diesem Roman die gewaltsamen Auseinandersetzungen in einem eher sachlichen Stil gehalten sind und auf keinen Fall reißerisch ausgeschlachtet werden, sind sie teilweise beim Lesen fast nicht zu ertragen.

Ice Candy Man weiterlesen

Der Fundamentalist, der keiner sein wollte

Der Fundamentalist, der keiner sein wollte von Mohsin Hamid
Der Fundamentalist, der keiner sein wollte von Mohsin Hamid

Lahore. In einem Café sitzen sich ein mitteilsamer Pakistani und ein zurückhaltender Amerikaner gegenüber. Als langsam die Nacht über die Stadt hereinbricht, enthüllt der Pakistani immer mehr Details seiner Lebensgeschichte, und allmählich ahnt man das Drama, das sich zwischen den beiden Männern anbahnt.

„Der Fundamentalist, der keiner sein wollte“ ist eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Es ist ein ungeheuer intelligenter Kommentar auf die aktuelle politische Weltlage und gleichzeitig wunderbar leicht und unterhaltsam zu lesen.

Dabei ist es nicht die Lebensgeschichte, die man nach dem Klappentext erwartet, die der junge Pakistani hier erzählt. Im Gegenteil. Changez studiert in Princeton, bekommt einen gut bezahlten Job in den USA und sogar irgendwie eine Freundin aus gutem Hause. Dann kommt 09/11 und langsam beginnt sich alles zu verändern …

Der Fundamentalist, der keiner sein wollte weiterlesen