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Der schönste Tango der Welt

Der schönste Tango der Welt von Manuel Puig
Der schönste Tango der Welt von Manuel Puig

Ein Musterbeispiel und zugleich eine großartige Parodie auf die in Lateinamerika so beliebten Fernseh- und Radiofortsetzungsromane, die „Telenovelas“.

Die Handlung ist eine in die dreißiger Jahre versetzte argentinische Variante des Schnitzlerschen Reigens: Man liebt, überschwenglich und doch halbherzig, eine unerreichbare Person, nimmt indessen unbedenklich, was sich anbietet; der oder die Unerreichbare treibt es nicht anders. Von den Frauen und Mädchen des Romans geliebt wird vor allem der schöne Juan Carlos, der mittellos und lungenkrank ist und darum nur unter Anstrengungen das Dasein eines zynischen, prahlerischen Kleinstadt-Don-Juans führt. Bereits mit der Jugend der Personen des Dramas endet der fragwürdige „schönste Tango der Welt“, die Männer sind tot, die Frauen haben sich beschieden.

„Der schönste Tango der Welt“ versammelt tatsächlich alles, was eine Telenovela auszeichnet: Frauenhelden, heimliche Liebschaften, unerwiderte Liebe, betrogene Frauen, versprochene Ehen die dann doch nicht geschlossen werden, eine uneheliche Schwangerschaft, sogar ein Mord. Auch die Charaktere sind direkt aus den Telenovelas entnommen und erfüllen jedes Klischee: das arme und geldgierige Mädchen, der verarmte und todkranke Frauenheld aus guter Familie, sein strebsamer Freund aus einfachsten Verhältnissen, die naive Hausangestellte, die intrigante Schwester. Und natürlich gibt es eine Art Happy End.

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