Archiv für Carlo Levi

Christus kam nur bis Eboli

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. April 2013 by lady8jane
Christus kam nur bis Eboli von Carlo Levi

Christus kam nur bis Eboli von Carlo Levi

Der Arzt, Schriftsteller, Maler und Politiker Carlo Levi wird 1935 von Mussolinis Faschisten nach Lukanien verbannt in ein winziges Bergdorf namens Gagliano. Er, der Städter und Intellektuelle, trifft auf eine Umgebung, in der das sonstige Treiben der Welt, sei es politisch, kulturell oder religiös, keine Rolle spielt, weil die bäuerlichen Menschen in ihrer abgrundtiefen Armut versunken, mit dem puren Überleben gegen Hunger und Malaria beschäftigt sind. Aus der anfangs totalen Fremdheit gegenüber diesem archaischen, primitiven Dorfleben, die dem Verbannten nur als stumpfes gefühlloses Vegetieren erscheint, wächst allmählich aber Interesse, gegenseitige Aufmerksamkeit, schließlich Vertrauen und Solidarität. Obwohl er nicht praktizieren darf, wird er zu den Todkranken, zu den im Malariafieber Delirierenden, den sterbenden Kindern geholt und versucht zu helfen, obwohl er keine Heilung bringen kann. Der Fremde aus dem fernen Norden wird zum verehrten Don Carlo, und er beginnt in all die Leiden und Schmerzen, aber auch in die Tiefe der uralten Kultur des Südens einzudringen. Ihre scheinbar irrationalen Riten und abergläubischen Gebräuche eröffnen sich zunehmend seiner forschenden, mitfühlenden Neugier, so wie er jene zu verstehen lernt, die von sich sagen: „Wir sind keine Menschen, keine Christen, wir sind Tiere, denn Christus kam nur bis Eboli, aber nicht weiter, nicht zu uns.“

Im wahrsten Sinne des Wortes gottverlassen ist die Gegend, in der sich der Erzähler in „Christus kam nur bis Eboli“ in der Verbannung wiederfindet. Und trotzdem findet er hier einen Frieden und eine Gemeinschaft, in der er sich seltsam wohl fühlt. Immer wieder schildert er sein Gefühl völliger Entrücktheit von der Wirklichkeit im Norden Italiens, das Gefühl in eine völlig andere Zeit eingetaucht zu sein.

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