Archiv für Österreich

Hollywood im Winter

Posted in Alexandria with tags , on 21. Mai 2017 by lady8jane
Hollywood im Winter von Lydia Mischkulnig

Hollywood im Winter von Lydia Mischkulnig

Für Kunst muß man Gesetze übertreten. So zumindest lautet die Maxime des Industriellen und Kunstmäzens Tauschitz. Er serviert seinen Gästen ein stilvolles Abendessen auf einem gestohlenen samtroten Kirchenvorhang, sammelt in kleinen Urnen die Zigarettenasche bedeutender Schauspieler, legt seine Terrasse mit Grabsteinen berühmter Menschen aus und schreckt auch nicht davor zurück, seinen Sohn Caesar mit wahren Künstlergenen auszustatten

Im Rahmen der alljährlichen Festspiele wählt Tauschitz für die Inszenierung des Ödipus Rex (sehr frei nach Sophokles) den bekannten Regisseur Berg aus und überläßt ihm – traditionsgemäß – für diese Zeit das karge, aber inspirative Turmzimmer seiner Festung. Eifrig wirkt auch Tauschitz‘ Familie bei den Vorbereitungen der Veranstaltungen mit: Ehefrau Edith hat einen Preis für Nachwuchsdramatiker gestiftet, Tochter Antonia geht mit Berg ein Verhältnis ein, Caesar gelangt zu ungeahnten schauspielerischen Ehren. Die Grenzen zwischen Theater und Realität beginnen zu verschwimmen.

„Hollywood im Winter“ ist ein wirklich bösartiges Buch über den Kunstbetrieb rund um die Salzburger Festspiele. Die Künstler sind durch die Bank extrem selbstbezogen, dämlich, völlig planlos, arrogant und unfähig. Die Kunst, die sie machen ist … schlicht bescheuert (aber nicht ganz unrealistisch, wenn man sich ansieht, was teilweise auf den Bühnen der Welt so inszeniert wird).

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Wiedersehen mit Tibet

Posted in Alexandria with tags , on 7. Dezember 2016 by lady8jane
Wiedersehen mit Tibet von Heinrich Harrer

Wiedersehen mit Tibet von Heinrich Harrer

Der legendäre Forschungsreisende und Tibetkenner Heinrich Harrer schildert sein Wiedersehen mit Tibet, in das er dreißig Jahre nach seinen berühmten „Sieben Jahre in Tibet“ zurückkehrt.

„Wiedersehen mit Tibet“ ist nicht ganz so interessant wie „Sieben Jahre in Tibet“, was vor allem daran liegen mag, daß es nicht ganz so geradlinig erzählt ist. Auch schon in seinem berühmtesten Buch schweift Heinrich Harrer immer wieder ab, erklärt verschiedene Einzelaspekte des tibetischen Lebens in jeweils einzelnen Kapiteln, die nicht unbedingt mit der Zeitabfolge der Geschichte etwas zu tun haben. Vielmehr schiebt er sie eben immer wieder da ein wo es gerade passend ist, was aber bei einem so dicken Buch nicht so schlimm ist.

„Wiedersehen mit Tibet“ ist gerade einmal halb so dick, weshalb hier mehr auffällt, daß er von einem Thema zum anderen springt. Trotzdem ist das Buch sehr interessant. Man erfährt sehr viel über die Entwicklung in Tibet und der Exil-Tibeter, über Harrers Gefühle und Einstellungen (und ganz nebenbei, daß er daran beteiligt war den Autoren von „Das dritte Auge“ als Trickbetrüger zu entlarven), seinen Einsatz für Tibet. An vielen Stellen macht sich dabei Melancholie breit und immer wieder stellt sich der Autor die Frage, warum er überhaupt zurück gekommen ist.

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Maria Stuart

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Dezember 2012 by lady8jane
Maria Stuart von Stefan Zweig

Maria Stuart von Stefan Zweig

Dies ist die wahre Lebensgeschichte einer stolzen, schönen, begabten und machtbewußten, aber auch arroganten, ihren Liebes- wie Haßgefühlen ausgelieferten und bis zur Selbstzerstörung eigensinnigen Frau. Maria Stuart, Königin von Schottland und Frankreich, gehört, wie Stefan Zweig sagt, zu jenen sehr seltenen und erregenden Frauen, „deren wirkliche Erlebnisfähigkeit auf eine ganz knappe Frist zusammengedrängt ist, die eine kurze, aber heftige Blüte haben, die sich nicht ausleben in einem ganzen Leben, sondern nur in dem engen und glühenden Raum einer einzigen Leidenschaft.“ Zweig erzählt aus der Position des Unparteiischen temporeich den Aufstieg von der schottischen Kindkönigin zur Gemahlin des französischen Königs Franz II., ihre unglückliche Verwitwung und unerwünschte Rückkehr nach Schottland zwischen die Fronten von Protestantismus und Katholizismus. Er schildert die gefährlichen Amouren der Königin genauso wie die schier unendlichen politischen Verwirrungen und Verstrickungen, in denen alle Beteiligten schuldig werden an Konspirationen und Verrat, an Morden und Totschlag. Dabei entfaltet sich auch ein Bild Europas im 16. Jahrhundert, in dem Reformation und Gegenreformation, Königtum von Gottes Gnaden, Blutsbande und intrigante Kabinettspolitik sich gegenseitig auflauern und mit allen Mitteln um Machtvorteile kämpfen. Im Mittelpunkt stehen schließlich die beiden Königinnen Maria Stuart und Elisabeth I., die sich persönlich niemals gesehen haben, sondern nur Briefe voller Hintersinn und List, voll falscher Liebenswürdigkeiten und drohender Untertöne wechselten. Am Ende gelingt es den englischen Ministern, ein tödliches Netz zu knüpfen, in dem sich Maria Stuart verfängt und Elisabeth von der Eile ihrer Untergebenen überrascht wird …

„Maria Stuart“ ist schon das zweite Buch unter den neuen 50 Büchern der SZ-Bibliothek, bei dem ich mich frage, wieso es in dieser Reihe publiziert worden ist. Denn es ist ganz deutlich kein Roman.

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Indie Underground

Posted in Alexandria with tags , on 7. Februar 2011 by lady8jane
Indie Underground von Adelheid Dahimène

Indie Underground von Adelheid Dahimène

„Liebe Fans, treue Stammhörer, verehrte Zaungäste, seit ich die Gitarre spielen kann, will ich freier Musiker werden, das hört ihr jetzt schon die ganze Zeit, und ich nehme an, es gefällt euch.“ Na klar doch. Vor allem, wenn der Musiker Indie Underground heißt, in einer Hardcore-Band mit Namen OSPEN 2000 spielt und von einem Plattenvertrag und dem internationalen Durchbruch träumt.

Um den perfekten Song dreht sich sein Leben. Danach kommt lange nichts und nur am Rand der Rest: Schule, Familie, die große Liebe und natürlich immer die Musik.

Adelheid Dahimènes „Indie Underground“ erinnert mich in vielen Dingen an Dorota Masłowskas „Die Reiherkönigin“. In beiden Büchern geht es um Musik, beide Bücher sind wie Musikstücke aufgebaut. Während aber „Die Reiherkönigin“ durchgehend gerappt und dadurch ziemlich schwer zu lesen ist, ist „Indie Underground“ wie eine Schallplatte aufgebaut (und auch viel einfacher zu lesen).

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Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. April 2009 by lady8jane
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter von Peter Handke

Die Angst des Tormanns beim Elfmeter von Peter Handke

Von einem Tag auf den nächsten ist nichts mehr so, wie es war. Der Monteur Josef Bloch, früher einmal ein bekannter Torwart, wird wortlos entlassen – jedenfalls ist er eines Morgens fest davon überzeugt. Er verläßt seine Arbeitsstelle und spaziert ziellos durch Wien. Alles stört ihn: Die Geräusche der Stadt sind zu laut, deren Grellheit irritiert ihn. Er flüchtet sich in ein dunkles Kino. Mitten im Film hört er eine Glocke läuten, doch er weiß nicht mehr, ob das Geräusch zum Film gehört oder ob es vom nahegelegenen Naschmarkt ins Kino hereindringt. Es ist, als sei die Welt mit einem Mal aus den Fugen geraten. Doch das ist noch nicht alles: Schon bald geschieht ein Mord …

Peter Handke erzählt in „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ (1970) die bedrückende Geschichte eines Menschen, der sich mit einem Mal nicht mehr zurechtfindet in der Welt. Er entwickelt eine Kriminalgeschichte, in der sich der Täter selbst auf die Schliche kommen will.

So banal die Handlung dieses Buches ist, so langweilig die handelnden Personen, so faszinierend ist es, den schizoiden Gedankengängen des Protagonisten zu folgen. Wenn ich faszinierend sage, dann meine ich nicht spannend oder etwas ähnliches. Im Gegenteil, das Buch an sich ist ziemlich öde. Ich habe lange gebraucht, es zu lesen und mußte mich manchmal sogar recht quälen dabei.

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Traumnovelle

Posted in Alexandria, SZ-Bibliothek with tags , on 14. März 2009 by lady8jane
Traumnovelle von Arthur Schnitzler

Traumnovelle von Arthur Schnitzler

„Im Grunde Ihres Wesens sind Sie ein psychologischer Tiefenforscher, so ehrlich unparteiisch und unerschrocken wie nur je einer war“, schreibt Sigmund Freud in einem Brief an Arthur Schnitzler. Und recht hat er! Was uns in der „Traumnovelle“ begegnet ist nicht mehr und nicht weniger als ein psychologischer Blick auf eine scheinbar glückliche Ehe. Wobei der Klappentext einmal wieder völlig übertreibt:

Fridolin und Albertine führen eine scheinbar harmonische Ehe. Doch unter der Oberfläche rumort es. Beide werden von erotischen Begierden getrieben. Fridolin schmuggelt sich in eine mysteriöse Geheimgesellschaft ein, wo er eine leidenschaftliche Bekanntschaft mit einer unbekannten Schönen schließt. Hier werden Orgien gefeiert, wie sie sich der brave Fridolin zuvor nicht vorzustellen wagte. Doch er ist in Gefahr: Jeder Fremde muß die sexuellen Ausschweifungen mit dem Leben bezahlen, sollte er entdeckt werden. Von seiner Geliebten wird ein großes Opfer verlangt. Doch auch Albertine bleibt nicht lange die Unschuldige, Naive. In erotischen Träumen flüchtet sie in die Arme unbekannter Liebhaber, während Fridolin gequält wird. Durch ihre ungezügelten Begierden wird ihre Partnerschaft auf eine harte Probe gestellt.

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Engelsblut

Posted in Alexandria with tags , on 7. Oktober 2008 by lady8jane
Engelsblut von Julia Kröhn

Engelsblut von Julia Kröhn

Eigentlich mag ich historische Romane nicht. Bei „Engelsblut“ hat mich aber der Klappentext angesprochen:

Österreich im 19. Jahrhundert: Die Bilder des Samuel Alt versetzen die Menschen in Schrecken und Zorn – offenbaren sie doch die ungeschminkte Wahrheit über denjenigen, der sich hat portraitieren lassen. Also meidet Samuel Alt die Menschen. Seine Sehnsucht ist es, reine und wunderbare Engelbilder zu schaffen. Aber der Preis dafür ist höher, als er sich hätte träumen lassen.

Das liegt vor allem daran, weil ich eine Schwäche für mißverstandene und/oder geniale Künstler habe. Der Künstler in „Engelsblut“ ist nicht nur all das sondern auch noch geistesgestört. Und diese Störung ist ausgezeichnet dargestellt, Samuels Werdegang ist absolut glaubwürdig beschrieben.

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