Archiv für Rainer Maria Rilke

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

Posted in Alexandria, Bibliothek Suhrkamp, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Mai 2010 by lady8jane
Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von Rainer Maria Rilke

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von Rainer Maria Rilke

„Ich glaube, ich müßte anfangen, etwas zu arbeiten, jetzt, da ich sehen lerne. Ich bin achtundzwanzig, und es ist so gut wie nichts geschehen“, schreibt Malte Laurids Brigge in sein Tagebuch. Das bleibt nicht lange so. Der letzte Sproß eines aussterbenden dänischen Adelsgeschlechts verliert nach dem Tod seiner Eltern alles: seinen Besitz, seine Heimat. Er versucht, sich als Dichter im Paris der Jahrhundertwende durchzuschlagen. Mit wachem Blick zeichnet er das Bild einer pulsierenden Metropole, die zum Zentrum der modernen Welt wird. In seinen atemlosen Tagebucheinträgen berichtet er von den ewig hell erleuchteten Restaurants, den gesichtslosen Passanten und dem rasenden Verkehr, von den Bettlern und den Kranken. Bald droht der übergenaue Beobachter im besinnungslosen Strudel der Großstadt unterzugehen. Doch da entdeckt er eine zweite, innere Welt: Durch die kalten Gassen von Paris trägt er das Kind in sich, die Erinnerungen an seine Jugend auf dem dänischen Landsitz der Familie. Die „Scheinwerfer des Herzens“ richten sich nach innen, und seine Spaziergänge durch Paris werden zu Gedankengängen durch die Welt seiner Gefühle.

Rilkes existenzialistischer, lyrischer Roman ist der Beginn der literarischen Moderne in der deutschsprachigen Literatur. In seinem fragmentarischen Stil spiegelt er die Zerrissenheit der modernen Welt. Er ist ein intimes Tagebuch von schonungsloser Offenheit, ein literarisches Puzzle, welches sich vor den Augen des Lesers zu einem Bild tiefer Ehrlichkeit und Schönheit zusammenfügt.

„Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ habe ich das erste Mal mit 16 oder 17 gelesen, mitten in meiner „Goth-Phase“. Ich fand es großartig! Jetzt, da ich es Dank der SZ-Bibliothek noch einmal gelesen habe, muß ich sagen: Es IST großartig!

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