Chronik eines angekündigten Todes

Chronik eines angekündigten Todes von Gabriel García Márquez

Chronik eines angekündigten Todes von Gabriel García Márquez

Ein Mädchen wird in der Hochzeitsnacht nach Hause geschickt, weil es nicht mehr unberührt war. Seine Brüder beschließen den angeblichen Verführer zu töten. Ein Dorf sieht zu.

So kurz der Klappentext zu „Chronik eines angekündigten Todes“ auch ist, er verrät doch zu viel. Gabriel García Márquez hat seine Erzählung nämlich ungeheuer raffiniert konstruiert. Zunächst erfährt der Leser nämlich nur, daß Santiago Nasar getötet werden soll, nicht warum und auch nicht von wem. Stattdessen folgt man ihn, wie er seinen Tag beginnt.

Nach und nach erst erfährt man die Hintergründe, die der Erzähler nach einigen Jahrzehnten noch einmal zu rekonstruieren versucht. Insofern ist die Geschichte immer wieder durch Zitate der Augenzeugen angereichert, in denen sie ihre Meinungen und Beobachtungen frei von der Leber weg erzählen.

So entsteht ein Kaleidoskop von Eindrücken, ein lebendiges Bild des Dorfes und seiner Bewohner. Und trotzdem blickt man fassungslos auf dieses Verbrechen, das so viele hätten verhindern können (und das die Täter nicht wirklich begehen wollten). In all seiner Übertreibung ein eindringliches Bild der kolumbianischen Gesellschaft der Zeit.

Faszinierend übrigens, wie sich Inhalt und Form bei diesem Roman perfekt ergänzen. Er erzählt die Geschichte eines angekündigten Todes (bzw. Mordes). Und er tut es, indem er den Tod gleich im ersten Satz ankündigt. DAS ist mal Erzählkunst! Ich freue mich schon auf den nächsten Márquez, den ich hier liegen habe.

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