Archiv der Kategorie: SZ-Bibliothek

Die SZ-Bibliothek – Mein Fazit

Die SZ-Bibliothek ...
Die SZ-Bibliothek …

Wow … 100 Bücher! Und ich habe sie alle gelesen und rezensiert! Seit fast drei Jahren begleitet mich die Reihe jetzt und es ist ein wirklich befriedigendes Gefühl, sie jetzt alle zusammen in meinem Gelesen-Regal stehen zu sehen. Es waren wirklich großartige Romane dabei und einige, die ich wirklich furchtbar fand. Bei manchen habe ich mich gefragt, wieso sie in die Reihe aufgenommen wurden, bei anderen habe ich mich geärgert, wie belanglos sie waren.

... einfach nur schön!
… einfach nur schön!

Gerade die Auswahl der Bücher hat mich einige Male beschäftigt. Zunächst sollten ja nur 50 Bände erscheinen, die fast allesamt von westlichen Autoren und von Männern geschrieben wurden. Bei den zweiten 50 dann scheint die SZ-Redaktion das bemerkt zu haben, denn der Frauenanteil ist deutlich gestiegen, und auch einige Autoren aus Afrika und mehr aus Südamerika wurden in die Reihe aufgenommen. Trotzdem wundert es mich doch, daß zum Beispiel Kenzaburo Oe oder Yasunari Kawabata es nicht unter die 100 Bücher der SZ-Bibliothek geschafft haben. Aber ich muß ja auch nicht alles verstehen …

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Hundert große Romane des 20. Jahrhunderts

Hundert große Romane des 20. Jahrhunderts herausgegeben von Thomas Steinfeld
Hundert große Romane des 20. Jahrhunderts herausgegeben von Thomas Steinfeld

Dankenswerterweise hat die SZ-Redaktion in „Hundert große Romane des 20. Jahrhunderts“ die Rezensionen zu allen 100 Bänden der Reihe herausgebracht. Zusätzlich sind die einleitenden Artikel zu den ersten und den zweiten 50 Bänden, ein Autoren- und ein Rezensentenverzeichnis, sowie ein Artikel über den Erfolg der SZ-Bibliothek abgedruckt.

Für mich ist das ein wirklich guter Abschluß der Reihe und ein hilfreiches Werkzeug für den Leser. Denn auf der Website der Süddeutschen sind die Rezensionen zu den ersten 50 Bänden schon nicht mehr zu finden. Und ich lese diese Artikel wirklich gerne, nachdem ich ein Buch fertig habe, vor allem, wenn ich mich frage, wieso ein bestimmter Band überhaupt in die Reihe aufgenommen wurde.

Sehr charmant ist übrigens, daß der Einband dieses Buches die Bände der SZ-Bibliothek nachahmt. Sowohl in der Reihenfolge, in der Farbe und sogar in der Dicke entsprechen die Streifen genau der Reihenfolge, Farbe und Dicke der 100 Bücher. Ich finde, das hat einfach Stil!

Lob der Stiefmutter

Lob der Stiefmutter von Mario Vargas Llosa
Lob der Stiefmutter von Mario Vargas Llosa

Am vierzigsten Geburtstag erhält die schöne Doña Lukrezia von Alfonsito, ihrem zehnjährigen Stiefsohn, einen liebevollen Brief, der sie endgültig davon überzeugt, daß es seinetwegen keine Schwierigkeiten in ihrer erst vor kurzem geschlossenen Ehe mit dem Vater Don Rigoberto geben wird. Der ist ganz verliebt und konzentriert auf den Liebesdienst an seiner Lukrezia, er pflegt sich und bereitet sich auf jede Nacht in den Armen seiner Frau sorgfältig vor. Trotzdem fühlt sich Lukrezia durch Alfonsito verunsichert, wenn er sie leidenschaftlich umhalst. Als sie erfährt, daß er sie auch noch heimlich im Bad beobachtet, wird ihr der Junge in seiner Schwärmerei für sie ein bißchen unheimlich und sie beschließt, deutlich Abstand zu nehmen: „Als Alfonsito an diesem Nachmittag von der Schule nach Hause kam und auf sie zuging, um ihr einen Kuß zu geben, wandte sie sogleich das Gesicht von ihm ab und vertiefte sich wieder in die Zeitschrift, die sie gerade durchblätterte, ohne ihn nach dem Unterricht oder nach den Aufgaben für den nächsten Tag zu fragen.“ Doch Alfonsito leidet so sehr unter dieser Entfremdung, daß er ihr einen Abschiedsbrief schreibt: er werde sich umbringen, wenn Doña Lukrezia weiterhin so kalt und grausam bliebe. Die schöne Stiefmutter ist ehrlich betroffen und eilt zu Alfonsito …

Nachdem mich Mario Vargas Llosa mit „Das grüne Haus“ ja nicht so vom Hocker gerissen hat, bin ich von „Lob der Stiefmutter“ total begeistert. Es ist ein herrlich bösartiges Buch!

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Der schwedische Reiter

Der schwedische Reiter von Leo Perutz
Der schwedische Reiter von Leo Perutz

Krieg und Barbarei beherrschen die Szenerie um 1700, in der ein namenloser Dieb und der desertierte schwedische Edelmann Christian von Tornefeld aufeinander treffen und der erste mit List und Tücke, aber auch aus Liebe zu einer jungen Frau die Identität des anderen annimmt. „Das Schicksal hatte ihn oft genug vor die Wahl gestellt, ob er lieber Hungers sterben oder gehenkt werden wollte. Und jetzt, da er seinem Landstreicherleben ein Ende machen und seine Freiheit hingeben wollte für ein Stück Brot alle Tage und ein Dach über dem Kopf, jetzt überkam ihn eine trotzige Begierde, hinauszugehen dorthin, wo der scharfe Wind pfiff, und noch einmal, ein letztes Mal, mit dem Tod eine Courante zu tanzen.“ Der Dieb begegnet einem phantastischen Panoptikum von Figuren wie dem Malefizbaron, der roten Lies und dem schwarzen Ibitz. Er wird Hauptmann einer Kirchenräuberbande und heiratet nach Auflösung der Bande unter dem Namen Christian von Tornefeld jene junge Frau Maria Agneta. Die Tochter Maria Christine wird geboren und das Glück ist groß …

Wie schon öfter erwähnt, bin ich kein Fan von historischen Romanen. Leo Perutz‘ „Der schwedische Reiter“ hat mich trotzdem begeistert. Das mag daran liegen, daß das Buch mich über weite Strecken an eines meiner Lieblingsbücher, „Krabat“, erinnert. Nicht unbedingt wegen des Themas sondern wegen der Stimmung. Obwohl auch hier eine verwunschene Mühle und ein unheimlicher Müller vorkommen. Zurecht nennt Daniel Kehlmann Perutz „den größten magischen Realisten unserer Sprache“.

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Das steinerne Herz

Das steinerne Herz von Arno Schmidt
Das steinerne Herz von Arno Schmidt

Walter Eggers fährt auf der Suche nach dem Nachlaß des hannoveranischen Statistikers Curt Heinrich Conrad Friedrich Jansen nach Ahlden und mietet sich bei Frieda Thumann, einer Enkelin Jansens, und ihrem Mann Karl, einem Lastwagenfahrer, ein. Auf dem Dachboden des Hauses gibt es eine viel versprechende Bücherkiste. Eggers beginnt mit Frieda ein Liebesverhältnis, doch Frieda rückt nur Stück für Stück mit den begehrten Jansen-Schätzen heraus: „… da stand sie; nackt; meine Staatshandbücher unter dem Arm (so daß die linke Brust zum Teil drauflag: auf dem kalkblauen Jahrgang 1843!!): oben ein kaltes Lächeln, unten Pantoffeln.“ Eggers fährt mit Karl nach Berlin, der in Ost-Berlin eine Freundin, Line Hübner, hat. Am nächsten Morgen nehmen sie Line mit einem ergaunerten Reisepaß mit nach Ahlden. Nachdem Eggers die Bücher ergattert hat, plant er seinen Abgang aus dem Thumann-Haus. Doch da wird in einer Zwischendecke des Hauses ein Goldschatz entdeckt. Die Münzen werden in Hannover an einen Sammler verkauft. Eggers muß sich nun entscheiden …

Arno Schmidt verwendet in „Das steinerne Herz“ eine völlig andere Sprach- und Romanform. Sein Roman ist abschnittsweise gegliedert und wird immer von einigen kursiv geschriebenen Worten eingeleitet. Der Text selbst ist völlig experimentell und sprunghaft geschrieben, totale Innensicht.

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Malina

Malina von Ingeborg Bachmann
Malina von Ingeborg Bachmann

Die Ich-Erzählerin aus der Ungargasse im dritten Wiener Bezirk lebt mit dem vierzigjährigen Malina zusammen, einem „Staatsbeamten der Klasse A“. Ihre brennende Liebe gehört aber dem wenige Jahre jüngeren Ivan, der mit zwei kleinen Kindern in der Nachbarschaft lebt. Die Beziehung zu Ivan überdeckt alles, auch die reale gesellschaftliche, politische und private Umwelt: „Meine Phantasie, reicher als die Yagephantasie, wird endlich durch Ivan in Bewegung gesetzt, etwas Immenses ist durch ihn in mich gekommen und strahlt nun aus mir, immerzu bestrahle ich die Welt, die es nötig hat, von diesem einen Punkt aus, an dem nicht nur mein Leben sich zentriert, sondern mein Wille, ‚gut zu leben‘, um wieder brauchbar zu sein, denn ich möchte, daß Ivan mich braucht, wie ich ihn brauche, und für das ganze Leben.“ Die Erzählerin gerät in eine Trance des bedrohlichen Glücklichseins, es ist wie ein Virus: Die Liebe ist eine Art von Krankheit …

„Malina“ ist ein ungeheuer interessant geschriebener Roman. Ingeborg Bachmann läßt ihre Ich-Erzählerin sich in allen möglichen Stilformen ausdrücken, und in jeder einzelnen Form ist sie brillant.

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Jakob von Gunten

Jakob von Gunten von Robert Walser
Jakob von Gunten von Robert Walser

Jakob von Gunten stammt aus gutem Haus. Er verläßt es aber aus Angst, von der Vortrefflichkeit des Vaters erstickt zu werden. Er meldet sich in einer Knabenschule, und Herr Benjamenta, der Institutsvorsteher, nimmt ihn auf. Fräulein Lisa, die Schwester des Vorstehers, unterrichtet Gehorsam und Benehmen. Ein Grundsatz lautet: „Wenig, aber gründlich.“ Jakob versucht einmal gegen die Demütigungen zu rebellieren, aber als er sich beschweren will, läßt ihn Herr Benjamenta fünfmal anklopfen, sich verbeugen und laut und deutlich grüßen: „Guten Tag, Herr Vorsteher.“ Dann darf er sich endlich beklagen, doch Herr Benjamenta läßt ihn stehen und liest Zeitung. Über den Musterschüler Kraus schreibt Jakob in sein Tagebuch, er reite auf der Zufriedenheit, aber das sei „ein Gaul, den Personen, die galoppieren wollen, nicht besteigen mögen“. Eines Tages gesteht ihm der Institutsvorsteher, er liebe erstmals einen Menschen, nämlich ihn, ob Jakob nicht sein Freund und Vertrauter werden wolle. Lisa Benjamenta sieht derweil immer kränker aus und gesteht Jakob, daß sie bald sterben werde. Kurz darauf ist sie tot. Die anderen Zöglinge verlassen die Schule. Jakob bleibt allein mit Herrn Benjamenta zurück. Der erklärt, daß er keine Schüler mehr aufgenommen habe, weil er das Institut schließen werde. Und er lädt Jakob ein, ihn zu begleiten: „Wir werden reisen“ …

Robert Walser kannte ich vor der SZ-Bibliothek noch nicht einmal dem Namen nach. Dabei ist er ein wirklich genialer Autor. Sein „Jakob von Gunten“ ist ein äußerst vergnügliches Buch. Es ist wirklich gut geschrieben, das ist das eine. In einem absolut brillanten Deutsch, mit sehr spitzem und subtilem Humor, einfach ein Vergnügen.

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