Archive for the Bibliothek Suhrkamp Category

Das Bildnis des Dorian Gray

Posted in Alexandria, Bibliothek Suhrkamp, SZ-Bibliothek with tags , on 14. November 2011 by lady8jane
Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde

Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde

Es ist der Traum eines jeden Menschen, nicht altern zu müssen. Für den jungen, aufstrebenden Dorian Gray geht dieser Traum auf mysteriöse Weise in Erfüllung. Nachdem der Maler Basil Hallward ihn für einen Freund portraitiert hat, geschieht das Unglaubliche: Während das Gesicht auf dem Bild von Tag zu Tag älter wird, scheint Dorian ewig jung zu bleiben. Jahr um Jahr geht ins Land, doch sein Gesicht ist immer noch das eines wunderschönen Jünglings. Sein blendendes Aussehen verschafft ihm Erfolg bei Frauen und Männern, die allesamt fasziniert sind von seiner unvergänglichen jugendlichen Schönheit. Er verkehrt in den besten Gesellschaftskreisen, verbringt Stunden vor dem Spiegel, um sich herauszuputzen, und führt das mondäne Leben eines Dandys.

Doch Dorian hat auch etwas Beunruhigendes. Je länger der Spuk dauert, desto verwunderter fragen sich die Leute, was es mit seiner unvergänglichen Jugend auf sich hat. Der Maler Hallward sucht nach seinem Portrait von einst, und Dorians Geheimnis droht entdeckt zu werden. Doch das kann Dorian nicht zulassen. Was als Traum ewiger Schönheit begonnen hat, wird zum Alptraum …

„Das Bildnis des Dorian Gray“ ist eines meiner Lieblingsbücher. Es ist definitiv die beste Prosa, die Oscar Wilde geschrieben hat (und ich bin ein großer Fan von Wilde).

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Eine Liebe Swanns

Posted in Alexandria, Bibliothek Suhrkamp, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Juni 2011 by lady8jane
Eine Liebe Swanns von Marcel Proust

Eine Liebe Swanns von Marcel Proust

Swann ist hoffnungslos verliebt. Seit er festgestellt hat, daß die schöne Odette einer Figur in einem Gemälde Botticellis gleicht, kann er seine Augen nicht mehr von ihr abwenden. Seine Aufmerksamkeit schmeichelt ihr zunächst, und sie führt ihn in den Salon der Verdurins ein. Doch nach und nach verliert sie das Interesse an Swann – der ihr nur um so bedingungsloser verfällt. Als er eines Tages mit ihrer Untreue konfrontiert wird und feststellen muß, daß Odette eigentlich eine Dame aus der Halbwelt von zweifelhaftem Ruf ist, scheint er aus einem bösen Traum zu erwachen und erkennt mit einem Mal, daß er Jahre seines Lebens mit der Liebe zu einer Frau verbracht hat, die es nicht wert war, so vergöttert zu werden.

„Eine Liebe Swanns“ (1913) ist eine psychologische Studie, die Proust Meisterschaft verrät, feinste Nuancen des Seelenlebens in Worte zu fassen und intimste Gefühlsregungen literarisch erfahrbar zu machen. Vor den Augen des Lesers entsteht ein Kaleidoskop der Emotionen zwischen erwachender Liebe, brennender Leidenschaft und verzehrender Eifersucht. Zugleich portrait Proust satirisch das großbürgerliche und adlige Gesellschaftsleben in einer untergangenen Welt: dem Fin de siècle.

Ich hatte vorher noch nie etwas von Marcel Proust gelesen, aber natürlich schon viel von ihm gehört. Nachdem ich jetzt mit „Eine Liebe Swanns“ zumindest einen seiner Romane kennengelernt habe, muß ich sagen, Proust ist gar nicht so schwer zu lesen wie alle immer tun. Gut, er ist kein großer Freund von Absätzen und seine Sätze oder besser Satzkonstrukte sind sehr lang. Aber wenn man einmal „Die Akazie“ gelesen hat, dann ist Proust noch vergleichsweise harmlos. Seine Sätze sind zumindest grammatikalisch richtig und ordentlich durch Interprunktion gegliedert.

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Fräulein Christine

Posted in Alexandria, Bibliothek Suhrkamp with tags , on 21. Januar 2011 by lady8jane
Fräulein Christine von Mircea Eliade

Fräulein Christine von Mircea Eliade

„Fräulein Christine“ ist 1935 erschienen und damit fast noch unter die Klassiker der Vampirliteratur zu zählen. Die Geschichte kommt daher auch ohne nennenswerte Schockeffekte aus. Trotzdem schafft es Mircea Eliade, von Beginn an eine unheimliche und bedrohliche Stimmung zu erzeugen.

Der Maler Egor und Professor Nazarie, ein Archäologe, sind auf dem Gut der Familie Moscu zu Gast. Schon bald werden die beiden in die Geheimnisse hineingezogen, die Frau Moscu und ihre beiden Töchter umgeben. Immer dabei durch Erzählungen präsent: Frau Moscus früh verstorbene Schwester, Fräulein Christine. Doch schon bald erscheint das Fräulein den beiden auch in körperlicher Form. Und vor allem an dem hübschen Egor scheint sie Gefallen gefunden zu haben.

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Das Treibhaus

Posted in Alexandria, Bibliothek Suhrkamp, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Juni 2010 by lady8jane
Das Treibhaus von Wolfgang Koeppen

Das Treibhaus von Wolfgang Koeppen

Im Bonn der Fünfzigerjahre beherrscht Untertanentum und wiedererstarkender Nationalismus das politische Klima. Verzweifelt kämpft der sozialdemokratische Abgeordnete Keetenheuve gegen die Wiederaufrüstung und die Militarisierung der westdeutschen Gesellschaft. Er, der aus dem Londoner Exil das Naziregime bekämpft hat, muß feststellen, daß sich in Deutschland viel zu wenig verändert: Die alten Eliten greifen wieder nach der Macht, die Mitläufer von einst sind längst still und heimlich wieder integriert. Die Opposition ist gelähmt, und „der Kanzler“ regiert mit seinem autoritären Stil beinahe nach Belieben. Selbst in der eigenen Partei gilt Keetenheuve als schwarzes Schaf, weil er sich nicht dem Fraktionszwang unterordnen will und ein Recht auf seine eigene Meinung beansprucht. Manchmal hat er das Gefühl, daß er dort als ehemaliger Emigrant lediglich eine Alibifunktion erfüllt. Doch nicht allein im politischen Treibhaus Bonn fällt es ihm schwer sich zurechtzufinden. Auch sein Privatleben wird auf eine harte Probe gestellt.

Koeppens Roman „Das Treibhaus“ (1953) ist ein einfühlsames Stimmungsbild der jungen Bundesrepublik. Wegen der Nähe mancher Protagonisten zu Figuren der Zeitgeschichte – der „Kanzler“ gleicht Konrad Adenauer, der Oppositionspolitiker Knurrewahn ähnelt Kurt Schumacher – wurde er oft als Schlüsselroman verstanden. Doch ist er mehr als nur ein Kommentar zur politischen Zeitgeschichte: eine faszinierende literarische Erforschung der bundesrepublikanischen Seenlandschaft der Nachkriegsjahre.

Ja, man kann ihn gut verstehen, diesen Abgeordneten Keetenheuve in „Das Treibhaus“. So wünscht man sich eigentlich seine Politiker: moralisch berührt, Dinge hinterfragend, engagiert und menschlich. Und genauso stellt man es sich vor, daß eben diese Leute an der (Partei-)Politik scheitern.

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Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

Posted in Alexandria, Bibliothek Suhrkamp, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Mai 2010 by lady8jane
Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von Rainer Maria Rilke

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von Rainer Maria Rilke

„Ich glaube, ich müßte anfangen, etwas zu arbeiten, jetzt, da ich sehen lerne. Ich bin achtundzwanzig, und es ist so gut wie nichts geschehen“, schreibt Malte Laurids Brigge in sein Tagebuch. Das bleibt nicht lange so. Der letzte Sproß eines aussterbenden dänischen Adelsgeschlechts verliert nach dem Tod seiner Eltern alles: seinen Besitz, seine Heimat. Er versucht, sich als Dichter im Paris der Jahrhundertwende durchzuschlagen. Mit wachem Blick zeichnet er das Bild einer pulsierenden Metropole, die zum Zentrum der modernen Welt wird. In seinen atemlosen Tagebucheinträgen berichtet er von den ewig hell erleuchteten Restaurants, den gesichtslosen Passanten und dem rasenden Verkehr, von den Bettlern und den Kranken. Bald droht der übergenaue Beobachter im besinnungslosen Strudel der Großstadt unterzugehen. Doch da entdeckt er eine zweite, innere Welt: Durch die kalten Gassen von Paris trägt er das Kind in sich, die Erinnerungen an seine Jugend auf dem dänischen Landsitz der Familie. Die „Scheinwerfer des Herzens“ richten sich nach innen, und seine Spaziergänge durch Paris werden zu Gedankengängen durch die Welt seiner Gefühle.

Rilkes existenzialistischer, lyrischer Roman ist der Beginn der literarischen Moderne in der deutschsprachigen Literatur. In seinem fragmentarischen Stil spiegelt er die Zerrissenheit der modernen Welt. Er ist ein intimes Tagebuch von schonungsloser Offenheit, ein literarisches Puzzle, welches sich vor den Augen des Lesers zu einem Bild tiefer Ehrlichkeit und Schönheit zusammenfügt.

„Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ habe ich das erste Mal mit 16 oder 17 gelesen, mitten in meiner „Goth-Phase“. Ich fand es großartig! Jetzt, da ich es Dank der SZ-Bibliothek noch einmal gelesen habe, muß ich sagen: Es IST großartig!

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Die Akazie

Posted in Alexandria, Bibliothek Suhrkamp, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Januar 2010 by lady8jane
Die Akazie von Claude Simon

Die Akazie von Claude Simon

„Die Akazie“ ist schon wieder ein Buch der SZ-Bibliothek, das den Krieg zum Thema hat, bzw. gleich beide Weltkriege des letzten Jahrhunderts. Das ist schon der fünfte Band der Reihe, in dem der Krieg eine große Rolle spielt (und es wird nicht der letzte bleiben).

Ein namenloser französischer Soldat ist im August 1939 mit dem Zug auf dem Weg zur Front. Während der Fahrt legt er sich Rechenschaft ab über sein – wie er glaubt nutzloses – Leben. An den Vater, der schon 1914 im Ersten Weltkrieg gefallen ist, hat er keine Erinnerungen mehr; nur der vergeblichen Suche nach dessen sterblichen Überresten, auf die er sich als Sechsjähriger mit seiner Mutter begeben hat, kann er sich entsinnen. Ihm scheint, als habe er sein Leben lang nur von einer Uniform in die nächste gewechselt: von der seiner Schule in die Kluft der Anarchisten, von der Uniform des Spanienkämpfers zu der Tracht des avantgardistischen Malers. Jetzt, wo er den Tod vor Augen sieht, begreift er, daß er immer nur Rollen gespielt hat. Sein Leben droht zu enden, bevor es richtig begonnen hat. Doch er überlebt den Fronteinsatz und gerät zunächst in deutsche Gefangenschaft, aus der er schließlich fliehen kann. Das Erlebnis des Krieges aber läßt ihn nicht mehr los, und er beginnt, seine Erfahrungen aufzuzeichnen. Dabei beschreibt er nicht nur sein eigenes Schicksal, sondern erforscht auch das seines Vaters, der dreißig Jahre vor ihm im Ersten Weltkrieg gekämpft hat und zu dessen Opfer geworden ist. So sind seine Aufzeichnungen eine literarische Annäherung an die Sinnlosigkeit der Gewalt, eine autobiographische Spurensuche, in der der Sohn stellvertretend für den Vater und für zwei Generationen das Trauma des Krieges vergegenwärtigt.

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Der Verfolger

Posted in Alexandria, Bibliothek Suhrkamp, SZ-Bibliothek with tags , on 14. Dezember 2009 by lady8jane
Der Verfolger von Julio Cortázar

Der Verfolger von Julio Cortázar

Ich bin seit langem ein großer Fan von Charlie „Bird“ Parker. Deshalb habe ich mich auch auf „Der Verfolger“ von Julio Cortázar besonders gefreut, ist dieses Buch doch quasi eine Biographie von Parker:

Johnny Carter ist ein begnadeter Jazzmusiker, ein avantgardistischer Pionier neuer Stilrichtungen. Doch seine Genialität hat ihren Preis: So unnachgiebig er nach dem perfekten Jazz sucht und die reine, absolute Musik verfolgt, so rücksichtslos zerstört er sich selbst auf dieser Suche. Es scheint, als erkaufe sich der Saxophonist seine revolutionären Klänge durch einen teuflischen Pakt, der ihn in eine selbstzerstörerische Drogensucht führt. Der Erzähler in Cortázars Geschichte beobachtet den rasenden Untergang des Jazzmusikers mit einer Mischung aus Verzweiflung und Faszination. Zum einen ist er Carters Freund und will ihn retten, zum anderen ist er auch dessen Biograph und weiß, daß Carters geniale Musik erst durch dessen Selbstaufgabe möglich wird. Was wiegt schwerer: das Leben eines Einzelnen oder die absolute Kunst?

Julio Cortázars Erzählung „Der Verfolger“ (1958) ist die nur leicht verhüllte Biographie des Ausnahmemusikers Charlie Parker, der in den 40er und 50er Jahren die Jazzmusik revolutionierte. Sie bietet einen idealen Zugang zu Cortázars surrealen Welten und phantastischen Seelenlandschaften und fesselt den Leser bis zum Schluß mit immer neuen bizarren Einfällen.

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