Son of Rambow

Son of Rambow von Garth Jennings
Son of Rambow von Garth Jennings

Wer glaubt, die richtig harten Jungs schon alle zu kennen, der hat sich schwer getäuscht.

Ein langer, heißer englischer Sommer und zwei grundverschiedene Jungs, die zu Freunden werden. Der elfjährige Will (Bill Milner), streng gläubig erzogen, wächst in einer Welt auf, in der Filme und Musik verboten sind. Eines Tages tritt der Schulrabauke Lee Carter (Will Poulter) in sein Leben und verändert mit einer Raubkopie von „Rambo“ für immer alles. Mit einer Videokamera und Will in der Hauptrolle drehen sie ihre ganz eigene Fassung des Films. Mit wilden Stunts und grenzenloser Fantasie, bedacht darauf, daß ihnen Lehrer und Eltern nicht auf die Schliche kommen, geben sie alles für ihren großen Traum.

Warum sind es immer die Engländer, denen charmante, kleine Meisterwerke der Filmkunst gelingen? „Son of Rambow“ ist der vielleicht bezauberndste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe. Die schiere Kreativität und der sorglose Ungestüm der beiden Protagonisten ist einfach herzerwärmend.

Son of Rambow weiterlesen

Träume fischen

Träume fischen von Minako Oba
Träume fischen von Minako Oba

„Träume fischen“ gilt bei japanischen Kritikern als „das Feinste an pornographischer Kunst“ und als „skandalöser Kontrapunkt zum Puritanismus der japanischen Gesellschaft“. Wenn das wirklich so ist, dann war mir nicht bewußt, wie prüde die japanische Gesellschaft ist. Klar geht es in diesem Buch auch um Erotik und Sex, aber eben nicht nur. Und schon gar nicht sehr explizit.

Was mir aber ganz deutlich aufgefallen ist, ist die Verweigerungshaltung, die die Protagonistin hier einnimmt. Sie versucht nicht erfolgreich zu sein, sie versucht nicht ihre Eltern zu unterstützen, sie sucht sich keine Arbeit, nachdem ihr Mann bei einem Unfall gestorben ist. Stattdessen hängt sie herum und läßt sich von ihren Eltern aushalten. Später sieht sie keinen Sinn darin, ihren langjährigen Geliebten zu heiraten. Sie verstößt also gegen alle Konventionen.

Minako Oba schreibt ihre Geschichte in einer wunderschönen Sprache. Sehr gut zu lesen das Buch, Empfehlung!

Die Weltenzerstörer

Die Weltenzerstörer von Marion Zimmer Bradley
Die Weltenzerstörer von Marion Zimmer Bradley

„Gesellschaft für Planetenvernichtung“ – so lautet der inoffizielle und höchst bedrohliche Titel einer Organisation, von der hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Ihr Vorgehen ist ebenso subtil wie brutal: Sie legt nicht den ganzen Himmelskörper ind Schutt und Asche, sondern bricht den Überlebenswillen jener Völker, die nicht gewillt sind, sich vom Terranischen Imperium ausbeuten zu lassen. Und sie hat einen Auftrag: den Planeten Darkover!

„Die Weltenzerstörer“ war immer einer meiner liebsten Darkover-Romane. Er hat alles, was MZBs Darkover-Reihe so besonders macht. Hier treffen sogar mehrere Kulturen aufeinander, Terraner, darkovanische Menschen und die mysteriöse Rasse der Chieri, die sich wohl immer wieder einmal mit den Menschen auf Darkover genetisch vermischt haben. Mischlinge aus solchen Verbindungen hat man in früheren Büchern schon einmal „getroffen“, hier aber erlebt man das erste Mal ein „echtes“ Chieri.

Die Weltenzerstörer weiterlesen

Brasilien, Brasilien

Brasilien, Brasilien von João Ubaldo Ribeiro
Brasilien, Brasilien von João Ubaldo Ribeiro

Schon João Ubaldo Ribeiros „Der Heilige, der nicht an Gott glaubte“ hat mir ja schon sehr gut gefallen. „Brasilien, Brasilien“ ist schon rein formal ganz anders: statt mit einer Kurzgeschichtensammlung hat man es hier mit einem 700+ Seiten-Wälzer zu tun. Aber auch in diesem Format brilliert der Autor, das Buch ist einfach genial!

Ribeiro schreibt, wie der Titel schon sagt, über Brasilien, und schlägt dabei einen Bogen von 1647 bis ins Jahr 1977. Vor allem aber behandelt er das 19. Jahrhundert, in dem in der brasilianischen Geschichte ungeheuer viel passiert ist. Eines der zentralen Themen des Autors ist hier das Verhältnis zwischen den Rassen und den Schichten.

Er folgt dabei verschiedenen Familien, die sich auf die unterschiedlichste Art und Weise entwickeln. Einer der Charaktere verleugnet zum Beispiel seine farbige Mutter, gibt sich als Weißer aus und steigt skrupellos in der Gesellschaft auf, bis sich seine Nachkommen tatsächlich für Weiße halten und alle anderen verachten, ja sich vor ihnen ekeln. Andere nehmen dagegen, obwohl auch gemischtrassig, gut ausgebildet und potentiell in der Lage eine ähnliche Karriere zu machen, den Kampf für das Volk auf. In einer geheimen, mystischen Bruderschaft schließen sie sich zusammen, und widmen ihr Leben einem höheren Ziel: Gerechtigkeit, Gleichheit für alle.

Brasilien, Brasilien weiterlesen