Die Farbe des Mondes

Die Farbe des Mondes von Alkyoni Papadaki
Die Farbe des Mondes von Alkyoni Papadaki

Sie haben es nicht leicht in den Tabakfeldern: Nina, ihre vier Kinder und die Großmutter. Sie sind arm, die Arbeit ist schwer und monoton. Fotis, der älteste Sohn, hält es hier nicht aus. Er geht nach Athen, um das Leben kennenzulernen. Und er lernt es gründlich kennen. Als später seine Geschwister nachkommen, erliegen sie nacheinander den Verführungen der Stadt.

Fotis braucht seine ganze Kraft.

„Die Farbe des Mondes“ ist ein so trauriges wie schönes Buch. Fotis und seine Familie haben das ganze Buch über nur Pech. Das ist an vielen Stellen quasi hausgemacht, denn gerade seine jüngeren Geschwister sind ziemliche Tunichtgute, manchmal aber auch einfach nur Schicksal. So taumeln sie immer weiter in den Abgrund, obwohl (oder gerade weil) sich ihre Mutter mit aller Kraft bemüht, die Familie durchzubringen. Nur Fotis schafft es am Ende, sich zumindest einen Hauch von Glück einzufangen. Und auch das nur, weil er auf die große, alles überwältigende Liebe verzichtet und sich bescheidet.

So traurig der Inhalt, so poetisch der Stil des Romans. Vielfach erinnert das Buch an alte orientalische Erzähler oder Märchen. Nicht nur daß die Bäume, Blumen, Gestirne und Insekten zu Wort kommen und sich unterhalten, nein auch die Metaphern und die generell sehr bildhafte Sprache sind bezaubernd. Hier nur ein kurzes Beispiel:

Und es wurde Abend …
Und sie kam nicht.
(…)
‚Ihr wird etwas Schlimmes zugestoßen sein‘, dachte er. ‚Sicher ist es das. Etwas muß geschehen sein.‘
Da war auch der zugedeckte Kochtopf auf dem Gasherd mit dem Lamm in Eierzitronensauce.
Da waren auch die beiden flachen Teller auf dem Tischchen mit der blauen Marmorplatte.
Da war auch das Schweigen …
Über allem lag das Schweigen, das seine Augen auf die Türklinke geheftet hatte und ironisch lächelte.
Das ertrug er nicht. Das Lächeln des Schweigens.

Ein Roman wie ein Gedicht! Schade, daß er bei einem griechischen Kleinstverlag erschienen ist und damit nur wenigen in die Finger fallen dürfte.