Mitternachtskuß

Mitternachtskuß herausgegeben von Victoria A. Brownworth
Mitternachtskuß herausgegeben von Victoria A. Brownworth

Victoria A. Brownworth präsentiert Vampirismus al dente, feministisch gewürzt. Die acht Stories – mal sexy, mal subversiv – führen die LeserInnen von der ursprünglichen Heimat der Vampire in Osteuropa bis ins Revier einer lesbischen Vampirin in Los Angeles. In einer Geschichte ist es die Mutter, die sich auf merkwürdige Weise ausgesogen fühlt, in einer anderen eine junge Frau, die das dringende Bedürfnis verspürt, jemanden zu vernaschen …

„Mitternachtskuß“ versammelt acht verschiedene Vampirgeschichten. Entgegen des Versprechens auf dem Klappentext und im Vorwort sind die wenigstens der Erzählungen wirklich originell. Vampire in Rumänien, deren Diener Zigeuner sind (die zudem auf ältere Frauen stehen, ein Wunschtraum der Autorin vielleicht?) in Sie haben keine Gesichter. Eine erotisch-pornographische Geschichte, in der eine schöne Frau das „Raubtier“ ist in Zum Sterben schön. Und ganz besonders furchtbar die letzte Erzählung, Die zwölfte Nacht, geschrieben von der Herausgeberin selbst, in der eine lesbische Vampirin in New Orleans und eine Frau mit Namen Luna St. Croix vorkommen. Luna St. Croix! Himmel, das klingt wie schlechte Fanfiction!

Ein ungekürztes Mordfallprotokoll und Die letzte Bahn sind immer noch nicht sonderlich originell, aber halbwegs anständige Urban Legend-Geschichten. Auch das habe ich schon besser gelesen, aber es ist wenigstens solide Schriftstellerei.

Die einzigen Geschichten, die mir länger im Gedächtnis bleiben werden, sind Refugio und Immunität, weil sie Vampire einmal in einen anderen geschichtlich-kulturellen Kontext stellen, und damit tatsächlich halbwegs originell sind. Und Apologie, weil hier (endlich!) eine Horrorgeschichte erzählt wird. Weil es hier um moralische Entscheidungen geht, um das Entdecken des Übernatürlichen und das Grauen im Alltäglichen.