Rosalenas Spiegel

Rosalenas Spiegel von Anne Provoost
Rosalenas Spiegel von Anne Provoost

Behütet von Engeln und Elfen wächst Rosalena zur schönsten Frau des spätmittelalterlichen Flandern heran. Doch ihre Schönheit ist zugleich ein Fluch, erweckt Mißgunst und bedeutet grenzenlose Einsamkeit. Als ihr Vater ihr zuliebe eine weiße Rose aus dem Garten des tyrannischen Thybeert stiehlt, beschließt Rosalena die Schuld zu sühnen und liefert sich dem verbitterten, mißgestalteten Mann freiwillig aus …

Anne Provoost erzählt in „Rosalenas Spiegel“ ein uraltes Märchen neu: „Die Schöne und das Biest“. Und die Art, wie sie das tut, rückt sie für mich tatsächlich in die Nähe von Neil Gaiman, einer meiner erklärten Lieblingsautoren. Seine Neuerzählung „Snow, Glass, Apples“ von „Schneewittchen“ ist so gut, daß man das Märchen nie wieder mit gleichen Augen sehen wird.

Ähnlich großartig ist Provoosts Neuerzählung. Denn ihre Schöne ist nicht von Beginn an schön, im Gegenteil, sie kommt mit einer seltsamen Behinderung auf die Welt: sie ist vollkommen durchsichtig. So ist schon ihr Weg, um schließlich die schönste Frau der Welt zu werden, interessant zu beobachten. Aber auch sonst ist Rosalena eine faszinierende und liebendwerte Persönlichkeit. Ganz sicher nicht die süße Heldin, die man aus der Disney-Verfilmung oder anderen Verfilmungen des Stoffs kennt.

Vor allem aber die Welt, die Anne Provoost hier erschafft, macht für mich die Qualität des Romans aus. Ähnlich wie Kai Meyer ordnet sie zum einen ihre Geschichte sowohl geographisch als auch zeitlich ganz konkret ein. Wir befinden uns in der Nähe von Antwerpen und in der Stadt bricht in der Romanhandlung die Pest aus (was 1529 tatsächlich passiert ist). Gleichzeitig ist ihre Welt eine zauberische, voller Elfen, Geister und Engel, die allesamt nicht ganz das sind, was man erwarten würde. Originell und stilsicher geschrieben!

Eine wunderbare Geschichte über Schuld, Sühne, Liebe und Loyalität, die man jederzeit wieder lesen kann.