Timimoun

Timimoun von Rachid Boudjedra
Timimoun von Rachid Boudjedra

Rachid Boudjedra, der bedeutendste algerische Schriftsteller der Gegenwart, hat mit „Timimoun“ eine Liebeserklärung an die Wüste und die Liebe geschrieben.

„Ich falle ins Unheil der Menschenschicksale, so pathetisch und jammervoll, nun bin ich verliebt und zum Heulen eifersüchtig, weil Sarah für diesen jungen schwarzen Musiker schwärmt, gegen den ich überhaupt keine Chance habe“, klagt ein ehemaliger Pilot, homosexuell, der als Reiseleiter mit Sarah und anderen Touristen in der Sahara unterwegs ist.

Mir hat ja schon „Fluchten“ von Rachid Boudjedra gut gefallen. Also habe ich auch bei „Timimoun“ zugegriffen, zumal das Buch sehr schmal ist. Außerdem hat es mich interessiert, wie ein algerischer Schriftsteller einen homosexuellen Charakter darstellt.

Und ja, das Buch ist wirklich großartig. Boudjedra läßt seinen psychisch und physisch reichlich kaputten Charakter Worte für die Wüste finden, die reine Poesie sind. Dabei verfällt er niemals der Wüstenromantik westlicher Schriftsteller, im Gegenteil, die Wüste ist für ihn ein „Ort der Schmerzen und Leiden“. Trotzdem ist sie ein Ort grausamer Schönheit. Wunderbar zu lesen!

Wie man allerdings darauf kommen kann, daß der Protagonist des Buches homosexuell ist, verstehe ich nicht ganz. Sicher, er mag keine Frauen, ekelt sich sogar vor ihnen, aber das heißt ja noch nicht gleich im Gegenzug, daß er schwul ist. Nein, denn auch im Inneren des Ex-Piloten herrscht Wüste: Er ist frigide, selbstmordgefährdet, leidet an seinem Äußeren, seinem Alkoholismus, an den politischen und sozialen Umständen in seinem Land. Boudjedra rechnet mit und durch seinen Charakter mit vielem ab, das in seinem Land schief läuft. Und auch das ist absolut lesenswert.