Schattenmund

Schattenmund von Marie Cardinal
Schattenmund von Marie Cardinal

Marie Cardinal, 1929 geboren, wuchs in Algier auf und studierte in Paris Philosophie. 1953 heiratete sie und bekam in vier Jahren drei Kinder. 1953 bis 1960 lehrte sie an Auslandsgymnasien. In der Reihe „neue frau“ liegen bereits mehrere Veröffentlichungen der auch in Deutschland sehr erfolgreichen Autorin vor.

In „Schattenmund“ erzählt sie die abenteuerliche Geschichte ihrer Analyse, die sie mit Dreißig beginnt, als sie wegen ständiger Blutungen und Halluzinationen zu normalen Kontakten mit der Außenwelt nicht mehr fähig ist. Leidenschaftliche Anklagen brechen aus ihr heraus, gegen die scheinbar kaltherzige Mutter und eine erstarrte bürgerliche Gesellschaft. Nach sieben Jahren hat Marie Cardinal nicht nur ihre Krankheit überwunden, sondern auch zu sich selbst gefunden; aus dem menschlichen Wrack ist eine selbstbewußte, neugierige Frau geworden.

Nachdem mir „Die Reise nach Algerien“ von Marie Cardinal ja sehr gut gefallen hat, habe ich mich auf „Schattenmund“ sehr gefreut. Im Nachhinein muß ich allerdings sagen … vielleicht hätte ich es lieber doch nicht lesen sollen.

Das Buch ist schlicht ekelhaft. Gut die Hälfte der Zeit setzt sich die Autorin mit ihren Körperflüssigkeiten auseinander und zwar auf recht drastische Art und Weise. Die Schilderungen ihrer Kindheitserinnerungen dazwischen sind genauso großartig, wie ich sie aus „Die Reise nach Algerien“ in Erinnerung hatte. Aber zwischen all der Pisse, Kotze, Scheiße und vor allem all dem Menstruationsblut gehen die (buchstäblich) unter.

Ich frage mich an der Stelle einfach mal … wieso? Wieso schreibt man so ein Buch? Klar, um seine Therapie zu begleiten und sich abschließend mit dem Thema auseinander zu setzen. Völlig legitim. Aber WIESO UM ALLES IN DER WELT veröffentlicht man so ein Buch? Wer will das denn lesen? Ich sicher nicht! Und selbst wenn es als Mahnung oder Warnung oder Hilfestellung für Frauen in einer ähnlichen Situation gedacht ist … so viele Frauen in ähnlicher Situation gibt es nicht! Wer stammt denn heute noch (oder stammte selbst damals) aus einer hochangesehenen Kolonialisten-Familie der Oberschicht, in der die Mutter sich nahe am religiösen Wahn bewegt und alles auf Konventionen ausgerichtet ist? Man kann gegen die Latzhosen-Emanzen um Alice Schwarzer sagen was man will … aber die Ladies haben uns da doch einiges erspart. Danke an der Stelle dafür!

Wer auch nur ansatzweise einen schwachen Magen hat: Finger weg von diesem Buch!