www.else-buschheuer.de – Das New York Tagebuch

www.else-buschheuer.de - Das New York Tagebuch von Else Buschheuer
http://www.else-buschheuer.de – Das New York Tagebuch von Else Buschheuer

Von einem Tag auf den anderen wurden Else Buschheuers Aufzeichnungen aus New York und über New York zu Nachrichten aus der versehrten Stadt. Knapp zwei Meilen vom Ort des Anschlags entfernt, stellte sie ihre Eindrücke in ihr Internet-Tagebuch.

Else Buschheuer war eine der ersten Prominenten, die ein eigenes Blog geschrieben haben. Ihre Aufzeichnungen sind sehr persönlich, oft sehr witzig und von ihrem ganz eigenen Stil geprägt. Im Juli 2007 beginnt sie beim aufbau in New York ein Praktikum und natürlich berichtet sie auch von dort.

„www.else-buschheuer.de – Das New York Tagebuch“, die Zusammenfassung ihrer Blogeinträge aus New York, beginnt dann auch sehr leichtfüßig und witzig. Else Buschheuer beobachtet ihre neue Umgebung mit neugierigem Blick und hält amüsante Details und absurde Begegnungen fest. Die Seiten sprühen vor Lebenslust und Humor. Sie probiert Restaurants aus, empfiehlt und rezensiert Bücher und Filme, und erforscht ihre neue Umgebung. Und dann, fast genau in der Mitte des Buches, dieser Eintrag:

Ich möchte nur schnell anmerken, daß ich durch eines der Flugzeuge, die ins World Trade Center reingeknallt sind (das zweite) wach geworden bin. Das zweite Flugzeug was größer, der Knall war lauter. Genauer: ich habe den beängstigenden Tiefflug gehört (WTC befindet sich optisch am Ende meiner Straße, ganz nah), habe den Crash gehört, der war trotz des permanenten Straßenlärms sehr deutlich zu unterscheiden, habe vor meinem Fenster die Leute zusammenlaufen gehört und O my god rufen hören und bin dann schnell rausgelaufen auf die Straße. In jeden verdammten Turm ist ein Flugzeug geknallt. Die Flughäfen sind geschlossen, ab der Washington Bridge geht nix mehr, die U-Bahnen 1,2,3,9 fahren nicht. Bush hat schon eine Rede gehalten. Aber die beiden Türme stehen. Qualmend, durchlöchert, aber sie stehen.

Ab diesem Zeitpunkt ähnelt das Blog mehr einer Kriegsberichtserstattung. Wie unter einem Zwang berichtet Else Buschheuer aus der unmittelbaren Umgebung des Anschlags, schildert ihre Eindrücke, ihre Angst, ihre Wut, die Unsicherheit was als nächstes kommt. Aufzeichnungen, die atemlos machen, Tränen in die Augen treiben und noch einmal die schrecklichen Ereignisse in Erinnerung rufen. Beachtlich, wie sehr Frau Buschheuer hier ihr Innerstes offen legt, bis an ihre Substanz geht als Reaktion auf dieses Trauma (und schließlich auch zusammenbricht). Beachtlich auch die Solidarität, die sie fast sofort erfährt. Beachtlich aber vor allem auch ihre Reaktion auf die Ereignisse, die eben nicht im Ruf nach Krieg, sondern in Hoffnung auf Frieden bestehen.

Ich bin mir mit vielen meinen Freunden einig, daß 9/11 für unsere Generation später die selbe Bedeutung haben wird, wie die Ermordung Kennedys für die Generation meiner Eltern: Wir werden uns immer daran erinnern, wo wir gerade waren als es passiert ist. Wenn man Else Buschheuers Aufzeichnungen liest, dann wird einem auch wieder bewußt, warum:

Die Twin-Towers sind beide in meine Augen gefallen. Ich habe keine Pupillen mehr, sondern brennende Türme in meinen Augen. Alles, was ich in diesem Leben noch sehe, werde ich durch diese brennenden Türme sehen. Jeder, der mich ansieht, wird diese brennenden Türme in meinen Augen sehen.

Nur durch das Lesen dieser Zeilen sitze ich hier und habe Tränen in den Augen. Trotzdem ist auch meine Folgerung aus diesen Ereignissen nicht der Ruf nach Krieg. Und irgendwie bin ich darauf ein bißchen stolz.