Das Land der Töchter

Das Land der Töchter von Yang Erche Namu
Das Land der Töchter von Yang Erche Namu

Im Südwesten Chinas, nahe dem Himalaja, liegt das Gebiet der Moso: „Das Land der Töchter“ nennen es die Chinesen. Denn dort haben die Frauen das Sagen. Sie besitzen die alleinige Kontrolle – über die Familie, den Besitz und die Liebe. Die chinesische Popsängerin Yang Erche Namu erzählt von ihrer bewegten Kindheit in dieser faszinierenden Welt der Frauen.

Das erste Mal habe ich über die Moso in meinem Studium gehört. Ich wollte schon immer mehr über diesen Volksstamm hören, und habe deshalb bei „Das Land der Töchter“ sofort zugegriffen. Yang Erche Namu, bei uns wohl eher als Model und weniger als Popsängerin bekannt, erzählt darin von ihrem Leben in und ihre Flucht aus dieser ungewöhnlichen Gesellschaft. Wobei ich betonen möchte, daß sie nicht wegen der Traditionen der Moso von zuhause weggelaufen ist, sondern eigentlich aus den Gründen, die schon seit Jahrhunderten junge Menschen von zuhause weglaufen lassen: Um herauszukommen aus der Enge und Abgeschiedenheit des Dorfes, und um in der großen Stadt ihr Glück zu machen.

Was in Yangs Erzählung und im Nachwort ihrer Co-Autorin, der Anthropologin Christine Mathieu, dankenswerterweise immer wieder betont wird ist, daß die Moso eben KEIN Matriarchat sind, daß hier die Frauen eben nicht das absolute Sagen haben. Stattdessen erleben wir hier ein völlig anderes Gesellschaftsmodell, in dem das Konzept der Ehe nicht existiert. Familie wird hier ganz anders definiert und das ist etwas, das den Leser durchaus nachdenklich werden läßt.

Schön (und oft auch traurig) ist übrigens auch zu sehen, wie die Moso mit den Auswirkungen der chinesischen Politik umgehen. Manchmal bedauert man dabei schon die armen Han-Chinesen, die in die absolute Abgeschiedenheit des Moso-Landes geschickt wurden und den Moso etwas erklären zu versuchen, was denen völlig unverständlich ist. Aber leider haben sie auch unter der Politik zu leiden. Es ist zu hoffen, daß sie auch in Zukunft ihren Weg erfolgreich gehen können.

Und ich hoffe demnächst einmal eine wissenschaftlichere Dokumentation über die Moso zu lesen, auch wenn dieses Buch ganz sicher unterhaltsamer ist.