Anacaona

Anacaona von Alicia Castro
Anacaona von Alicia Castro

Kuba, 1932: Elf Schwestern, jung, schön und leidenschaftlich, gründen das Orchester „Anacaona“. Allabendlich treten sie in den Straßencafés von Havanna auf und begeistern das Publikum mit Son und Jazz. Mit Auftritten in New York und Paris gelingt dem Frauenorchester der internationale Durchbruch. Alicia Castro, Saxophonistin, Bassistin und spätere Leiterin des Orchesters, blickt zurück auf ihr bewegtes Leben. Mitreißend erzählt sie von Erfolgen und Tiefschlägen, Verehrern, der Liebe und ihrem Kuba. Ein Buch voller Musik.

„Anacaona“ ist sicher ein ganz interessantes Buch, aber mitreißend erzählt ist es nicht. Wie schon Walli Nagel in „Das darfst du nicht!“, erzählt auch Alicia Castro wie eben alte Damen erzählen: Sie spricht über Leute und Situationen, als ob man selbst dabei gewesen wäre und sich mit ihr zusammen an sie erinnern würde. Daß man viele und vieles davon aber gar nicht kennt und somit auch nicht nachvollziehen oder nachempfinden kann, langweilt man sich an einigen Stellen eben.

Gerade die Persönlichkeiten aus der Musikszene Mittel- und Südamerikas waren mit zum Beispiel völlig unbekannt. Ja auch von der Band Anacaona selbst hatte ich vor diesem Buch noch nie gehört, obwohl die Ladies zu ihrer Zeit extrem erfolgreich waren und in Kuba als „nationales Kulturgut“ gelten.

Was mir an dem Buch wirklich gut gefallen hat, ist der Einblick in das Leben in Kuba in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Freizügigkeit, das bunte Nachtleben, die Freiheit, die gerade die Frauen genossen, erstaunlich! Auch war mir nicht bewußt, wie allgegenwärtig auch heute noch die Santería in Kuba ist. Die absolut selbstverständliche Vermischung von Katholizismus und Spiritismus darin ist wirklich spannend.

Interessant ist, wie selektiv sich Alicia Castro an ihr Leben zurück erinnert. Dabei spart sie negative Dinge nicht unbedingt aus, aber man merkt sehr deutlich, was sie selbst bewegt hat und was eben nicht. Rassismus thematisiert sie zum Beispiel immer wieder. Politik dagegen so gut wie nicht, obwohl Kuba im 20. Jahrhundert an Diktaturen und Revolutionen mehr als genug gesehen hat. Und wieder wünsche ich mir, mehr über die tatsächliche Geschichte des Landes zu wissen … Irgendwann muß ich mir doch noch einen Geschichtsband dazu kaufen!