Fisch aus Gold

Fisch aus Gold von Jean-Marie Gustave Le Clézio

Fisch aus Gold von Jean-Marie Gustave Le Clézio

Nachdem Jean-Marie Gustave Le Clézio den Literaturnobelpreis bekommen hat, habe ich „Fisch aus Gold“ auf meiner Leseliste ganz nach vorne geschoben. Und ich habe es nicht bereut! Darum geht es:

Laϊla heißt auf Arabisch die Nacht, und die dunklen Seiten der Welt erfährt die junge Afrikanerin ohne Wurzeln und Identität auf ihrer Odyssee durch Frankreich und Amerika. Le Clézio, der große französische Autor, erzählt die bewegende und aktuelle Geschichte Laϊlas, einer illegalen Einwanderin.

Ich muß ehrlich sagen, daß ich bei diesem Klappentext eine dieser arme-Frau-wird-mißhandelt-Jammergeschichten befürchtet hatte. Aber Le Clézio macht etwas völlig anderes aus dem Stoff. Das liegt vor allem daran, daß seine Protagonistin kein Opfer ist, oder zumindest nicht nur. Sie ist auch Täterin, ist ambivalent wie die meisten Charaktere in diesem Buch. Laϊla hat schwere Schicksalsschläge einzustecken, aber sie hat auch großes Glück. Immer wieder findet sie Menschen, die gut zu ihr sind, Menschen, die sie durchfüttern, bei sich wohnen lassen und sogar fördern. So bekommt sie eine umfangreiche Bildung, lernt Klavier spielen und singen. Immer wieder geht sie durch sehr tiefe Täler, aber sie wird durch diese Phasen der Katharsis stärker und geht schließlich ihren Weg.

Wirklich genial wird dieser Roman dadurch, daß Le Clézio Laϊlas Werdegang, ihre geistige Entwicklung spiegelt in der Sprache, die er benutzt. Natürlich, möchte man sagen, denn er läßt Laϊla aus der Ich-Perspektive erzählen. Aber so natürlich ist das nicht, denn viele andere Autoren schaffen das nicht. Hier aber wächst die Sprache, die Art sich auszudrücken automatisch mit der Figur mit. Und zwar so subtil, daß man eine Weile braucht, um es zu bemerken.

„Fisch aus Gold“ ist aber noch mehr als ein exzellenter Roman. Es ist auch eine Milieustudie, und zwar eine sehr gute. Mit welcher Präzision und Faszination er die Welt der illegalen Immigranten in Paris einfängt! Vor allem schafft er es auch hier wieder, nicht nur die düsteren Seiten ihres Lebens zu zeigen, da ist auch sehr viel Lebensfreude und Vergnügen. Und da ist die Musik, die Le Clézio wahnsinnig toll schildert. Nur in „Das Wüten der ganzen Welt“ habe ich bisher so intensive Passagen zu Musik gelesen (wenn auch zu einer gänzlich anderen).

Ein wirklich tolles Buch mit einem ungeheuer großen und sehr befriedigenden Ende (aber das will ich natürlich nicht verraten).

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