Indien

Indien von Paul Harather
Indien von Paul Harather

Heinzi Bösel (Josef Hader), ein kleinbürgerlicher Widerling und Kurt Fellner (Alfred Dorfer), ein vom Yuppie-Zeitgeist gestreifter Streber, reisen als Inspektoren des Gast- und Hotelgewerbes durch die Provinz. Aus der anfänglichen Feindseligkeit entsteht eine Freundschaft, die am Schluß sogar der Intensivstation standhält.

„Indien“ ist ein wirklich sehr sehr österreichischer Film. Und auf der anderen Seite … so gar nicht. Er ist schräg, megaseltsam und ganz sicher nicht für jeden geeignet. Im Prinzip geht es nur um diese beiden Looser-Typen, die sich miteinander unterhalten oder sich (öfter) gegenseitig auf den Sack gehen und sich streiten. Dabei entstehen Szenen, die man lange im Gedächtnis behält, wie die eine in der Indien-Liebhaber Kurt Fellner zu indischer Musik bei Sonnenuntergang mitten in der österreichischen Pampa tanzt.

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Bitterer Reis

Bitterer Reis von Duong Thu Huong
Bitterer Reis von Duong Thu Huong

Mit Duong Thu Huong werde ich wohl einfach nicht so recht warm. Schon „Liebesgeschichte, vor der Morgendämmerung erzählt“ hat mich ja nicht begeistern können. „Bitterer Reis“ ist ein wenig besser, aber auch wirklich nur ein wenig. Darum geht es:

Bitterer Reis erzählt das Leben der Studentin Hàng, die seit Jahren glücklos ihr Dasein in den Dienst der Familie gestellt hat: zur Entlastung ihrer Mutter, die am Rande von Hanoi einen kleinen Laden betreibt, zur Unterstützung ihres Onkels Chinh, der sich auf Kosten der Familie im Aufbau des Kommunismus profiliert, und in der Freundschaft zu ihrer Tante Tàm, die ihr von dem verstorbenen Vater erzählt. Jahrelang ist Hàng auf der Suche nach dem verlorenen Paradies, nach dem Vietnam, das nur noch in den Erinnerungen an ihre eigene Kindheit fortlebt, das Land der endlosen grünen Reisfelder, Blumenhecken und Sternennächte, das Land der bunten und duftenden Märkte. All dies ist mit der Agrarreform zerstört worden. Doch eines Tages eröffnet sich Hàng die Möglichkeit, alle alten Bindungen zu lösen und sich aufzumachen, auf die Suche nach einem neuen, noch unbekannten Paradies.

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Wolfsblut

Wolfsblut von Jack London
Wolfsblut von Jack London

Unter dem Schutz seiner Mutter wächst der Welpe Wolfsblut – halb Hund, halb Wolf – in der kanadischen Wildnis auf, bis er von Indianern eingefangen und gezähmt wird.

Aber dann verkauft ihn sein Besitzer an einen brutalen und skrupellosen Weißen, der Wolfsblut für Hundekämpfe abrichtet. Wolfsblut lernt nun die Menschen von ihrer grausamsten Seite kennen und wird zum gnadenlosen Kampfhund. Bis er einen neuen Herren findet, der ihm Verständnis und Zuneigung entgegenbringt …

Jack London, dessen realistische Abenteuerromane seit Generationen zahllose Leser in ihren Bann ziehen, hat einen mitreißenden Tierroman geschrieben, der seinesgleichen sucht.

Mit Jack London konnte ich noch nie allzuviel anfangen, und auch sein „Wolfsblut“ hat mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Zum einen geht es mir mit dem Buch ein wenig wie mit „Black Beauty“: Ich kann mit Hunden nicht so viel anfangen (bin ein Katzen-Mensch) und eine Geschichte, die sich hauptsächlich um Hunde dreht, finde ich einfach nicht sonderlich spannend.

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Fisch aus Gold

Fisch aus Gold von Jean-Marie Gustave Le Clézio
Fisch aus Gold von Jean-Marie Gustave Le Clézio

Nachdem Jean-Marie Gustave Le Clézio den Literaturnobelpreis bekommen hat, habe ich „Fisch aus Gold“ auf meiner Leseliste ganz nach vorne geschoben. Und ich habe es nicht bereut! Darum geht es:

Laϊla heißt auf Arabisch die Nacht, und die dunklen Seiten der Welt erfährt die junge Afrikanerin ohne Wurzeln und Identität auf ihrer Odyssee durch Frankreich und Amerika. Le Clézio, der große französische Autor, erzählt die bewegende und aktuelle Geschichte Laϊlas, einer illegalen Einwanderin.

Ich muß ehrlich sagen, daß ich bei diesem Klappentext eine dieser arme-Frau-wird-mißhandelt-Jammergeschichten befürchtet hatte. Aber Le Clézio macht etwas völlig anderes aus dem Stoff. Das liegt vor allem daran, daß seine Protagonistin kein Opfer ist, oder zumindest nicht nur. Sie ist auch Täterin, ist ambivalent wie die meisten Charaktere in diesem Buch. Laϊla hat schwere Schicksalsschläge einzustecken, aber sie hat auch großes Glück. Immer wieder findet sie Menschen, die gut zu ihr sind, Menschen, die sie durchfüttern, bei sich wohnen lassen und sogar fördern. So bekommt sie eine umfangreiche Bildung, lernt Klavier spielen und singen. Immer wieder geht sie durch sehr tiefe Täler, aber sie wird durch diese Phasen der Katharsis stärker und geht schließlich ihren Weg.

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