Hollywood im Winter

Hollywood im Winter von Lydia Mischkulnig

Hollywood im Winter von Lydia Mischkulnig

Für Kunst muß man Gesetze übertreten. So zumindest lautet die Maxime des Industriellen und Kunstmäzens Tauschitz. Er serviert seinen Gästen ein stilvolles Abendessen auf einem gestohlenen samtroten Kirchenvorhang, sammelt in kleinen Urnen die Zigarettenasche bedeutender Schauspieler, legt seine Terrasse mit Grabsteinen berühmter Menschen aus und schreckt auch nicht davor zurück, seinen Sohn Caesar mit wahren Künstlergenen auszustatten

Im Rahmen der alljährlichen Festspiele wählt Tauschitz für die Inszenierung des Ödipus Rex (sehr frei nach Sophokles) den bekannten Regisseur Berg aus und überläßt ihm – traditionsgemäß – für diese Zeit das karge, aber inspirative Turmzimmer seiner Festung. Eifrig wirkt auch Tauschitz‘ Familie bei den Vorbereitungen der Veranstaltungen mit: Ehefrau Edith hat einen Preis für Nachwuchsdramatiker gestiftet, Tochter Antonia geht mit Berg ein Verhältnis ein, Caesar gelangt zu ungeahnten schauspielerischen Ehren. Die Grenzen zwischen Theater und Realität beginnen zu verschwimmen.

„Hollywood im Winter“ ist ein wirklich bösartiges Buch über den Kunstbetrieb rund um die Salzburger Festspiele. Die Künstler sind durch die Bank extrem selbstbezogen, dämlich, völlig planlos, arrogant und unfähig. Die Kunst, die sie machen ist … schlicht bescheuert (aber nicht ganz unrealistisch, wenn man sich ansieht, was teilweise auf den Bühnen der Welt so inszeniert wird).

Schlimmer noch als die Künstler sind aber die Fans, hier verkörpert durch die Familie Tauschitz, die so krank sind, wie man sich das nur vorstellen kann. Dekadent, mit viel zu viel Geld und Selbstvertrauen ausgestattet, glauben sie, Gott spielen zu können. Ihre Minderwertigkeitskomplexe gegenüber den Kunstschaffenden versuchen sie zu kompensieren, indem sie die Künstler quasi besitzen. Im Prinzip also wirklich ein bitterböser Kommentar auf die österreichische Schickeria.

Trotzdem hat mich das Buch nicht vom Hocker gerissen. Warum? Ich weiß nicht … irgendwie war es mir zu österreichisch. Ich weiß nicht, ob das Sinn macht oder ob das jemand versteht … Genauer kann ich es aber auch nicht erklären.

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