Die Tränen Luzifers

Die Tränen Luzifers von Rosa Lobato de Faria

Die Tränen Luzifers von Rosa Lobato de Faria

Der Schausteller Bernardo ist verliebt in das Revuegirl Maria-Antonia. Um die Frau für sich zu gewinnen, schließt er einen Pakt mit dem Teufel. Er kriegt die Dame seines Herzens, wenn er Luzifer für eine Träne seine männlichen Nachkommen verspricht.

Wieder eine Folge von „Bescheuerte Klappentexte“ … Wer „Die Tränen Luzifers“ nach dieser Beschreibung liest, wird ganz sicher nicht das bekommen, was er beim Kauf des Buches erwartet hat. Mal ganz davon abgesehen, daß er schlicht falsch ist. Bernardo verspricht tatsächlich irgendwie in einem Traum dem Teufel seine männlichen Nachkommen, aber mit den Tränen Luzifers hat es etwas ganz anderes auf sich. Die „Tränen Luzifers“ (oder „Tränen Shivas“) sind eine Flüssigkeit, die einen Menschen in die Lage versetzen, eine Woche lang in einem todesähnlichen Zustand zu verbringen. Und Bernardo hat einen kleinen Vorrat dieser Flüssigkeit aus Indien mitgebracht (und verwendet sie für eine Nummer in seiner Show).

Statt also irgendwelcher magischer Begebenheiten oder einer faustähnlichen Erzählung, ist „Die Tränen Luzifers“ eher eine Milieustudie, ähnlich wie „Licht im Winter“. Erzählt wird auch dieses Buch aus der Sicht der jüngsten Tochter (tatsächlich ist es Dette, die das Buch „schreibt“). Dabei wird die Geschichte der Schaustellerfamilie keineswegs chronologisch erzählt, sondern episodenhaft mit wüsten Sprüngen und Assoziationen. Eben genau so, wie ein ungeübter Autor das tun würde.

Rosa Lobato de Faria gelingt es dabei wunderbar, ihre Figuren zum Leben zu erwecken. Im Guten wir im Schlechten. Denn Dettes Mutter ist eine wahre Furie. Genau wie in „Bittersüße Schokolade“ findet sich auch hier der Brauch, daß die jüngste Tochter nicht heiraten darf, sondern für ihre Mutter sorgen muß. Anders als Tita wird Dette aber ihre Mutter nicht schon relativ bald los, sondern bleibt bei ihr bis zum bitteren Ende.

Und es ist wirklich bitter. „Die Tränen Luzifers“ ist an manchen Stellen kaum zu ertragen, wenn man bedenkt, was Dette alles erleiden muß. Trotzdem ist dieses Buch ungeheuer gut, kraftvoll und beeindruckend. Lesen!

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