Erkundungen – 12 Erzähler aus Japan

Erkundungen - 12 Erzähler aus Japan herausgegeben von Marianne Bretschneider und Heinz Haase

Erkundungen - 12 Erzähler aus Japan herausgegeben von Marianne Bretschneider und Heinz Haase

Diese Erzählungen von etablierten, zum Teil mit bedeutenden Literaturpreisen gewürdigten Schriftstellern lassen ein Profil der japanischen Kurzprosa der Gegenwart erkennen. Zwischen 1973 und 1990 entstanden, dringen sie in die Ministrukturen einer Gesellschaft ein, die als Prototyp einer standardisierten Konsumgesellschaft gilt. Wo das allseits angepaßte der Maßstab ist, gerät jegliche individuelle Eigenart in Gefahr. Und so wird die psychologische Befindlichkeit all jener, die trotz mancher Anzeichen äußeren Erfolgs innerlich zerrissen und einsam sind, zum literarischen Gegenstand. Die Identitätskrise des heutigen Japaners – gleichgültig, ob er der jungen, „verlorenen“ Generation angehört oder an der Schwelle des Todes steht – und die oft tragischen Konflikte im traditionellen Familienverband vermitteln ungewöhnliche, überraschende Eindrücke vom Land der aufgehenden Sonne.

Der Verlag Volk & Welt Berlin hat in seiner Erkundungen-Reihe einige interessante Anthologien von Autoren aus verschiedenen Ländern herausgegeben. Dabei habe ich natürlich als erstes „Erkundungen – 12 Erzähler aus Japan“ gelesen, denn japanische Literatur finde ich schon immer ungeheuer faszinierend.

Die Geschichten, die hier versammelt sind, sind auch einfach nur klasse! Schon die Kurzbiographien der Autoren am Ende des Bandes verraten, daß wir es hier mit durchgehend preisgekrönten Literaten zu tun haben. Und auch die Kurzgeschichten haben eines gemeinsam, wie schon im Klappentext erwähnt: das Thema. Dabei ist es nicht nur die psychologische Befindlichkeit der Protagonisten, die im Vordergrund steht, vielmehr handeln alle Erzählungen von einem Lebensumbruch durch Trauma oder Verlust in irgendeiner Form.

Es ist dabei der melancholische Tonfall, der für mich so speziell japanisch ist. Eine Melancholie, die von einer jahrhundertealten Tradition spricht, die bis heute noch in der japanischen Gesellschaft nachwirkt bzw. lebendiger ist als man im Westen verstehen kann.

Ich kann auch überhaupt nicht sagen, welche der Geschichten mir am besten gefällt. Alle sind sie großartig. Und im Prinzip möchte ich alle die Autoren auf meine Leseliste setzen. Irgendwie wird die immer länger je mehr ich lese …

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