Vater Mensch

Vater Mensch von Nuruddin Farah
Vater Mensch von Nuruddin Farah

Deerye, einstiger Held im somalischen Widerstand gegen die italienischen Besatzer, ist müde und alt geworden. Doch als sein Sohn von den Sicherheitskräften des machthabenden Generals ermordet wird, beschließt er zu handeln: Er plant ein Attentat auf den General …

Wenn es einen Wettbewerb zum schlechtesten Klappentext der Welt geben würde, wäre der von „Vater Mensch“ wohl recht weit vorne zu finden. Das fängt damit an, daß der Name des Protagonisten falsch geschrieben ist, und hört noch lange nicht damit auf, daß hier die Handlung der letzten 20(!!!) Seiten verraten wird.

Vor allem aber spielt der Klappentext dem potentiellen Leser eine völlig andere Geschichte vor als er dann tatsächlich bekommt. Denn „Vater Mensch“ ist kein Buch über Rache, sondern ein Buch über Politik und die Frage, ob Gewalt als Mittel der Politik gerechtfertigt ist. Und es geht um Deeriye, den ehemaligen Held der Befreiungsbewegung, der immer noch politisch bedeutend ist trotz seiner Gebrechen.

Interessant dabei ist, daß Nuruddin Farah seinen Protagonisten nicht über seine politischen Aktivitäten definiert, sondern über seinen Glauben. Deeriye ist ein zutiefst gläubiger Muslim, ein Anhänger des „Mad Mullah“, eines Sufi-Scheichs, der den Aufstand gegen die Kolonialherren angeführt hat. In der Tradition der Sufi glaubt Deeriye an Visionen und Wahrträume, die er selbst erlebt, und die ihm durch die schweren Jahre der Haft geholfen haben.

Nach und nach stellt sich heraus, daß sein Sohn Mursal sich einer politischen Verschwörung angeschlossen hat, die den Diktator töten möchte. Es entspannen sich lange philosophische und politische Gespräche zwischen Vater, Sohn und der Tochter Zeinab. Diese Diskussionen sind genauso interessant wie Deeriyes Überlegungen zu seinem Glauben und seinen Visionen, und ähnlich rührend wie die Versuche des alten Mannes sich mit seinem immer gebrechlicher werdenden Körper zu arrangieren oder sein Bedauern darüber, daß er wegen seiner politischen Gefangenschaft kaum Zeit mit seinen heranwachsenden Kindern hat verbringen können.

Ein wirklich in vielerlei Hinsicht fesselndes Buch, das konsequent zu Ende erzählt wird. Dem Lesegenuß ist es übrigens nicht abträglich, daß „Vater Mensch“ der dritte Teil von Farahs Trilogie „Variations on the Theme of An African Dictatorship“ ist. Genau wie „Bruder Zwilling“ und „Tochter Frau“ ist es ein in sich abgeschlossener Roman, der gut auch ohne Kenntnis der beiden anderen gelesen werden kann.