Salzlose Asche

Salzlose Asche von Flora Nwapa, Gracy Osifo und Zaynab Alkali
Salzlose Asche von Flora Nwapa, Gracy Osifo und Zaynab Alkali

Was wir über den Alltag im afrikanischen Staat Nigeria – und auch über den Alltag der Frauen dort! – wissen, ist und bisher vor allem von männlichen Autoren aus diesem Land, wie Wole Soyinka und Chinua Achebe, nähergebracht worden. Dieses naturgemäß unvollständige literarische Zeugnis einer traditionell geschlechtergetrennten Gesellschaft wollen die nigerianischen Autorinnen Flora Nwapa, Gracy Osifo und Zaynab Alkali mit ihren Kurzgeschichten ergänzen.

Nach der Lektüre von „Salzlose Asche“ drängt sich der Verdacht auf, daß Wole Soyinka und Chinua Achebe nicht vor allem deshalb übersetzt wurden und im Westen bekannt sind, weil sie Männer, sondern einfach weil sie verdammt gute Schriftsteller sind. Flora Nwapa, Gracy Osifo und Zaynab Alkali können ihnen da leider nicht so ganz das Wasser reichen. Obwohl ich denke, daß die mangelnde literarische Qualität auch der schlechten Übersetzung geschuldet ist.

Die Erzählungen, die Lotta Sutter übersetzt hat, weisen nämlich teilweise sogar grammatikalische Fehler im Deutschen auf. Und das nicht nur ein- bis zweimal, sondern mit schöner Regelmäßigkeit. Die beiden Geschichten, die Gisela Seidensticker-Brikay dann übersetzt hat, sind wesentlich besser in ihrer Sprache.

Trotzdem bieten die in diesem Band versammelten Kurzgeschichten einen nicht uninteressanten Einblick in nigerianisches Frauenleben. Wobei es sicher nicht glücklich war, die Sammlung mit den Erzählungen von Flora Nwapa zu beginnen, die durch die Bank die schwächsten des Bandes sind. Das mag daran liegen, daß sie diesen naiv-belehrenden Tonfall drauf hat, der in den 1980ern auch bei uns in der Frauenbewegung üblich war. Und Belehrungs- oder Betroffenheitsgeschichten für/über/von Frauen … das muß einfach nicht sein! Ihr Essay über Schwesterlichkeit und die Organisation von Frauen in der traditionellen Ibo-Gesellschaft und heute war dann aber doch recht interessant.

Gracy Osifos Geschichten sind deutlich besser, vor allem, weil sie für mich die ersten Erzählungen in „Salzlose Asche“ sind, die den Namen auch verdient haben (und gänzlich auf Belehrung verzichten). Zaynab Alkali ist dann noch ein wenig besser, und das, obwohl bei ihr manchmal schon die Betroffenheitsschiene durchkommt. Gerade die letzte Erzählung in der Sammlung „Haus des Schreckens“ ist wirklich gut. Das ist einmal Konsumkritik amüsant verpackt und ohne den nervenden erhobenen Zeigefinger.

Interessant ist übrigens, daß die Autorinnen aus den drei großen ethnischen Gruppen Nigerias stammen. Flora Nwapa ist eine Ibo, Gracy Osifo eine Yoruba und Zaynab Alkali stammt aus einer islamischen Haussa-Familie. Sie ist übrigens die einzige Autorin aus diesem Volk, die mir bekannt ist. Das und die Tatsache, daß ihre Geschichten wirklich nicht schlecht sind, hat sie doch glatt auf meine Leseliste befördert. Bin gespannt, wie ihre Romane sind …