Yolanda

Yolanda von Julia Alvarez
Yolanda von Julia Alvarez

Wie es der Zufall will, habe ich kurz zuvor den Roman „Mararía“ gelesen, der eine ganz ähnliche Herangehensweise wie „Yolanda“ hat. Hier wie dort wird die Geschichte der Hauptperson nicht aus ihrer direkten Sicht erzählt. Stattdessen werden von verschiedenen Personen Geschichten über die Hauptfigur erzählt. So entsteht ein Kaleidoskop von Eindrücken, durch das man sich ein ganz eigenes Bild machen kann.

Während Rafael Arozarena in „Mararía“ ein vom Schauplatz Lanzarote geprägtes Drama um Verlangen und Schuld webt, kommt Julia Alvarez „Yolanda“ deutlich leichter daher. Wobei leichter vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist. „Yolanda“ ist nur eben nicht ganz so konzentriert auf das eigentliche Geschehen, die Hauptfigur. Dadurch wird das ganze nicht so konzentriert, so intensiv.

Oft hat man in den einzelnen Geschichten (besonders im ersten Teil) das Gefühl, daß Yolanda zwar einen Rolle in ihnen spielt, aber eben nur eine kleine, eine Nebenrolle. Erzählt wird stattdessen die Geschichte einer ganz anderen (und für mich viel interessanteren und sympathischeren Figur). Vor allem bei „Die Tochter des Dienstmädchens“ und „Der Lehrer“, aber auch bei „Das Hausmeisterehepaar“ ging mir das so. Diese Kapitel/Geschichten des Buches, zusammen mit „Der Vater“ sind auch die, die mir am besten gefallen (und mich teilweise zu Tränen gerührt haben).

Ein großartiges, ein buntes, ein lebensfrohes und einfach lesenswertes Buch, das Julia Alvarez hier geschrieben hat! Ich kann es gar nicht erwarten, ihre weiteren Romane in die Hände zu bekommen. Denn dieses Buch schreit förmlich nach mehr.