Breaking the Waves

Breaking the Waves von Lars von Trier
Breaking the Waves von Lars von Trier

Ein schottisches Küstendorf in den 70er Jahren: Die unerfahrene Bess (Emily Watson) heiratet Jan (Stellan Skarsgård), einen Arbeiter von der Bohrinsel. Das junge Paar erlebt grenzenlose Liebe und Leidenschaft. Doch nach einem Unfall ist Jan für immer ans Bett gefesselt. Er animiert seine Frau, mit anderen Männern zu schlafen und ihm davon zu erzählen. Im Glauben, Jan damit zu retten, läuft Bess in ihr Verderben …

Lars von Trier ist einer meiner allerliebsten Lieblingsregisseure. Der Mann ist einfach genial! Und „Breaking the Waves“ ist vielleicht sein Meisterwerk.

Der Film ist fast schon unerträglich schön, schrecklich, alles zusammen. Die Aufnahmen sind großartig, vor allem die Kapitelanfänge und die Landschaftsaufnahmen. Die Musik … göttlich! Und dann ist da Bess. Bess ist einfach … einer der wunderbarsten Charaktere, die es jemals im Film gegeben hat. Sie ist so süß, liebevoll und naiv, daß man sie einfach nur in den Arm nehmen und beschützen möchte. Emily Watson spielt sie mit einer Hingabe und Leidenschaft, die einfach nur atemberaubend ist. Daß sie 1997 dafür nicht den Oscar bekommen hat ist eine Schande, so gut ich Frances McDormand in „Fargo“ auch fand.

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Bewohnte Frau

Bewohnte Frau von Gioconda Belli
Bewohnte Frau von Gioconda Belli

Die junge, attraktive Architektin Lavinia steht am Beginn ihrer Karriere. Sie hat in Europa studiert und führt nun in der Hauptstadt ihrer lateinamerikanischen Heimat das unbeschwerte und sorgenfreie Leben einer unabhängigen Frau aus der Oberschicht. Ihre Rebellion gegen die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse beschränkt sich auf gelegentliche Proteste gegen ihre allzu konservative Familie. Das ändert sich über Nacht, als sie sich in Felipe, ihren Kollegen, verliebt, der mit der Untergrundbewegung des Landes zusammenarbeitet. Während sie anfangs nur zögerlich „Beihilfe“ leistet, findet sie bald zu einer eigenständigen, auch von Felipes Vorstellungen emanzipierten Rolle im Kampf gegen Terror und Unterdrückung.

Nachdem ich von „Tochter des Vulkans“ so enttäuscht war, mußte ich unbedingt noch einmal „Bewohnte Frau“ lesen. Dieses Buch von Gioconda Belli hatte ich nämlich vor vielleicht 15 Jahren gelesen und war davon begeistert gewesen. Jetzt wollte ich überprüfen, ob ich damals nur irgendwie verblendet war oder ob sich Bellis Stil und Schreibqualität innerhalb von nur zwei Jahren, die von „Bewohnte Frau“ (1988) bis „Tochter des Vulkans“ (1990) vergangen sind, so verändert hat.

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Stille Zeile Sechs

Stille Zeile Sechs von Monika Maron
Stille Zeile Sechs von Monika Maron

Die DDR Mitte der achtziger Jahre: Rosalind Polkowski, zweiundvierzigjährige Historikerin, beschließt, ihren Kopf von der Erwerbstätigkeit zu befreien und ihre intellektuellen Fähigkeiten nur noch für die eigenen Interessen zu nutzen. Herbert Beerenbaum, ehemals ein mächtiger Funktionär, bietet ihr eine Gelegenheitsarbeit: Rosalind soll, da seine rechte Hand gelähmt ist, seine Memoiren aufschreiben. „Er war mir wegen seines kurzen, aus den Kniegelenken geworfenen und auf der ganzen Sohle landenden Schritts aufgefallen, eine Art der Fortbewegung, die ich häufig an alten Männern beobachtet habe, von denen ich annahm, daß sie es aus ihren jüngeren Jahren gewohnt waren, sicher und, wie meine Mutter sagen würde, forsch aufzutreten.“ Trotz Rosalinds Vorsatz, nur ihre Hand, nicht aber ihren Kopf in den Dienst dieses Mannes zu stellen, kommt es zu einem Kampf um das Stück Geschichte, das beider Leben ausmachte, in dem der eine erst Opfer dann Täter war, und als dessen Opfer sich Rosalind fühlt. Die Auseinandersetzung mit Beerenbaum läßt sie etwas ahnen von den eigenen Abgründen und den eigenen Fähigkeiten zur Täterschaft. „Stille Zeile Sechs“ ist die Adresse Beerenbaums, eine ruhige, gepflegte Gegend für Privilegierte, weit entfernt von dem, was in den Straßen der DDR vor sich geht …

Ich weiß nicht so recht, was ich von „Stille Zeile Sechs“ halten soll. Einerseits ist es ein recht interessantes Buch über Schuld und Sühne, Macht und Ohnmacht und den alltäglichen Wahnsinn in der DDR. Monika Maron schafft zudem sehr interessante und lebendige Charaktere, die man so in einem DDR-Roman nicht erwarten würde. Die Klavierlehrerin, Rosalinds Ex-Freund und sein Kneipenkumpels sind ganz großartig.

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Alexis Sorbas

Alexis Sorbas von Nikos Kazantzakis
Alexis Sorbas von Nikos Kazantzakis

Der berühmte Roman über Alexis Sorbas, den urwüchsigen Philosophen des einfachen Herzens, der alle Berufe kennt, „die man mit Fuß, Hand und Kopf“ ausüben kann. Eine Liebeserklärung an Griechenland und seine Menschen, ein Schelmenroman von antiker Heiterkeit.

Auch als Film mit Anthony Quinn ein unvergessener Welterfolg.

„Alexis Sorbas“ ist ein Roman, den man nur schwer in Worte fassen kann. Er ist ganz sicher zu recht so berühmt, denn er ist großartig. Und man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, ihn zu loben. Am besten nämlich überall.

Nikos Kazantzakis ist hier nicht nur ein Schelmenroman gelungen, nicht nur ein heiteres Buch, das einiges in unserem Leben in Frage stellt. Nein, „Alexis Sorbas“ ist ungeheuer tiefschürfend und stellt schlicht ALLES in Frage. Unsere Abhängigkeiten von Besitz, Erfolg, Wissen, Religion, Vaterland, Essen, Alkohol, Sex, die Frage, was Freiheit eigentlich schlußendlich bedeutet … Um nichts Geringeres geht es in diesem Buch.

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