Täuschung

Täuschung von Philip Roth
Täuschung von Philip Roth

Liebe, Begehren, Verrat, Sex – auf diesern überaus rutschigen Treppe der Leidenschaft bewegt sich Philip, der Held von Philip Roth’ neuem Roman. Er ist natürlich Schriftsteller – und als solcher macht er sich über seinen Gegenstand sorgfältig Notizen, aus denen einmal der große Roman über die Täuschung entstehen soll. Er nimmt sich selbst und seine Geliebte zum Vorbild. Er notiert, was sie mit ihm und er mit ihr tut, so treu und detailliert wie möglich, und das Ergebnis ist eine frivole Liebesgeschichte über einen zweifachen Betrug: am Ehemann der Geliebten und an seiner eigenen Ehefrau.

Bis hierher ist alles normal. Doch nun findet Philips Frau das Dokument dieses fortgesetzten Ehebruchs und fordert, auch das ist normal, eine Erklärung. Die Lüge, die ja auch zur Liebe gehört, geht dem Schriftsteller glatt von den Lippen: alles ist nur ausgedacht, Material für den Roman über die Täuschung, bitte keine Szenen. Und was ist nun wahr? Philip Roth, der Autor der „Täuschungen“, bohrt immer tiefer in die sich überlagernden Wirklichkeitsebenen, bis schließlich sämtliche Grenzen zwischen Wahrheit und Schein aufgelöst sind. Getäuscht sind am Ende alle -enttäuscht ist keiner. Denn die so beiläufig wirkenden Szenen sind kunstvoll miteinander verknüpft, und hinter dem burlesken erotischen Feuerwerk erscheint das gar nicht so komische Bild unserer Gesellschaft mit ihrem Ehrgeiz, ihrem Prestigedenken, ihren Vorurteilen, ihrer Kontaktarmut und ihrer sexuellen Gier.

Ich weiß nicht so recht, was die Leute an Philip Roth finden. Klar, sein Stil ist schon toll und ich mag ja auch eigentlich experimentelle Bücher. Eine Story, die nur durch Dialog erzählt wird, Täuschungen in Täuschungen in Täuschungen … das wäre eigentlich eine extrem coole Mischung.

Aber man! Wieso müssen sich die Dialoge in „Täuschung“ lesen wie ein Ausschnitt aus einem schlechten französischen Film wie „Die Verachtung“? Himmel, man muß sich das mal geben:

Lacht. „Nun, ich glaube, es ist das beste so. Ich glaube, du hast dich sehr treffend ausgedrückt, als du sagtest, es würde dich wahnsinnig machen.“
„Was würde mich wahnsinnig machen?“
„Naja, all diese sexuellen Dinge. Du hast gesagt, du glaubst nicht, daß du auf eine bloß romantische Freundschaft sehr scharf wärest.“
„Ich verstehe.“
„Das ist jetzt irgendwie dein Wir-lassen-das-mal-auf-uns-zukommen-Gesichtsausdruck.“
„Nein, nein, ganz und gar nicht. Es ist mein Ich-höre-immer-noch-zu-Gesichtsausdruck.“
„Naja, ich hätte vielleicht nicht so vereinfachen sollen.“
„Tatsächlich? Oh, ich werde es für dich vereinfachen, wenn du es einfach haben willst.“
„Sag nicht nichts. In finde es gräßlich, wenn du nichts sagst.“

Und so weiter, und so weiter … Grauenhaft!